Was waren das für Zeiten: Vor 20 Jahren wurden in Leipzig mit dem Slogan „Wir sind das Volk!“ freie Wahlen erkämpft. Am Arbeitsplatz wurde über die Planwirtschaft und in Kaufhallen über die Stasi geschimpft. Heute werden Supermarkt- Kassiererinnen vom Arbeitgeber überwacht und bankrotte Firmen wollen verstaatlicht werden. Nicht die beste Zeit, um bei der Wahl am 7. Juni auf eine hohe Beteiligung hoffen zu dürfen. Dabei werden bei ihr ganz andere, aber nicht weniger wichtige Weichen gestellt: Können Schulen künftig in Privat Public Partnership saniert oder gebaut werden? Wird sich Leipzig durch Anteilsverkäufe städtischer Firmen von seiner Schuldenlast befreien? Und wie geht’s weiter mit der Kulturförderung?

Über all das und noch viel mehr werden die künftigen Stadträte entscheiden. Gute Gründe, sich die Kandidaten genauer anzusehen. Für die Linkspartei geht unter anderem der 38-jährige Azubi Andreas Lemme ins Rennen. Die NPD wiederum verspricht Rettung durch den Lageristen Istvan Repaczki. Auf dessen Lager verzichten wir gern. Doch es gibt auch Lichtblicke: Der rührige Distillery-Geschäftsführer Steffen Kache tritt im Wahlkreis 4 für kulturelle Vielfalt an. Dort bewirbt sich auch Roland Quester, der schon vor der Wende Kopf und Kragen riskiert hat, um für eine freie Presse zu kämpfen. Es ist wichtig, überhaupt zur Wahl zu gehen. Denn nur wer wählt, dessen Stimme zählt! Rainer Wilde