Ihr für September geplantes Kunstprojekt „Tanzt die Männerschwimmhalle“ im Stadtbad musste wegen Bauverzögerungen verschoben werden. Wie geht es Ihnen damit?
Das war ein herber Schlag. Aber ich schaue nach vorn und setze alles in Bewegung, die Künstler zu motivieren, dass sie dabei bleiben und Gespräche mit den Partnern führen, damit das Vorhaben weitergeht.

Wie sind Sie auf das Stadtbad als Ort für eine Tanzperformance gekommen?
Weil mich Orte als Choreografin extrem interessieren und die Spannung zwischen menschlichem Körper und Architektur inspiriert, bin ich ständig auf der Suche nach besonderen Plätzen. Als ich nach Leipzig kam, habe ich von der Förderstiftung des Stadtbades das Angebot bekommen, das Bad mit einem Kunstprojekt wiederzueröffnen. Da war ich sofort im Boot. Die Identität, die diese Halle für die Menschen in der Stadt hat, ist eine besondere. Die Leipziger identifizieren sich auf besondere Weise mit dem Stadtbad. Viele haben persönliche Erinnerungen, die dort noch die Luft erfüllen.

Sie haben schon in Kirchen und auf Flughäfen inszeniert. Ist kein Ort vor Ihnen sicher?
Die Verbindung von Raum und Körper ist das Spannendste. Ich erinnere mich an eine Außenaufnahme auf dem Containerladeplatz in Wiederitzsch. Durch Mark und Bein ging mir auch eine Performance mit Senioren vor dem Abriss des Kaufhauses Konsument. Dass es Freiräume gibt, die man nutzen kann, macht Leipzig zu einer besonderen Stadt. Die Pfunde sind noch nicht so verteilt, die Orte nicht so besetzt.

Auch ein Grund, warum Sie nach vielen Jahren im In- und Ausland in Ihre Heimatstadt zurückgekehrt sind?
Leipzig hat Entwicklungspotenzial, auch wenn es schwer ist, hier im professionellen, zeitgenössischen Tanz etwas zu bewegen. Dabei haben wir dafür tolle Festivals wie die euro-scene oder Häuser wie das Lofft, die wirklich über ein aufgeschlossenes Publikum verfügen.

Deswegen haben Sie die Initiative !mehrTANZ mit ins Leben gerufen, die sich um die Vernetzung der mitteldeutschen Tanzszene bemüht. Ihre Bilanz zum Einjährigen?
Wir haben in Leipzig und in Mitteldeutschland leider immer noch zu wenige professionelle Tänzer in der freien Szene. Und das hängt eben auch mit der Infrastruktur zusammen. „Tanzt die Männerschwimmhalle“ ist ein schönes Startprojekt, um Künstlern aus Mitteldeutschland eine Plattform zu bieten. Aber wir denken nicht in Jahresschritten, sondern begreifen uns als fließendes Netzwerk – es warten ständig neue Herausforderungen.

Man könnte meinen, dass sich die Herausforderungen nach 26 Jahren, in denen Sie alle Grenzen des Tanzes ausgelotet haben, langsam erschöpfen…
Das ist alles eine Frage dessen, wie bewegt man selbst bleibt. Ich stecke nicht gern in einem Kokon fest und brauche den Austausch. Ich singe nicht unter der Dusche, weil mich privat die Stille ausfüllt. Aber was den Tanz betrifft, brennt es jeden Tag in mir – wir werden mal sehen, wie lange ich das Feuer schüren kann.