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…und der Dom wird zur Märchenkulisse

Nicht vielen Theaterinszenierungen gelingt es, ihre Zuschauer komplett in eine andere Welt, die Welt der Phantasie, zu entführen. Darum kann man einer Inszenierung wohl auch kaum ein größeres Kompliment machen als ihr zu bescheinigen, dass sie genau das geschafft hat.

Zugegeben, ich bin kein großer Musical-Fan und ich bin einigermaßen kritisch in die Premiere von „Disney’s Die Schöne und das Biest“ gegangen. Aber: Ebenso wie weitere rund 900 Zuschauer war ich nach knapp drei Stunden Open Air Märchen begeistert, fasziniert und verzaubert und spendete dem gesamten Team viel Beifall, Bravo-Rufe und Standing Ovations.

Denn diese Inszenierung hat es tatsächlich geschafft, mich quasi hinein zu ziehen in die Welt des Märchens von Belle und dem verzauberten Prinzen. Natürlich ist die Geschichte sattsam bekannt, als Buch und als Disney-Film. Doch auf der zauberhaften Bühne mit einem großen, wunderbaren, spielfreudigen Ensemble unter freiem Himmel entfaltet die Geschichte einen ganz eigenen Reiz, dem man sich kaum entziehen kann. Und über allem der altehrwürdige Magdeburger Dom als Teil der Kulisse. Immer wieder wird er in das Lichtkonzept der Aufführung einbezogen, wird mal zum Teil des Biest-Schlosses, mal zum angsteinflößenden dunklen Wald.

Überhaupt ist das Bühnenbild einer der vielen Stars der Inszenierung. Betritt man die Zuschauerränge und wirft den ersten Blick auf die transparente Konstruktion im Mittelpunkt der Bühne, so wirkt diese noch recht unspektakulär. Doch entfaltet sie ihren Zauber nach und nach, vor allem mit zunehmender Dunkelheit, wenn das Licht beginnt, eine tragende Rolle zu spielen. Dank einer Drehbühne wird in Sekunden das Schloss zur Dorfkulisse. Und immer wieder erhaben der Dom im Hintergrund.

Diese märchenhafte Perfektion der Bühne von Christoph Weyers führt Karin Alberti in ihren Kostümen weiter. Sicher nicht immer sonderlich bequem für ihre Träger, so sind aber vor allem sie es, die die Illusion der märchenhaften Phantasiewelt so greifbar für die Zuschauer machen. Da flammt das Feuer aus den Händen des Monsieur Lumiére und Madame Kommode holt tatsächlich ein Kleid aus einer ihrer Schubladen… Die Liste ließe sich noch lang fortsetzen, von den Hauptdarstellern über die Balletttänzer und den Chor bis hin zur Statisterie, die Kostüme bestechen durch ihre Individualität, ihren Formenreichtum und die Liebe zum Detail.


Fotos: Nilz Böhme

Doch was nutzt das schönste Kostüm, wenn es nicht mit Leben gefüllt ist? Alle Sparten des Theater Magdeburg sind in dieser Produktion vertreten, hauseigene Darsteller brillieren neben den Gaststars Leah Delos Santos (Belle, die Schöne) und Yngve Gasoy-Romdal (Biest). Allen voran Undine Dreißig als eine anrührende Madame Pottine, deren Titelsong „Die Schöne und das Biest“ zumindest mir eine Gänsehaut verursachte. Schauspieler Peter Wittig gab mit seinem unverwechselbaren Spiel zwischen Komik und Tragik Belles chaotischen Vater Maurice und Tenor Markus Liske die Standuhr von Unruh – wunderbar komödiantisch. Von den Gästen bleiben Thomas Wißmann als Lumiére, Bernd Julius Arends als Lefou und vor allem Alexander di Capri als Gaston in Erinnerung. Und natürlich waren Leah Delos Santos und Yngve Gasoy-Romdal in den Titelrollen die Stars des Abend.

Doch eigentlich müsste jeder einzelne des über 100-köpfigen Ensembles namentlich genannt werden – das Musical ist eine runde und von Regisseurin Helga Wolf perfekt inszenierte Leistung aller Beteiligten. Dazu gehört natürlich auch das Orchester der Magdeburgischen Philharmonie unter Leitung von Rainer Roos.

Will man das Haar in der Suppe suchen, dann findet man es, zumindest in der Premiere, an dem nicht immer harmonierenden Zusammenspiel von Orchester und Bühne. An der einen oder anderen Stelle lief die Musik aus dem Orchesterpavillon dem Gesang der Darsteller davon. Aber das sind Dinge, die sicher nach einigen Vorstellungen besser klappen und die den Gesamteindruck der Inszenierung nur ein winziges bisschen am Rande stören.

Fazit: Mit dem Open Air von „Disney’s Die Schöne und das Biest“ führt das Theater Magdeburg seine Reihe erfolgreicher Musicals fort. Ein zauberhaftes Märchen, mit dem Jung und Alt aus dem Alltag in eine Welt der Phantasie entführt wird und von dem selbst ich als nur durchschnittlicher Musical-Fan sage: Das würde ich mir gern noch mal ansehen.

Weiterführende Links

www.theater-magdeburg.de

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