STADTTEILCHECK: CITY-SÜD

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So manch Einer meint, dass wahre Herz Leipzigs schlägt im Süden. Kaum ein Stadtviertel ist so abwechslungsreich wie dieses. Intellektueller Pol,Heimstatt der Justiz, Kneipenviertel – die City-Süd ist ein wahres Potpourri unterschiedlichster Einflüsse. Unumstritten eines der wichtigsten Zentren der City-Süd ist die Karl-Liebknecht-Straße, liebevoll „KarLi“ genannt. An ihren Straßenrändern befinden sich viele Gebäude, die diesem Stadtteil seinen unvergleichlichen Charme verleihen: das kunterbunte Fischer-Art Haus, das seit Jahren heiß umstrittene Feinkostgelände mit der farbenfrohen DDR-Lichtinstallation der Löffelfamilie oder das gastronomische Urgestein Volkshaus. Nicht zuletzt ist die KarLi aber auch eine gigantische Kneipenmeile, die ihren Anfang in der City-Süd nimmt. Hier finden sich beispielsweise so beliebte Unikate wie das Killy Willy, das Kneipencafé Orange und das Acapulco. Zur Fußball-WM 2006 zogen ihre Freisitze unzählige Leipziger und Touristen an.Nie war die City-Süd kosmopolitischer, lauter und voller als in diesen Tagen. Dennoch, wer die City-Süd nur auf den vorderen Abschnitt der KarLi reduziert, tut ihr Unrecht. Gerade die kleinen Nebengassen mit gemütlichen Restaurants wie dem Tobagi in der Riemannstraße oder kultige Szene-Läden wie das Beyerhaus in der Ernst-Schneller-Straße haben ihren eigenen Reiz. Zu einer Art Mini- KarLi hat sich die Münzgasse gemausert. Dicht an dicht gedrängte Restaurants und Bars lassen hier gar Urlaubsfeeling aufkommen. Versinken in eine unbekannte Welt aus 1001 Nacht verspricht das Beirut Night, gleich nebenan lädt die Kleine Träumerei zum Weiterschwärmen und Abtauchen ein. Selbst für Regentage bietet die Münzgasse das Passende: Im Suppa Summaron lassen leckere Suppen auch das graueste Miesepeterwetter vergessen.

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Kneipen allein geben der City-Süd aber nicht ihr unverwechselbares Gesicht. Bundesverwaltungsgericht, Amtsgericht, Polizeidirektion – die City- Süd war und ist auch ein Zentrum der Macht. Ein ganz anderes Flair verspricht der westlichste Zipfel der City-Süd: das Musikviertel. Zwischen luxuriösen Gründerzeithäusern und grünen Alleen tummeln sich die Intellektuellen der Stadt, nicht zuletzt Dank der geschichtsträchtigen Kulturstätten, die hier ansässig sind. In den Mauern der HGB begründeten in den 1970er Jahren unter anderem Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke die „Leipziger Schule“ – ihr Erbe bewahren noch heute über 500 Studenten, die tagtäglich die Straßen und Cafés des Musikviertels bevölkern. Beheimatet sind hier auch die erst kürzlich restaurierte Universitätsbibliothek Albertina, das abstrakte Geisteswissenschaftliche Zentrum und die HMT „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Eben diesem Bauwerk verdankt das vornehme Stadtviertel auch seinen Namen. Die meisten, der in einem Schachbrettmuster angelegten Straßen, sind hier nach bedeutenden Musikern des 18. und 19. Jahrhunderts benannt. Das man umgeben von soviel Kunst und Historie nicht in ein schnödes Fast-Food-Restaurant zum Kaffee trinken geht, versteht sich von selbst. Beliebter Treffpunkt ist daher das Café Kowalski. Restaurant, Galerie, Lesecafé – das Kowalski ist ein wenig von allem. Schwer einordnen lässt sich auch das GfzK-Café, seinerseits eher Kunstprojekt als Café. Erst in diesem Jahr wurde es komplett neu gestaltet und zieht nun als Paris Syndrom Kunstliebhaber und Durstige gleichermaßen in seinen Bann. Gerade an warmen Sonnentagen findet man sprichwörtlich Jung und Alt auf den nahen Wiesen des Johannaparks. Besonders Verliebte zieht er in seine Mitte, an den großen Teich mit dieser kleinen Insel, über die zwei verschlungene Brücken führen – Romantik pur. Besonderer Beliebtheit erfreut sich der Johannapark aber auch bei den Freizeitsportlern, die auf seinen Wegen von Rollerblades übers Fahrrad bis hin zu den Laufschuhen alles zum Glühen bringen.Die dringend notwendige Erfrischung holt man sich dann im Glashaus: Im Biergarten an einem lauen Sommerabend einen Platz zu erhaschen, zeugt zugegebenermaßen schon von mächtig Glück.Aber nirgendwo lässt sich ein Sommertag besser ausklingen als auf den Holzbänken bei Bratwurst und Fassbrause.
Virginie Scheffler