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Filmstadt Magdeburg

Magdeburg ist weit entfernt von Hollywood – nicht nur geografisch. Trotzdem hat die Ottostadt mehr mit der Filmbranche zu tun, als ihr glaubt. Oder wusstet ihr, dass einige Episoden „Game of Thrones“ in Magdeburg bearbeitet werden?!

Dreharbeiten, die in der Ottostadt stattfinden, kann man an einer Hand abzählen und Magdeburger Firmen, die in der Filmbranche tätig sind, gibt es quasi gar nicht – so sicherlich die Gedanken des Großteils der Bevölkerung. Aber: Falsch gedacht. Wir stellen euch im Folgenden drei Magdeburger Filmunternehmen und einen teilweise in Magdeburg gedrehten Film vor. Alle Initiativen bringen die Landeshauptstadt auf den heimischen Fernsehbildschirm:

 

Zuletzt in Magdeburg gedreht: „Warum“

Die österreichische Produktion „Warum“ von Bernd Böhlich glänzt mit Starbesetzung. In den Hauptrollen finden sich Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober und Stefan Kurt. Der historische Spielfilm erzählt die Geschichte einer jungen Kommunistin, die aus einem sowjetischen Arbeitslager zurückkehrt und in Stalinstadt (heute: Eisenhüttenstadt) ein neues Leben beginnen will. Gedreht wurde unter Anderem in den alten Gemäuern der Festung Mark sowie dem ehemaligen Stasi-Gefängnis am Moritzplatz. Die Premiere ist für 2019 geplant.

Bringt Menschen zusammen: Komparsen-Zirkel

Auch Christian Ladtsch und seine Firma Komparsen-Zirkel haben der Produktion von „Warum“ mitgewirkt und Komparsen vermittelt. Die Vorgaben für die Mitwirkenden waren in diesem Fall etwas speziell, verrät Ladtsch. Die Schaffner der damaligen Zeit seien wohl relativ klein gewesen. Damit die Männer auch in die Kostüme passen, mussten also spezielle Größen eingehalten werden – neben Alter und Aussehen. Auch Swing-Tänzer wurden gesucht. Ist es da nicht einfacher, eine Komparsen-Agentur in Berlin zu betreiben?

Ladtsch, der in erster Linie freiberuflich beim MDR tätig ist und seit 10 Jahren im Bereich Film arbeitet, sagt: „Ich habe den Komparsen-Zirkel mehr aus Spaß an der Freude. Außerdem muss man sich auf den Standort konzentrieren, an dem man sein Netzwerk hat. Das ist bei mir vor allem die Region Magdeburg.“ Während Berliner Agenturen vielleicht um die 20.000 Komparsen in ihren Datenbanken haben, zählt Ladtsch „nur einige Tausend“. Dafür gehe es bei ihm viel persönlicher zu. Er rufe jeden persönlich an und frage, ob Zeit da sei und Lust bestehe am jeweiligen Projekt. Die Motivation der Komparsen wiederum entspringt vorrangig der Erfahrung, an einem Filmset zu arbeiten. Ums Geld gehe es weniger – obwohl die Mitwirkenden seit einiger Zeit Mindestlohn für ihre Tätigkeit bekommen. Wie viel ist denn aber dran an dem Mythos, dass das Komparsen-Dasein der Anfang einer großen Schauspielkarriere sein kann? Ladtsch meint: „Klar kann sich da vor Ort etwas entwickeln. Aus der Situation heraus wird manchmal festgelegt, dass der Komparse doch spontan ein oder zwei Sätze sagen soll. Dann entdeckt vielleicht jemand Talent. Das ist nicht die Regel, aber das kann vorkommen.“

Nutzt also eure Chance: Anfang April kommt wieder das Team des Polizeirufs zum Drehen in die Ottostadt. Der Komparsen-Zirkel wird wieder aquirieren.

Macht neue Welten möglich: Parallaxman

Die Magdeburger Firma Parallaxman ist in der Postproduktion tätig und betreibt das sogenannte Camera Tracking oder Matchmoving. Was genau das ist? Sicher wisst ihr, dass in vielen Kinofilmen gewisse Kulissen oder auch Figuren animiert sind. Gedreht werden solche Szenen mit Hilfe eines Greenscreens. Hinterher werden dann am Computer neue Welten erschaffen. Bevor das passieren kann, muss die Kamera, mit der die Schauspieler gefilmt wurden, noch einmal reproduziert werden, damit Monster, Galaxien und Co. auch im richtigen Winkel zueinander stehen und authentisch aussehen. Genau das ermöglicht Parallaxman seit fast zwei Jahrzehnten – u.a. für internationale Produktionen wie „Game of Thrones“, „Iron Man 3“ und „Cloud Atlas“, für deutsche Filme wie dem aktuellen Kinohit „Die kleine Hexe“ als auch für unzählige Werbeproduktionen besonders im Automotive Bereich.

Dieser Filmjob hat Standort-technisch einen entscheidenden Vorteil. Der gebürtige Magdeburger Christoph Gaudl, Geschäftsführer von Parallaxman, sagt: „Matchmove ist relativ unabhängig von der VFX Produktionspipeline. Man braucht keine Renderfarm oder extrem teure Workstations und man muss nicht unbedingt nah am Klienten in den kostenintensiven Ballungszentren niedergelassen sein. Mit einem großzügig dimensionierten Internetanschluss ist es egal, ob du in New York, Vancouver oder Magdeburg sitzt.“

Immer am richtigen Ort: Locationscout Björn S. Breyer

Björn S. Breyer ist seit drei Jahren freiberuflicher Location-Scout und seit mittlerweile sieben Jahren in der Filmbranche tätig, hauptsächlich in der Motivaufnahmeleitung. Übersetzt heißt das, er sucht Drehorte, die zu den Vorgaben im Drehbuch passen, und bereitet ihn dann so vor, dass auch wirklich gefilmt werden kann. Das umfasst logistische Planungen wie beispielsweise das Einholen von Drehgenehmigungen und Straßensperrungen genauso wie die Suche nach Parkplätzen für den Fuhrpark des Filmteams.

Hat die Ottostadt denn Film-Locations zu bieten? Breyer, der vorwiegend in Mitteldeutschland arbeitet, meint: „Magdeburg ist auf jeden Fall filmfähig. Hier gibt es tolle Drehorte. Einfach ist es natürlich, wenn ein Film sowieso direkt in Magdeburg spielt, wie beispielsweise der Polizeiruf.“ Schwieriger wird es dagegen, wenn nur einzelne Szenen in Magdeburg gedreht werden sollen. Dann kann es laut Breyer durchaus schwer sein, die Produktionsfirmen von der Ottostadt zu überzeugen. Personal und Technik sind hier eher Mangelware. Deshalb gilt es für den gebürtigen Magdeburger vor allem, coole Drehorte zu pushen. Bei seinen persönlichen Lieblingslocations kann er sich kaum festlegen: „Ich finde alles, was an der Elbe liegt, wunderschön und vor allem sehr typisch für Magdeburg. Wenn man mal tiefer schaut, findet man aber auch viel abgefahrenes. Stichwort: Lost Places. Auch die Aerosol Arena ist ein geiles Motiv – durch und durch. Wichtig sind natürlich Orte, an denen man die Stadt so richtig spürt. Da fällt mir auf Anhieb der Hasselbachplatz ein.“ Bleibt zu hoffen, dass Breyer seine Magdeburg-Begeisterung weiterhin in die Filmwelt sprüht und wir in der Ottostadt Produktionsteams, Stars und Kameras begrüßen dürfen.

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