Wer keine Probleme hat, macht sich welche. Jahrelang hat die Computerspiele-Industrie von der Games Convention profitiert. Frisch und experimentier – freudig – Messe und Stadt passten perfekt zusammen wie ein Fun-Date von Supermario mit Lara Croft. Mehr noch: In den Messehallen, Hotels und Clubs fanden Gamer aus ganz Europa zu – einander. Offenbar zum Leidwesen von Managern, die ihre Produkte wichtiger finden als ihre Kunden. So endete die letzte Games Convention mit einem erneuten Besucherrekord und dem verkündeten Umzug nach Köln. Mehr Platz, mehr Ruhe, mehr Geschäftsabschlüsse – so lautet die einfache Rechnung, die allerdings schon bei anderen kaputt restrukturierten Branchentreffs nicht aufgegangen ist.

Riskant ist aber auch der Gegenschlag der Leipziger: Mit der Games Conven – tion Online wird statt hauptsächlich auf Produzenten viel mehr auf die Konsumenten von Computerspielen gesetzt. Das ist in etwa so, als würden sich auf einer Automesse statt Opel und VW die Manta-Clubs und Golf GTI-Freaks präsentieren. Doch was spricht eigentlich da – gegen? Mit Gilde Gothic und dem Two Pi Team haben zwei der größten Communities ihr Kommen zugesagt. Und 62 Prozent der europäischen Gamer sind ohnehin online unterwegs. Für sie könnte die Messe zum neuen Mekka werden. Das hätte man freilich auch ein facher haben können. Denn wer wissen will, wie Gamer wirklich ticken, muss eh nach Leipzig kommen. Zwar muss die Games Convention Online allein mit Hilfe der Communities das nächste Level entern, aber die Chancen dafür stehen gut. Game on! Rainer Wilde