Sie geben Benefizkonzerte für die Kinderhilfe Afghanistan, sind Schirmherr des Ronald McDonald- Hauses und laufen bei Anti-Nazi- Demos in der ersten Reihe – bleibt bei so viel Engagement überhaupt noch Zeit für Musik?
Ich mache tatsächlich jeden Tag Musik, sie ist mein Hauptlebensinhalt. Nach der Solo-Tour im Frühjahr bin ich im Herbst mit den Prinzen unterwegs in Kirchen und Theatern.

Sie werden im April mit dem Humanismus-Preis des Deutschen Altphilologenverbandes ausgezeichnet – bedeutet solch eine Auszeichnung für Sie mehr als ein Musikpreis?
Der Humanismus-Preis ist etwas völlig anderes, mich hat das sehr überrascht und ich fühle mich wirklich sehr geehrt. Aber ein Preis – ganz gleich wofür – ist für mich immer eine Bestätigung meiner Arbeit.

Gerade laufen die Vorbereitungen für das 15. Festival „Leipzig – Courage zeigen“, an dem Sie seit vielen Jahren mitwirken – sehen Sie es als moralische Pflicht einer Person an, die in der Öffentlichkeit steht, auch politisch Stellung zu beziehen?
Als Verpflichtung sehe ich das überhaupt nicht. Aber mich haben immer die Künstler am meisten beeindruckt, die eine Haltung zeigen. Abgesehen davon würde ich sicher ähnlich ticken, wenn ich nicht Musiker wäre, sondern Kellner oder Taxifahrer.

Auseinandersetzungen mit Rechten sind auch ein Problem des Theaters der Jungen Welt am Lindenauer Markt, dessen Pate Sie seit Dezember sind. Wie kam denn die Zusammenarbeit zustande?
Jürgen Zielinski, der Intendant – auch ein sehr politischer Mensch – ist mittlerweile ein guter Freund geworden. Er hatte vor ein paar Jahren die Idee zu einer musikalischen Lesung mit dem Tatort-Schauspieler Dietmar Bär. Wir sind beide Paten des Theaters und wollen dort auch in Zukunft zusammen Aktionen machen.

Nun aber zur Musik: Die meisten kennen Sie vor allem als Mitglied der Prinzen, in letzter Zeit stehen Sie aber öfter solo auf der Bühne…
Die Prinzen waren und sind meine musikalische Heimat. Dass wir als Band immer noch gemeinsam Musik machen, liegt unter anderem daran, dass wir einander ganz bewusst Freiräume lassen. Ich muss auch mal alleine losziehen und Sachen ausprobieren, die ich mit der Band so nicht tun könnte.

Ihr nächster Piano-Abend findet am 4. April im Horns Erben statt – warum gerade dort?
Das Horns Erben ist ein richtiges Kleinod. Ich war wirklich begeistert, als ich es irgendwann entdeckt habe – sehr speziell, beinah wie ein Salon aus den 20er Jahren.

Sie werden dabei nicht nur eigene Solostücke, sondern auch Coverversionen spielen…
Ja, es ist einfach ein Reigen meiner Lieblingssongs.

Von alten Songs zu neuen Künstlern: Wie schätzen Sie den lokalen Leipziger Musiker-Nachwuchs ein?
Ich bin froh, dass es bei allen Castingshows immer wieder idealistische Leute gibt, die sich noch in Garagen treffen, um Krach zu machen, der irgendwann die Musik von morgen wird. Auf diesem Gebiet hat Leipzig eine sehr lebendige Szene. Wir sollten das zu schätzen wissen und diese Subkultur pflegen.