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Auf Weltreise – und was jetzt?!

Hast Du für 2020 schon Urlaub geplant und weißt momentan nicht, ob Du dieses Jahr überhaupt reisen kannst? Oder musstest Du Deinen Urlaub wegen des Coronavirus schon canceln oder auf unbestimmte Zeit verschieben?

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Die Coronakrise verändert aktuell unser Leben so sehr, wie es bislang noch keiner von uns erleben musste und fordert noch nie dagewesene Einschränkungen, Kompromisse und Planänderungen. So auch bei Christian Kohler, der sich seinen großen Traum einer Weltreise erfüllt hat. Doch Corona stoppt auch Chris und stellt ihn vor Fragen wie: Soll ich weiterreisen? Oder doch lieber so schnell wie möglich nach Hause?

Chris hat Stuttgart im Dezember 2019 verlassen, um die Welt zu sehen – die eigene Komfortzone verlassen. Inzwischen ist er gestrandet zwischen Taccos und Burritos, im Paradies Tulum in Mexico. PRINZ hat ihn gefragt, ob er Lust hat über seine Erlebnisse zu berichten und uns einen Einblick zu geben, wie er die Quarantäne erlebt, wie die Lage vor Ort ist und wie es ihm geht. Herausgekommen ist eine Story, die ihr unbedingt lesen solltet!

Chris ist seit 168 Tagen auf Weltreise. „Viva la Mexico“ hatte er sich eigentlich anders vorgestellt wie er uns erzählt. Aber der Reihe nach…

Der Grund warum sich Chris für eine Weltreise entschieden hat war, dass er in all den Jahren als Eventmanager seine persönlichen Ziele aus den Augen verloren hatte. Mit dieser neuen Herausforderung möchte er sich der Frage stellen, wer er eigentlich ist und was „glücklich sein“ für ihn bedeutet.  

Wie viele Reisende wurde auch Chris relativ unerwartet vom Ausbruch und vor allem der schwerwiegenden Konsequenzen der Corona-Pandemie getroffen. Anfang März feierten er und ein Freund, der ihn aus Deutschland besuchte, noch ausgelassen und sorgenfrei den Spring Break in Cancun, Mexico. Die Party wurde dann schnell überschattet mit News in sozialen Netzwerken und durch Anrufe von Familie und Freunden. „Ohne die News in Facebook, Instagram, diversen Nachrichten-Apps und WhatsApp hätten wir keinen blassen Schimmer davon gehabt, was da gerade in Europa und Asien abgeht.“  Für die beiden Jungs wurde es ein Wettlauf mit der Zeit, da ab diesem Zeitpunkt immer mehr Länder die Grenzen schlossen. „Es war schon ein großes Gefühl der Erleichterung, als ich meinen Freund am Flughafen abliefern konnte, zwischen all den angespannten Gesichtern anderer Urlauber und er sein Flugticket in den Händen hielt.“  Erst jetzt realisierte Chris, was da gerade in der Welt passiert.

Chris selbst entschied sich dazu in Mexico zu bleiben. Über Facebook baute er sich eine kleine Community auf, um die kommenden Wochen nicht alleine zu sein. „Gestrandet in Mexico“, nannte er seine Facebook-Gruppe und tatsächlich meldeten sich  schnell zwei andere Reisende, die die gleichen Absichten hatten wie er: Den großen Traum der Weltreise nicht einfach aufzugeben, sondern das Beste aus der gegebenen Situation zu machen und die positiven Dinge im Moment zu sehen.  Er organisierte ein gemeinsames Treffen, um zu schauen, ob die Chemie stimmt. „Es war ein Volltreffer mit den beiden. Man kann sagen, wir haben uns gesucht und gefunden. Wir leben nun zusammen in einer Art WG, einem relativ preiswerten Rooftop-Apartment in Tulum und es harmoniert, als ob wir uns schon ewig kennen würden.“  Nach Ausbruch der Corona-Pandemie haben viele Urlauber ihre Unterkünfte storniert, sodass es für Chris und die anderen sehr einfach war vor Ort ein preisgünstiges, aber trotzdem sehr hochwertiges Airbnb zu bekommen. In Tulum selbst haben Hotels geschlossen, Strände wurden gesperrt, Restaurants und Cafes auf Take Away umgestellt, Einkaufsläden mussten laut Verordnung schließen und es gibt eine Ausgangssperre zwischen 20:00 und 6:00 Uhr. „Die Stadt ist sozusagen zum Erliegen gekommen. Wenn man so durch die Straßen fährt, ist es schon gespenstisch still, wenn man bedenkt, dass sich Tulum normalerweise noch in der Hauptsaison befindet.“ Auch Touristenattraktionen wie Chichen Itza oder die über 400 Cenoten auf der Yucatan Halbinsel wurden für Besucher geschlossen. Geschäfte des öffentlichen Lebens wie Supermärkte und Apotheken haben mit speziellen Verhaltensweisen wie 1,5m Abstand halten und Maskenpflicht, geöffnet. „Anfang April wurde beschlossen, dass nur noch eine Person pro Familie bzw. pro Wohngemeinschaft den Supermarkt betreten darf, was auch prompt mit Sicherheitskräften vor und im Supermarkt kontrolliert wurde.“

Durch die vielen Telefonate mit Familie und Freunden, die bereits in Deutschland ihre Quarantänezeit überstanden haben, konnten sich die drei Gestrandeten bereits umfangreiche Pläne machen, was sie Tag täglich in den kommenden Wochen alles machen möchten, um die Zeit sinnvoll nutzen zu können. „Wir waren uns einig, dass wir nicht den ganzen Tag in der Sonne liegen möchten und haben unsere Hobbies und Wünsche in einem Brainstorming aufgeschrieben und das Ganze dann in einen Wochenplan übertragen. Da wir alle unterschiedliche Stärken und Fähigkeiten besitzen, kann jeder vom anderen etwas dazulernen.“

Wichtig war allen dreien dabei, dass zwischen Spanischunterricht, Kreativworkshops, Fitness und Meditationstraining noch genug Zeit bleibt, um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Gerade Chris hat für sich während der letzten Tage das Schreiben und Lesen neu entdeckt und arbeitet intensiv an seinem ersten Blog.

„Ich mache mir ehrlich gesagt keine Gedanken um das Corona-Virus in Tulum, eher darum, wie sich die Situation vor Ort verändert, wenn die Menschen, die fast alle vom Tourismus leben, kein Geld mehr verdienen und ihre Familien nicht mehr mit Nahrung versorgen können. Die Mexikaner erwirtschaften ihr Geld auf der Straße und wenn dies ausbleibt, könnte die Situation auch für die letzten gestrandeten Touristen gefährlich werden.“

Fast alle Wohneinheiten, seien es Hotels oder Airbnbs, haben sich mit Security aufgerüstet, die nachts Sicherheit gewährleisten soll und um Plünderungen zu verhindern. Auch das Militär ist immer präsenter in den Straßen unterwegs. Über Lautsprecher wird den Menschen geraten, in den Häusern zu bleiben. Trotz der angespannten Lage herrscht ein sehr freundliches Verhalten zwischen den Menschen und der Polizei, da alle das gleiche Ziel verfolgen, nämlich die Pandemie so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, so dass die Normalität zurückkehren kann.

 „Ich versuche in meiner Situation das Beste daraus zu machen. Dinge, die ich in den letzten Monaten vernachlässigt habe, bekommen wieder einen großen Stellenwert und es bleibt mir viel Zeit über mich und unser Konsumverhalten in den letzten Jahren nachzudenken. Es sind kleine Dinge, die wir wieder schätzen lernen in unserem Leben und ich freue mich trotz dem ganzen Leid, das die Welt gerade erfährt, auf die ganzen Veränderungen, die diese außergewöhnliche Zeit mit sich bringen wird.“

Chris hat damit angefangen, sich vor Ort sozial zu engagieren, um einen kleinen Teil zurückzugeben, was ihm die Mexikaner in den letzten Wochen an Dankbarkeit und Hilfsbereitschaft entgegengebracht haben und natürlich den Menschen zu helfen, die es während dieser Zeit besonders hart getroffen hat. Er kocht mit einem Team von 15 Personen für mexikanische Familien, die sich sonst nicht über Wasser halten könnten, da sie momentan kein Einkommen beziehen. Durch örtliche Spenden von Supermärkten und Hotels aber auch Privatpersonen, kann dieses Projekt umgesetzt werden. „Ich arbeite hier gemeinsam mit einem bunten Haufen an Leuten. Gestrandete Touristen, Wirtschaftsflüchtlinge oder auch einfach nur hilfsbereite Mexikaner, die dieses Projekt trotz eigener Probleme ehrenamtlich unterstützen. Jede Woche gibt es unterschiedliche Gerichte. Einen Salat, einen vegetarischen Hauptgang und ein Getränk. Alle Speisen und Getränke werden vor Ort produziert und im Nachgang an drei Ausgabestellen geliefert, wo sie sich Familien unter Angabe ihrer Adresse und Familiengröße abholen können. Derzeit sind es fast 80 Familien, die täglich dieses Angebot vor Ort nutzen.

 „Es ist so ein unglaubliches Gefühl von Dankbarkeit, das einen überkommt, wenn man in ihre Augen sieht und unsere eigenen Sorgen und Probleme, die wir jeden Tag vor uns herschieben, sind plötzlich so klein…“

Durch seine Nebenbeschäftigung hat er die Liebe zum Kochen wiedergefunden, welche er in seinem doch sehr stressigen Job in der Eventbranche die letzten Jahre verloren hatte. Wir kaufen fast täglich, mit Mundschutz versteht sich, bei Straßenhändlern Obst und Gemüse ein und unterstützen gleichzeitig die Menschen vor Ort. Die Qualität ist um einiges besser als in großen Supermärkten, man hat direkten Kontakt mit den Einheimischen und preiswerter ist es allemal.“ Mittlerweile hat sich Chris mit seiner Situation arrangiert, wohlwissend, dass sich das Corona-Epizentrum von Europa und Nordamerika in Richtung Südamerika verlagern wird.

Chris plant auch seine Weltreise fortzusetzen und fühlt sich seit knapp drei Monaten schon fast wie ein Mexikaner 😉  „Ich werde hier jetzt noch die nächsten Wochen intensiv nutzen, um die ein oder andere Cenote und Ausgrabungsstätte der Maya zu besichtigen bis es dann endlich Mitte Juni weitergeht nach Costa Rica.“ Die Weiterreise hat sich für ihn erschwert, da viele Länder ihre Grenzen bis Ende August für Touristen geschlossen haben und der Flugverkehr national und international zum Erliegen gekommen ist. Einzig und allein Costa Rica wird voraussichtlich seine Beschränkungen frühzeitig aufheben, sodass er die Chance nutzen möchte, ein weiteres Land zu bereisen. „Ich habe gestern meinen Flug gebucht, in der Hoffnung, dass der auch stattfindet und ich bin schon im regen Austausch mit dem Surfcamp, die mir Hoffnung gemacht haben, eine weitere Traumdestination bald erleben zu dürfen. 

Da für ihn allmählich die Zeit des Abschieds von Mexico gekommen ist, zieht Chris für sich ein erstes Fazit aus den letzten Monaten in Corona-Quarantäne: „Ich denke, es gibt derzeit schlechtere Orte auf der Welt, um eine Ausgangssperre zu meistern. Es liegt immer an jedem selbst, was man daraus macht und ich bin einfach nur dankbar dafür, welche Menschen ich in den letzten Wochen kennenlernen durfte und freue mich auf diejenigen, die ich während meiner Reise noch kennenlernen werde.  In a world where you can be everything, be kind.“

PRINZ wünscht Chris viel Erfolg für die Weltreise, spannende Abenteuer, fantastische Augenblicke und einfach unvergessene Begegnungen: JOBS FILL YOUR POCKETS, ADVENTURES FILL YOUR SOUL.

Für mehr Stories folgt Chris unbedingt auf Instagram.


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