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Nicht noch eine Hypezig-Hymne

Eine linguistische Evolution: Aus Lipz wurde Lipzik, wurde Leipzig, wurde Hypezig. Zugegeben, bei letzterem sträuben sich die Haare zu Berge. Leider bleibt es nicht bei der bloßen Titulierung.



Im Grunde haben wir es hier ja eigentlich nur mit einer linguistischen Evolution zu tun: Aus Lipz wurde Lipzik, wurde Leipzig, wurde Hypezig. Zugegeben sei aber auch, dass sich bei letzterem alle Haare zu Berge sträuben. Leider bleibt es nicht bei der bloßen Titulierung unserer Stadt.

Hypezig ist das Leipzig 2.0. Das heißt: Hypezig ist besser als Berlin, die neue Hipster-Hauptstadt Europas, wie Berlin vor 10 Jahren, ein verlorenes Idyll, cool und hip, ein Unikum ohnegleichen und nicht zu vergessen das neue Detroit. Das alles nervt natürlich. Den Ur-Leipziger und auch den Neu-Leipziger. So hip, jung, frisch und alternativ wir auch alle sein wollen, lehnen wir doch einen Vergleich prinzipiell ab. 

Kein Vergleich mit Berlin! 

Die geheime Electro-Party sollte nicht bei Facebook geteilt, unsere verlassenen Ruinen nur von uns erkundet werden und trendig-vegane Läden nicht in den Mainstream unserer 531.809 Einwohner geraten. So ist er, der Mensch. Er will schützen, was er liebt. Und das zumindest wird ja alle Leipziger einen. Wir lieben unsere Stadt und wollen keinen Vergleich. Nicht weil Hypezig besser oder schlechter als Berlin ist, sondern weil Leipzig für sich steht und spricht. Genauso wie es Berlin tut und auch Ettlingen, eine badische Kreisstadt am Rande des Schwarzwalds. Ja, auch Ettlingen möchte nicht mit Berlin verglichen werden. 

Mein Hypezig lob‘ ich mir!

Neben all dem Anti-Hypezig-Hype dreht man sich vor Hype und Anti allerdings so langsam im Kreis. Gegen was sind wir nochmal? Anti-Leipzig? Anti-Hypezig? Anti-Berlin? Anti-Ettlingen? Oder sind wir schon wieder so Anti, dass wir dafür sind? Das ist alles wirklich sehr verwirrend und im Grunde auch nervig. Vergessen wird schließlich, dass mit jedem Anti der Hype wächst. Und waren wir nicht eben genau dagegen? Macht sich Leipzig nicht auch ein bisschen lächerlich, sich uniformiert so vehement gegen einen Trend zu stellen, der eventuell schon längst in Vergessenheit geraten wäre? Und ist es den Anti-Hypzigern noch möglich, ein Kompliment an ihre Stadt lächelnd anzunehmen, ohne gleich den Mittelfinger zu zeigen? 

Das ist es schon wieder: Das schöne Lebensgefühl in Leipzig!

Vielleicht sollte man all diese mächtige Protest-Energie nach Gohlis investieren und für eine tolerante und weltoffene Stadt einstehen anstatt zu Hause zu sitzen und sich darüber aufzuregen, dass Leipzig schon wieder als cool bezeichnet wurde. Oder man verwendet eben jene Energie, um
gegen die geplante Durchführung der „Compact-Konferenz für Souveränität“
am 23. November im Globana (Schkeuditz) aktiv zu werden und Thilo Sarrazin, Eva Herman und Co. die Stirn zu bieten, anstatt sich zu echauffieren, dass die Zeit online sich gerade gewagt hat, Leipzigs tolles Lebensgefühl zu beschreiben.

Lassen wir die Fragezeichen so stehen und ärgern uns abschließend einfach nochmal. Das machen wir sowieso am liebsten. Letztlich ist dies ja schon wieder ein Hypezig-Text… Damit wollten wir doch eigentlich aufhören, oder?!

Mehr Anti-Hypezig: Hypezig-Tumblr


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