Ihr seid seit 2012 dauerhaft auf Tournee. Habt ihr immer noch Lust aufzutreten oder freut ihr euch auch mal auf eine Pause?
Beides. Wir haben total Lust aufzutreten, wir haben den Extramonat, den wir drangehängt haben, bewusst gewählt. Wir wollen gerne noch mal eine Runde in den Städten machen, die uns besonders gut gefallen haben. Zum Beispiel Leipzig, wo wir schon lange nicht mehr gespielt haben. Das ist jetzt so ein bisschen der Endspurt, bevor der Winterschlaf beginnt.

Wie würdet ihr euren Musikstil definieren?
Unsere Musikrichtung ist einfach Sea + Air. Das wird man in 10 Jahren ein bisschen besser verstehen. Irgendwann fragt man ja auch nicht mehr: Was macht Prince für Musik? Sondern das ist einfach Popmusik. Prince klingt wie Prince. Und so ist unsere Musikrichtung Sea + Air.

Euer Bekanntheitsgrad ist gestiegen. Habt ihr Angst, als Mainstream-Band zu enden, die ihre Glaubwürdigkeit verloren hat?
Haben wir nicht. Weil wir uns nicht verkaufen. Dafür hätten wir schon viel früher die Möglichkeit gehabt. Es gab schon etliche Anfragen von großen Plattenfirmen, die uns signen wollten, allerdings nur wenn wir mindestens zur Hälfte auf Deutsch singen. Aber das wäre überhaupt nicht unser Ding, weil wir an sich eine internationale Band sind und da kommen wir mit Deutsch nicht sehr weit. Das ist einfach nicht unser Ding auf Deutsch zu singen.

Ist es für euch anstrengend, privat und beruflich die ganze Zeit zusammen zu sein?
Jeder in einer langjährigen Beziehung kennt das ja, dass man durch Höhen und durch Tiefen geht. Das Schöne ist, wenn man alles teilt – so wie wir gerade – dass sich die Gefühle einfach verstärken. Das heißt, wenn es mal irgendwie einen Scheiß-Tag gibt, trägt man das gemeinsam. Was umso schwerer ist und man natürlich auch Zweifel an dem ganzen Konstrukt hat. Wenn es dann aber schöne Momente gibt, verstärken die sich auch, wenn man es mit jemandem teilen kann, wenn man sagen kann: Dafür haben wir hart gearbeitet.

Ihr habt für zwei Filme Musik geschrieben. Gibt es denn einen Film, für den ihr gerne die Musik geschrieben hättet, weil sie dir nicht gefällt?
So schau ich zum Glück keine Filme an. Es gibt dieses Ding bei Zauberkünstlern, dass sie einen anderen Zauberkünstler nicht mehr richtig genießen können, weil sie immer versuchen herauszufinden, wie der Trick funktioniert. Aber es gibt ein paar Regisseure, mit denen wir wirklich super gern zusammenarbeiten würden.

Wer wäre das?
Werner Herzog zum Beispiel. In eine seiner Dokumentationen würden wir bestimmt super gut dazu passen. Genauso aber auch David Lynch, weil er in den Filmen einfach das hat, was wir in der Musik auch haben – diese Extreme: fröhlich zu traurig, leise zu laut, langsam zu schnell.

Gibt es auch musikalische Vorbilder, mit denen ihr unbedingt zusammenarbeiten möchtet?
Ganz viele. Für mich sind ein paar der größten Komponisten, die es gerade gibt, Künstler wie DJ Shadow oder Arvo Pärt, ein klassischer Komponist. Aber auch Pop-Bands wie U2. Die haben in den letzten 10 Jahren nicht mehr so immens bewegt, aber die sind an sich einfach eine magische Konstellation.

Ihr setzt in euren Liedern ein Cembalo ein, ein sehr ungewöhnliches Instrument ist. Wie seid ihr da drauf gekommen?
Das war letzten Endes ein Instrument, was mein Vater bei seinem Umzug an uns verloren hat. Er meinte, wir könnten mitnehmen, was wir wollen – also nahmen wir das Cembalo. Plötzlich ist uns aufgefallen, dass es das perfekte Rockinstrument ist, eine Mischung aus funky Keyboard und Rockgitarre. Es hat quasi Melodie und Rhythmus zugleich, und das sind wir auch als Pole. In unserem Duo ist Leni der Rhythmus, ich bin die Melodie. Darum ist auch die Idee entstanden, das erste Album komplett mit Instrumenten aufnehmen, die zur Zeit von Bach existiert haben, sozusagen Popmusik mit 400 Jahre alten Instrumenten.

Ihr tretet am 22. Oktober 2013 in der Moritzbastei auf. Was können die Leipziger von eurem Auftritt erwarten?
Wir versuchen Extreme zu verbinden. Es gibt viel zu sehen, weil wir in fast jedem Lied die Instrumente durchwechseln. Und einfach von atmosphärisch ruhigen Songs bis zu Partymusik eigentlich alles mit am Start ist. Die Mischung, das klingt vielleicht ein bisschen doof, aber die passt.

Interview: Franziska Mayer