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Bandinterview mit Black Architect aus Magdeburg

Bei Kevin Fritsche und Marcel Müller alias „Black Architect“ kann man nach Understatement zwar lange suchen, dafür aber haben sie ein Versprechen an unsere Stadt: Niemand braucht sich hinter Berlin verstecken! Und musikalisch schon gar nicht, wenn es nach Kevin geht:

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Hallo Kevin, wie seid ihr auf den Namen gekommen? (Habt ihr etwa Cordula Raus „Why do architects wear black?“ gelesen?)

Black Architect:

Oh, das haben wir zufällig nicht gelesen. Wir haben lange überlegt, die Namensfindung ist ein sehr wichtiger part, wir denken, dass für die Bekanntwerdung eines Projektes ein sehr prägnanter und einprägsamer Name wahnsinnig wichtig ist. Wir haben lange überlegt ein; dämliches Wortspiel nach dem anderen entwickelt, wie das sicherlich viele Künstler machen, bis Kevin einen riesen Artikel über moderne Architektur in die Finger bekam. Und dann machte es einfach sehr laut KLICK. Musik und architectur [sic!]. Beides verbindet ein Element. Die Struktur. Jede Brücke, jedes Haus, jedes noch so großartige Lied: Ohne die richtige Struktur würde alles in sich zusammenbrechen. Das war der Grundstein. „Black“ ist dann die Farbgebung der Musik. Wir wollen neue elektronische Musik machen und „black“ ist einfach DIE FARBE der Opposition, der Abspaltung. SCHWARZ ist auch ein Zeichen dafür, dass wir uns von dem ganzen Neonkram abheben wollen, denn momentan muss ja fast immer noch alles neon sein damit’s geil ist. Wir sind da anderer Meinung. Wir lieben zwar Lichteffekte und Vjs, arbeiten mit Designern und Künstlern zusammen, aber für uns ist NEON = TOD. Die 80-er sind endgültig vorbei. Unsere GENERATION ist doch viel mehr als nur ein Abklatsch eines Jahrzehnts, und das fühlen auch viele die mit uns arbeiten. Darum trifft der Name alles auf den Punkt.

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Wer oder was ist der schwarze Architekt? Ist es einer von euch beiden?

Black Architect:

Wir sind der schwarze Architekt, da wir ergänzen beim musizieren so sehr, dass wir als eine Person auftreten können. Marcel hat mit seinen Soundspielereien irgendwann die Richtung vorgegeben. Am Anfang war es so, dass Kevin Melodien und Beats entwickelt hat und Marcel sich dann fix ran setzte und die Sounds dann weiterentwickelte. So entstand dann ein relativ minimaler, etwas düsterer Klang, der aber Wiedererkennungswert hatte. Darum ist Marcel BLACK und Kevin der ARCHITECT. Architect, weil ich damals das Konzept erarbeitete, mit Designern die Optik entwickelt hab und die Grundidee hatte. Die Idee: Musik zu machen, die MINIMAL und GHETTOTECH verbindet. Wenn du Ghettotech noch nicht kennst, hör dir mal die Crookers an, die kommen gerade groß raus. Das ist Musik, die dir sofort mit all ihrer Kraft ins Gesicht springt, sich ins Unerträgliche steigert und dir mit einem gekonnten Break dann die Beine wegzieht, sodass du völlig die Beherrschung verlierst. Und wir verbinden den Sound des Minimal mit dem Elementen des Ghettotech. Das ist der schwarze Architekt.

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Erzählt doch bitte noch einmal, wie ihr euch zusammengefunden habt!

Black Architect:

Über einen ehemaligen Freund vor fast 3 jahren. Marci war damals noch extremer Hardcorerer und ich wahnsinnig ambitionierter Kurzfilmer (JVP2006 Publikumspreisgewinner) mit einem Riesen-Herz für Interpol und die Editors (das ist auch bis heute so), klingt erstmal nicht nach der Brücke, die man zueinander haben muss, um zusammen elektronische Musik zu machen, aber über die Jahre traf man sich immer öfter auf diversen Partys, auf denen wir uns zu richtigen „Youtube-Djs“ entwickelten. Wir haben uns einfach mit dem krankesten Elektroscheiß über zwei Browserfenster gebattlet. Das war so witzig, dass wir das unzählige Male wiederholt haben, danach zusammen in sehr sehr vielen Clubs und auf diversen Veranstaltungen waren und uns eine menge Künstler angesehen haben, ob in Berlin Leipzig oder hier in Magdeburg. Wir sind bzw. waren echt wie Arsch auf Eimer, aber 2008 saßen wir dann in einer Tanzlokation und sprachen darüber, wie sehr wir uns hier langweilen, und dass das doch nicht das Ende sein kann. Ich hatte bis dato schon etwas Musik gemacht und meinte dann zu ihm, weil wir schon mal darüber gesprochen hatten: „Marci, pass auf, wir machen das jetzt. Du und ich, wir machen jetzt zusammen Musik!“ Es gab ein großes JA! Wir verließen geschwind den Club und fuhren nach hause. Das war der 23.08.2008 und am am nächsten Tag ging es los.

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Was ist euer persönlicher Favorit aus euerem eigenen Repertoire und wie ist das Stück entstanden?

Black Architect:

Kissing the Widow? Mr. Green Wattson oder doch The Black Pain? Auf Konzerten ist es uns wichtig, dass man gute zwei Stunden extrem aufs Ohr bekommt und getanzt wird. Und diese Kriterien erfüllen fast alle Songs. Wie sie entstehen? Es läuft oft bis immer so ab, dass Marci und ich über Internetkonferenz arbeiten. Da er in Haldensleben wohnt, bedeutet dass wir uns Sounds, Beats, Ideen und Klänge hin und her schicken. Wir arbeiten teilweise zusammen an zwei bis drei Liedern und da kommt es dann auch schon mal vor, dass einer einen Geistesblitz hat und ein Lied im Alleingang beendet. Wenn es passt, ist das kein Problem, ansonsten wird kontrovers diskutiert! Da sind wir mittlerweile schon sehr gesund. Am schönsten und spannendsten ist es natürlich, wenn wir die Zeit haben und zusammen im gleichen Raum an einem Song arbeiten. Dann läuft es wie bei vielen Musikern: Wein, Bier, viel Gelächter aber wenig Musik.

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Ein erstes Album – Trash The Neon – steht an. Was kann man davon erwarten?

Black Architect:

Die tanzbarste Symbiose aus MINIMAL und GHETTOTECH schlechthin. Kann man ja schon reinhören bei Myspace oder mp3.de/home/blackarchitect.

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Womit produziert ihr eure Sounds? Habt ihr Lieblingsgeräte bzw. -Applikationen?

Black Architect:

Wir lieben unsere Notebooks und Ableton (Ein Musikprogramm Anm.d.R.). Damit wird auch alles produziert. Wir erspielen uns gerade das Geld für die weitere Technik, die wir noch brauchen. In Zukunft sind Midiboard und Ableton-Controller Pflicht. Du machst dir keine Vorstellung, wie anstrengend es ist, die Songs live nur mit Mouse oder Grafikpad zu steuern und zu spielen.


Fotos: Alexander Lichtner

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Bei euch spielen Mode und optische Ästhetik eine sehr wichtige Rolle. Warum sind diese Faktoren so wichtig für eure Musik?

Black Architect:

Es ist ja kein Geheimnis, dass Mode und Musik sich schon immer inspiriert, sich beeinflusst haben. Wir arbeiten mit Modedesignern zusammen, machen Musik für Fashionshows. Da liegt es nah, dass wir uns dementsprechend präsentieren. Uns ist Mode sehr wichtig, darum gehört zum Konzept und Paket Black Architect auch immer ein gewisser Auftritt. Jeder noch so winzige Artist hat seinen Stil und hat Merchandise, aber das ist nicht, was wir meinen. Wir reden vom Modemusikkonzept Black Architect. Musik zur Mode und umgekehrt. Wir wollen neue Wege gehen, auch neue ästhetische Wege. Aber auch da darf man gespannt sein.
Wir versammeln da sehr kreative Köpfe, denn Black Architect soll mehr werden als großartige Musik.

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Ihr wagt schon jetzt den Vergleich mit Digitalism und Modeselektor. Ist das Konzept, Überzeugung oder spielerischer Größenwahn?

Black Architect:

Es geht um das musikalische Selbstverständnis dieser Stadt und dieser Region. VIELE HABEN EIN TOLLES KONZEPT UND MACHEN GEILE MUSIK aber trotzdem würden sich mehr Leute für dich interessieren, wenn bei Herkunft Berlin, Leipzig, Hamburg oder Köln stehen würde! Es in dieser Stadt zu etwas bringen, in einer Stadt, die kulturell noch lange nicht die Offenheit und Abwechslung bietet wie sie Großstädte bieten, hier Menschen für seine Musik zu begeistern, die für viele neu ist, das ist schwer und aufregend zugleich. Das alles hier bietet soviel gutes aber immer noch zu Wenige trauen sich darauf zu setzen. In den 90ern war das schon einmal anders. Da gab es eine kleine große Technobewegung hier im Osten. Man sprach vom wilden Osten und diese Szene entwickelte eine großartige Dynamik und wir wollen da wieder hin. Wir wollen das Künstler und Musiker alle Locations benutzen dürfen die sie für richtig halten. Lasst Rockkonzerte auf dem Blauen Bock machen oder Electrogigs im alten Sanitätstrakt unter der Ernst-Reuter-Allee. Wir sagen: JA, vergleicht uns mit Digitalism und Modeselektor und ihr werdet feststellen das auch ein Artist aus MD so großartig sein kann! Und wir sind nicht die einzigen, aber wenn man Trends nur hinterherläuft wird man das vielleicht niemals erkennen. Wir könnten hier soviel weiter sein, wenn wir uns öffnen und lösen würden. Darum sprechen wir ja auch von unserer GENERATION, den wir wissen, dass es genug Menschen gibt, die das ändern wollen und die soweit und bereit sind.

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Was bedeutet euch persönlich die Musik denn selbst?

Black Architect:

Uns über Musik auszudrücken ist einfach das Beste was uns passieren konnte. Sich da etwas zu erschaffen wobei andere Menschen etwas erleben, wo man an seine Grenzen kommt, sich komplett ausleben kann, macht uns echt sehr glücklich und dankbar. Wenn du Musik an sich meinst, dann frag lieber nicht, da sind wir schlimmer als John Cusack in High Fidelty!

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Was war euer erster gemeinsamer Auftritt und wie ist er verlaufen?

Black Architect:

Einfach unglaublich. Am 05.01.09 in der Feuerwache. Wir waren vorher einfach noch nicht soweit. Dass wir überhaupt die Chance vom Rodeoclub bekamen da Musik zu machen, obwohl wir null Erfahrung hatten, war schon krass, aber wenn du da stehst und pünktlich um 1Uhr, die Uhrzeit wo du allen gesagt hast, dass du anfängst, wird alles komplett voll, fast alle sind da und nicht wenige davon erwarten, dass du dich jetzt komplett zum Hampelmann machst, das war das krasseste Gefühl unseres bisherigen Lebens. Als es dann langsam mit dem Intro anfing, wir die Nebelmaschine leer gemacht hatten und das Licht immer heftiger und Geschrei immer lauter wurde, da wussten wir einfach, dass das jetzt extrem geil werden könnte. Wir wussten ja überhaupt nicht, ob es ankommt. Es gab einfach kein Antesten, kein Prelistening, nichts. Und tatsächlich haben wir das Ding fast bis zur völligen Erschöpfung gerockt. Es war einfach phänomenal. Im Prinzip unbeschreiblich, aber vielleicht hat man jetzt mal einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt.

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Ende März wird es einen Secret-Gig in Magdeburg geben. Könnt ihr uns vielleicht schon ein paar kleine Informationen verraten?

Black Architect:

Es handelt sich um eine Party im Looop mit wirklich guten Djs und wir sind GRAND OPENER.LIVE. Im März und April sind wir auch gut unterwegs und auch oft zu Sehen – da ist noch eine Menge mehr geheim!

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Wo würdet ihr euch gerne Ende 2009 sehen?

Black Architect:

Entweder als Musik-Act auf einer Modenschau in Japan oder in einer großen ausverkauften Konzerthalle. Für beides stehen wir bereits in Verhandlung. Mal sehen was 2009 bringt. Wir sind optimistisch.

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