Insolvenzen und Randale – viel mehr hatte der Leipziger Fußball seit der Wende nicht zu bieten. Beschämend, angesichts der Historie: Schließlich wurde in der Stadt der DFB gegründet, von hier kam der erste Deutsche Meister. Heute kicken Lok und Sachsen Leipzig in der fünften Liga, das Zentralstadion steht oft leer. So viel Tristesse ließ sich bislang nur mit einem Magenbitter runterspülen. Seit Neuestem bietet sich jedoch der Griff zum Energydrink an: Mit Red Bull steht ein Gigant hinter dem neuem Verein Rasenballsport Leipzig. Mit professionellem Management und prall gefüllter Kasse soll er möglichst schnell in die Bundesliga stürmen. Hochklassiger Fußball als familienkompatibles Event und ideale Werbefläche – dieses Konzept scheint manchen Traditionalisten suspekt.

Doch all denen sei versprochen: In diesen Verein werden endlich mal keine Steuergelder versickern, auch weiterhin wird man sich in Leutzsch und Probstheida „knappe Heimniederlagen“ schön trinken können und Geld schießt sowieso keine Tore. Dafür braucht es schon ein Team mit spielerischer Klasse. Das scheint inzwischen gefunden worden zu sein. Der Mix aus Local Heroes wie Trainer Tino Vogel und Ex-Nationalspielern wie Ingo Hertzsch wird die Oberliga aufmischen. Zum Glück! Randale und Insolvenzen – es wird Zeit, dass der Leipziger Fußball endlich wieder mehr zu bieten hat. Wenn alles gut läuft, wird auch RB Leipzig irgendwann ein Traditionsclub sein. Und vielleicht mal Deutscher Meister werden. Leipzig hätte es verdient!
Rainer Wilde