Vor einem Jahr hast du gemeint: „Ich muss jetzt mal was gegen diesen Rausch setzen.“ Trotzdem bist du seitdem ununterbrochen auf Achse. Wie schwer fällt es, einfach mal einen Nachmittag nichts zu tun?
Ich habe ja nicht gesagt, dass ich gar nichts machen will – nur, dass die Entwicklung des immer größer und immer mehr erstmal aufhört. Ich toure wieder solo, auch auf kleineren Bühnen. Nichtstun ist nichts für mich.

Im Lied „Burnout“ singst du „Meine Lunge liegt in Leipzig, ich in Hamburg im Hotel.“ Wie schützt du dich vor dem kreativen Ausbrennen?
Der beste Schutz vor kreativem Ausbrennen ist die Arbeit selbst. Jede gute Probe, in der etwas erfunden wird, jede Endprobenphase, in der unter Hochdruck erfunden werden muss, setzt Kreativität erst frei. Das beste Mittel gegen Ausbrennen ist bis dato Brennen.

Seit deinem ersten Stück „Klimarevue“ 2008 bist du zu einer konstanten Größe im Centraltheater geworden – was zieht dich immer wieder nach Leipzig?
Weil ich übers Jahr so viel mit Touren beschäftigt bin, sehne ich mich nach Kontinuität. Da ist es toll, dann jährlich für sechs Wochen in Leipzig zu sein. Inzwischen kenne ich die Leute, gerade auch die hinter der Bühne – das ist schön.

Wetter, Karl May, fremde Länder und Bräuche – bei deinen Inszenierungen stellst du Altbekanntes und Alltägliches in den Fokus. Ein Aufruf, im alltäglichen Leben mal genauer hinzusehen?
Es ging bei den Leipziger Arbeiten eher um Zeitreisen. Um alte Formen wie Revue, Freilichtspektakel oder Völkerschau und wie man diese neu belebt. Ich wollte sehr verstaubte Sachen ins Heute ziehen.

Während deiner Tourneen hast du schon auf etlichen Bühnen Halt gemacht. Inwieweit unterscheiden sich die Zuschauer in den verschiedenen Städten – kannst du eine Humor-Landkarte zeichnen?
Es gibt eher Unterschiede zwischen Dorf und Großstadt. Weil Sushi oder Bionade eben doch noch nicht überall bekannt sind – deswegen wird darüber im Dorf-Saal nicht gelacht.

Dein aktuelles Projekt am Centraltheater widmet sich Grimms Märchen – welche ist deine Lieblingsgeschichte?
Mein Vater sagte mir, „Der Wolf und die sieben Geißlein“ sei früher mein Lieblingsmärchen gewesen. Ich habe von Wölfen Alpträume gehabt. Einen Favoriten habe ich heute nicht, die Bühne wird voll sein mit Märchenrelikten, sie ist ein Archiv von sprechenden Pferden bis Knusperhäuschen.

Das Stück ist ein Plädoyer für das Erzählen. Ein Gut, das deiner Meinung nach zwischen SMS und Twitter verlorengegangen ist?
Das Erzählen wandelt sich. Schon die Grimms sagten, dass die Oma am Spinnrad ausstirbt. Das war vor 200 Jahren. Ich merke bei mir, dass ich selbst kurzatmig bin. Dicke Bücher lese ich nur, wenn ich muss – alles schnell, zersplittert, zerstreut.

Hexe, Prinz oder gute Fee – welche Märchenfigur entspricht dir am ehesten?
Ich kann was mit dem dummen Hans anfangen. Oder Hans Dumm. Dem Dummling, der reinen Herzens ist. Der alles falsch macht und am Ende belohnt wird – schön wär‘s.