STADTTEILCHECK: CITY-NORD / GOHLIS

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Nicht weit vom Shoppinggetümmel der Innenstadt und doch so fern von tickenden Uhren steht das riesige Tier einem lebenden Aussichtsturm gleich auf dem trockenen Rasen und kehrt die Prinzipien der Schaulust einfach um. Sein langer Hals bewegt sich nur wenig als es den Blick von dem afrikanischen Holzhaus abwendet, um die neugierigen Menschen auf der Wiese gegenüber zu begaffen.“Oh, guck mal, die Gir…“, ruft meine kleine Nichte aufgeregt und ist auch schon zur Umzäunung davongerannt. Wenn mich meine Familie besucht, vor allem meine Nichte, steht zumeist ein Zoobesuch auf dem Programm. Man kann hier gut und gerne den ganzen Tag verbringen, allerdings nicht ohne Erholungspausen. Eine solche Möglichkeit bietet sich am Rande der Kiwara-Savanne: In einem im afrikanischen Stil erbauten Holzgebäude befindet sich die Kiwara-Lodge. Das Marché Restaurant zieht seine Gäste nicht nur mit den selbst zusammenstellbaren Menüs und den verschiedensten frisch gepressten Säften an, sondern auch mit dem beeindruckenden Ausblick auf die Zebras, Antilopen und Giraffen. Für Frühaufsteher und jene, die gern einmal in Afrika brunchen wollen, bietet es außerdem täglich ein Frühstücksbuffet an. Aber man muss nicht erst in den Zoo gehen, um kulinarische Highlights zu erleben. Gourmets kommen im Leipziger Norden auch ohne Bonobo-Gekreische auf ihre Kosten: im La Cachette beispielsweise, schräg gegenüber des Zooentrees, wo einem Jugendstildamen an den Wänden beim Austernessen zusehen. Auch das Westin Hotel beherbergt zwei Restaurants, die selbst die höchsten Ansprüche befriedigen. Im Edeljapaner Yamato isst man Sushi und Co. vom Feinsten und das Falco in der 27. Etage bietet neben der hochdekorierten Cuisine noch einen unvergleichlichen Ausblick auf die City. Mein Blick schweift an den Giraffen vorbei zum benachbarten Rosenthal. Und was in die eine Richtung funktioniert, gelingt auch in die andere. Herrscht im Geldbeutel einmal Flaute, schnappt man sich am besten eine Decke und seinen Schatz und lässt sich in diesem historischen Landschaftspark von der Sonne kitzeln. Durch das so genannte Zoofenster haben Spaziergänger und Picknicker eine gute Sicht auf die Savanne. Der Leipziger Zoo, dessen Mitarbeiter und tierische Bewohner seit mehreren Jahren die Stars der MDR-Doku „Elefant, Tiger & Co.“ sind, ist die unbestrittene Hauptattraktion im Leipziger Norden. Kulturell kann man hier aber noch mehr erleben. Im Naturkundemuseum beispielsweise gibt es Interessantes über die Erdgeschichte, die Pflanzen- und Tierwelt und die Kulturgeschichte Sachsens zu erfahren.Auch das am Rosenthal gelegene Gohliser Schlösschen ist ein Zeugnis der sächsischen Geschichte. Im angeschlossenen Restaurant werden darüber hinaus im edlen Ambiente der Ostarkaden und des Steinsaals die Geschmacksknospen des Gastes verwöhnt. Den Gaumenfreuden verschrieben hat sich auch ein anderes Kleinod, das sich etwas abseits der Georg-Schumann-Straße, versteckt in einem Wohnviertel aus Gründerzeit Altbauten und engen Straßen, befindet: Die Salumeria Italiana in der Stockstraße ist ein italienisches Delikatessengeschäft, das, abgesehen von seinem erlesenen Angebot, schon durch seine Einrichtung einen Besuch lohnt. Hier prangt eine Jugendstil-Glasdecke über Antipasti, Parmaschinken und italienischen Weinen. Aber hausgemachtes Pesto oder gefüllte Oliven interessieren weder die rebellische Giraffe, die nach wie vor die Zoobesucher bei ihrem merkwürdigen Verhalten beobachtet, noch meine Nichte im Augenblick, mit der ich inzwischen an der Erdmännchenanlage angelangt bin und vor Verzückung dahinschmelze. Wenn sie älter ist und sich dann mehr für Partys, Bars und Clubs begeistert, könnte ich mit ihr nach dem Zoobesuch in der Megabar ein, zwei oder mehr Cocktails trinken. Oder ich würde mit ihr in den TVClub gehen, dessen Donnerstags-Partys geradezu legendär sind. Gemeinsam würden wir dann zur DJ-Musik die Tanzfläche unsicher machen. Heute aber landen wir im Tierkindergarten und lassen uns von kleinen Zicklein an den Hosen zupfen.
Susanne Thiele