Klaus von Dohnanyi, der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, meinte kürzlich, bei öffentlichen Vorhaben müsse man grundsätzlich die veranschlagten Kosten mit dem Faktor Pi multiplizieren, um die tatsächlich anfallenden abschätzen zu können. Beim City-Tunnel wird schon bei einer Erhöhung von 600 auf 800 Millionen durchgedreht. Das Ergebnis des jüngsten Denkversuchs des Leipziger Linkspartei-Vorsitzenden: Weil bisher die Hälfte aller Bauaufträge für den City-Tunnel ausgelöst worden sind und diese mit 481 Millionen Euro zu Buche schlagen, „lässt sich leicht ausrechnen, dass die Gesamtkosten wohl bei 1 Milliarde landen werden“. Das ist so logisch, als würde man behaupten: Wenn in einem halbvollen Einkaufswagen Waren für 50 Euro liegen, werden für den vollen Wagen 100 Euro an der Kasse fällig.

Noch peinlicher ist, dass Ministerpräsident Stanislaw Tillich genau denselben Quatsch erzählt. Beide rechnen sich damit natürlich nicht die Tunnelkosten, sondern ihre Chancen unter Protestwählern aus. Wenn das klappt, werden sie irgendwann die Eröffnung des City-Tunnels mit Häppchen und Schampus feiern können. Und wenn sich die Kosten für die Einweihungsparty verdoppeln? Dann werden beide wohl auf den Faktor Pi verweisen… Rainer Wilde