Wie geht’s euch nach Teamsieg bei den deutschen Poetry Slam Meisterschaften?
Julius: Wir mussten das erst mal verdauen, aber so langsam kommen wir damit klar.

30 Teams gingen an den Start und ihr habt euch durchgesetzt. Was ist euer Erfolgsrezept?
Julius: Wir schreiben die Texte, unterhalten uns immer wieder darüber und tragen sie bei unserer Lesebühne Schkeuditzer Kreuz vor. So werden die Texte immer besser. Wir sind nämlich der Meinung, dass alles Geschriebene nie etwas eigenständig Originäres ist, sondern immer aus Diskursen entsteht. Die Meisterschaftstexte waren so, dass wir nicht mehr viel daran zu rütteln hatten. Man darf auch nicht vergessen, dass man pro Slam nur fünf Minuten hat. In diesem Jahr war aber Raum für Zwischenapplaus oder wir konnten uns mal etwas Zeit für eine Sequenz lassen.

Euer Meisterschaftstext heißt „Ey, ja, cool, art“ – wie ist der entstanden?
Julius: Der Text entstand im Rahmen eines Projekts, bei dem wir über abstrakte Kunst geschrieben haben. Der Kunstrapper war nur eine Figur darin, die aber ihren eigenen Text bekommen sollte.

Ihr kommt gerade aus Berlin und Hamburg, die nächsten Monate sind ebenfalls voll mit Terminen. Wie läuft es denn mit dem Privatleben?
André: Gut. Ich studiere noch Politikwissenschaften und bin zwar nicht so oft da, wie ich sein sollte, aber Prüfungszeit ist slamfreie Zeit.
Julius: (lacht) … Streber. Ich bin fertig mit dem Studium und nun Dichter und Musiker.
André: Ich werde hoffentlich im nächsten Jahr auch Dichter sein und dann darf sich unser Terminplan auch noch etwas mehr füllen.
Julius: Aber nicht zu viel, damit noch Zeit bleibt, sich weiter zu entwickeln.

Hatte ihr denn auch schon mal Phasen, in denen alles still stand – ein richtiges Tief?
Julius: In der Teamarbeit eigentlich nicht. Poetry Slam ist ein Feld, in dem viel experimentiert wird, deshalb tritt keine Stagnation ein. Wenn nur zehn Leute zum Auftritt kommen, fragt man sich schon, warum man das macht.
André: Aber schöne Auftritte wiegen das dann wieder auf, da verkraftet man schlechte Veranstaltungen besser.

Schlechte Auftritte, gibt’s das bei euch überhaupt noch?
Julius: Das kommt immer mal wieder vor, aber Poetry Slam ist gerade beliebt. Auch in Leipzig?
André: Leipzig und wir sind mit dem LivelyriX Slam groß geworden.
Julius: Es ist schön zu merken, dass sich das Publikum entwickelt hat. Die Leute wissen auch Slamer zu schätzen, die nicht zu den erfolgreichsten gehören, aber trotzdem tolle Texte schreiben.

Wie sehen eure Pläne aus?
André: Wir haben uns das Ziel gesetzt einen komischen Verschwörungstheorienroman zu schreiben, der sich mit Untergrundorganisationen befasst, die versuchen, den Mist, den sie bauen, wieder geradezubiegen.