Du galtest schon in der Schule als der „ewig Zeichnende“. Gab es für dich je einen Plan B neben der Comic-Kunst?
Nein, Comics sind ja nur ein Teil meiner Arbeiten. Und wenn ich mal die Schnauze voll habe, bade ich mich selbstmitleidig in der Vorstellung, als Friedhofsgärtner oder im Sterbeheim zu arbeiten – das wären die einzigen Optionen.

Du hast gesagt, dass du in der Schule in Disziplin immer eine 5 hattest, heute bist du als einer der diszipliniertesten Künstler im Comic- und Illustrationsbereich bekannt – wie kam dieser Wandel?
Meine Arbeitsdisziplin war auch schon in der Schule in den Fächern gut, die mich interessierten. Eine 5 in Disziplin holt man sich ja eher wegen der sozialen Unverträglichkeit, weil man Missstände eindeutig benennt, sein Maul nicht halten und sich nicht in gängige Strukturen einpassen will.

Dein erster Comic war Fred Feuerstein – der hat wenig mit den Protagonisten gemeinsam, die du heute kreierst. Woher dieses Faible für Bösewichte?
Mit Zwölf las ich abends „Doppelmord in der Rue Morgue“ von Edgar Allan Poe – danach gab mir meine Mutter nachts eine halbe Schlaftablette, weil mich das Grauen nicht mehr los ließ. Ich schätze, da war es um mich geschehen und mein Interesse an den dunklen Seiten unserer Existenz besteht bis heute – selbst in der knuddeligen Welt von Schweinevogel.

Die Idee für Schweinevogel kam dir nach dem Presserummel um Klonschaf Dolly und auch dein neuester Film „Herr Alptraum“ beschäftigt sich mit dem Thema Fortschritt.
Es ist unglaublich, dass der Mensch immer alles machen muss, nur weil er es machen kann – obwohl wir meist vorher wissen, dass es nach hinten losgehen muss: Gentechnik, Atomkraft, Massentierhaltung. Ich stehe Fortschritt und Technik skeptisch gegenüber. Der Preis, den wir dafür bezahlen, ist zu hoch.

Du hast auch politische Karikaturen veröffentlicht, die im Rahmen der Lachmesse zu sehen sein werden. Wie gehen Kunst und Politik für dich zusammen?
Kunst als Selbstzweck ist Manierismus. Natürlich ist alles politisch, was der Mensch tagtäglich tut, denn mit seiner Handlung oder Nichthandlung bestimmt jeder Einzelne, in welche Richtung sich die ganze Gesellschaft weiterentwickelt.

Für deinen Animationsfilm „Herr Alptraum“ hast du den Jurypreis beim Kurzsüchtig-Festival gewonnen. Was bedeuten dir solche Auszeichnungen?
Natürlich freuen mich solche Preise, weil sie zeigen, dass man mit seinen Sachen nicht an den Leuten vorbeiarbeitet. Ohne Publikum wäre das Ganze eher eine Nabelschau.

Bist du stolz darauf, ein „Ostprodukt“ zu sein?
Absolut. Es gibt hier ja auch viel Potential und die hiesigen Kulturförderer täten gut daran, den vorhandenen Nachwuchs zu unterstützen.

Also ist Leipzig ein guter Nährboden für Künstler?
Leipzig war zu Ostzeiten durch die Messe ein kleines Tor zur Welt. Dadurch gab“s hier auch verstärkt künstlerische Keimzellen. Irgendwie wirkt das nach und mit Connewitz und Plagwitz hat man heute zwei tolle Stadtteile, durch deren gegenseitige Reibung gute Sachen entstehen.

Das Gespräch führte Jennifer Beck