Was gab’s zum Frühstück?
Frisch gebrühten Kaffee und eine Runde Klavierspielen.

Dabei würde man eher Eier mit Speck vermuten, bei dem Pensum, das du gerade absolvierst. Vor Kurzem ist das erste Flimmerfrühstück-Studioalbum „In allen meinen Liedern“ bei Universal erschienen – obwohl ihr euch bei dem Major gar nicht vorgestellt habt…
Wir haben alle größeren Labels in Berlin besucht. Universal haben wir, aus Ehrfurcht vor dem großen Gebäude, außen vor gelassen. Bei einem so großen Label zu landen war letzten Endes einfach nur Glück. Ich glaube heute noch: Ein Sechser im Lotto.

In den zwölf Songs geht es nach eurer Aussage vor allem um die zwei großen Ls der Menschheit: Leben und Liebe. Klingt, als ob ihr euren Fans Einblicke durch eure Schlüssellöcher gewährt…
In gewisser Weise ja. Nicht jeder Song braucht persönliche Nähe. Aber ein wirklich gutes Lied, das jedes Mal weh tut, wenn man es spielt, kommt ohne den persönlichen Bezug nicht zustande.

Das erste Musikvideo zum Album „Charlie Parker Platten hören“ ist Schwarz-Weiß, das Bild flimmert und ihr singt an alten Mikros – woher kommt die Retro-Begeisterung?
Wir sind einfach alle ein bisschen old-school. Außerdem finden wir Jazz super. Jazz ist zwar auch modern, aber gleichzeitig so wahnsinnig altbacken. Und Musik ist ja vor allem ein Lebensgefühl. Manchmal fühlen wir uns da ganz Schwarz-Weiß.

Auch in Leipzig spielt Jazz dank Veranstaltungen wie der Jazztage eine immer größere Rolle und soll für ein jüngeres Publikum attraktiv gemacht werden. Seht ihr da noch Nachholbedarf?
Viele Leute müssen sich etwas mit Jazz beschäftigen, um ihn zu verstehen. Die Leipziger Szene ist toll. Die Jam-Sessions sind offen und jeder darf und soll mitmachen. Natürlich hat Jazz auch was Elitäres, was den Zugang vielleicht erschwert. Aber am Ende ist es doch mit Jazz wie mit jeder Musik: Einfach machen und nicht dauernd drüber reden.

Ihr seid Mitte zwanzig und hört Reinhard Mey und Manfred Krug, die eigentlich im Plattenregal eurer Eltern richtig stünden – könnt ihr euch mit aktueller Musik überhaupt identifizieren?
Klar. Wenn man uns zusammennimmt, dann ist geschmacklich das Spektrum so breit wie die Milchstraße – von Good-Old-Manne-Krug über Electro bis zum modernen Jazz. In den Charts taucht ab und zu ein wirklich gutes Album auf. Und ganz ehrlich: Irgendwie, irgendwo und irgendwann würden wir da gern auch mal landen.

Trotz der musikalischen Rückwärtsgewandtheit geht ihr beim Bundesvision Song Contest neben aktuellen Chart-Musikern wie Juli oder Frida Gold ins Rennen – ein Widerspruch?

Nö. Es traten ja auch Leute wie Tim Bendzko, Jupiter Jones oder die Alin Coen Band an. Wenn alle gleich klingen, wäre das doch furchtbar langweilig.

Für den Contest musstet ihr auch ein Wahlwerbevideo drehen – drei Argumente für Flimmerfrühstück?
Wir haben ein tolles Album, wir haben ein tolles Album und wir …äääh haben ein rotes Klavier.