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Hendrik Boiz: Nullerjahre

Hendrik Bolz, geboren 1988, ist inS tralsund aufgewachsen, im nordöstlichsten Winkel Deutschlands, in
einer Welt, die, obwohl das Land längst nicht mehr „DDR“ heißt, wenig mit dem zu tun hat, was im Westen
als Normalität durchgeht. Lediglich das RTL-Nachmitagsprogramm, das im Hintergrund zu hören ist, deutet
darauf hin: Es sind dieselben Nullerjahre.

Während in den Platenbauten von Knieper West immer mehr Erwachsene die Suche nach einem Platz im
neuen System aufgeben, nehmen Hendrik und seine Freunde die Herausforderung an: Sie fnden Auswege
aus der Langeweile und Fluchtwege, um keine Prügel zu kassieren. Langsam zerfallen die Frontlinien der
Baseballschlägerjahre, an die Stelle der Springerstefel treten Turnschuhe, die Böhsen Onkelz werden von
Aggro Berlin abgelöst, die Optonen bleiben die gleichen: Fressen oder Gefressenwerden.
Im Kindergarten, in der Schule und im Fußballverein haben sie gelernt, dass ein großer Junge nicht weint
und dass der Klügere nur so lange nachgibt, bis er der Dümmere ist.
Nun gilt es, härter zu werden, um, wenn es drauf ankommt, dem anderen die Nase zu brechen. Und
stumpfer zu werden, um dabei nicht zu zögern. Die Mitel fnden sich – Krafsport, Drogen, Rap. Und bald
sind es neue „Kleine“, die sich verstecken müssen.
Hendrik Bolz erzählt eindringlich von einem Jahrzehnt im Osten Deutschlands, das uns ein Stück
bundesrepublikanische Gegenwart erklären kann.
Das Buch „Nullerjahre – Jugendjahre in blühenden Landschafen“ erschien am 10.02.2022 bei Kiepenheuer
& Witsch.

Termin

Donnerstag, 24.11.2022

Beginn

20:00 Uhr
Wolfgang-Heinze-Str. 12a
04277 Leipzig

Anfahrt

Map data © OpenStreetMap contributors, CC-BY-SA
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