Nicht nur Workaholics fragen sich, wie sich der „Tag der Arbeit“ sinnvoll verbringen lässt. Der Klassiker ist natürlich die Maikundgebung der Gewerkschaften. Ab 10 Uhr wird auf dem Augustusplatz für Mindestlöhne und gegen Privatisierungen demonstriert – und damit irgendwie auch gegen sich selbst. Schließlich hat der DGB erst kürzlich das mit Spendengeldern Leipziger Arbeiter errichtete Volkshaus verhökert. Aber vielleicht lassen sich ja zwischen Hüpfburg und Naschmeile Kontakte knüpfen, um im Gewerkschaftsapparat einen befristeten Job oder ein unbezahltes Praktikum zu ergattern. Sozialstunden bekamen hingegen jene aufgebrummt, die sich in den letzten Jahren tatkräftig dem braunen Mob entgegengestellt hatten.

Diesmal bleibt Leipzig wohl ein Aufmarsch rechter Hohlköpfe erspart. Wahrscheinlich werden im Süden deshalb nun Haltestellen und Schaufensterscheiben als Feindbilder herhalten müssen. Wer rund ums Connewitzer Kreuz den „Überwachungsstaat“ bekämpfen will, sollte allerdings bedenken, dass sich genau dort die einzige Überwachungskamera weit und breit befindet. Den besten Mix aus Nervenkitzel und Aussicht auf Geldsegen dürften also wohl die Pferderennen im Scheibenholz bieten. Eine rote Nelke ins Knopfloch oder Haar gesteckt – und mit etwas Glück gibt es auf der Galopprennbahn tatsächlich etwas zu feiern. Nur halb so gut ist dagegen die Idee, am 1. Mai mit Hilfe von Freunden endlich mal wieder die Wohnung zu malern. Denn das wäre eher ein Tipp für den „Tag der Schwarzarbeit“. Rainer Wilde