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Über sein neues Album „Von Frauen und unterwegs“.

Zwischen all den Stunden, in denen man Stephan Michmes Radioshows gelauscht hat, seiner Laudatio beim Echo 2008 hätte man beinahe vergessen, dass der Scycs-Sänger (neues Material soll bald folgen) auch ein Soloprojekt hat. Nun hat er mit ein paar Freunden acht Songs für seine neue Platte „Von Frauen und unterwegs“ aufgenommen und still und heimlich veröffentlicht. Wir haben einen Blick hinter das Album gewagt.

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Stephan, was ist das neue Werk für dich?

Michme:

Es ist das nächste große Abenteuer und letztendlich erstmal ein Aufhorcher, Vorhörer. Ich musste meinen Arsch hochkriegen und wir hatten diese Tracks gemacht. Ich bin schon wieder voll mit Ideen und habe auch noch Lust das Ganze in eine weitere Richtung zu drehen, um dann entweder Anfang des nächsten Jahres oder vielleicht sogar schon zu Weihnachten ein richtig langes, großes Album zu haben, wo dann vielleicht noch Teile dieser Songs drauf sein werden. Es halt diesmal so eine kleine Indievariante.

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Hattest du vorher eine Schreibblockade?

Michme:

Nein, die gab es nicht, sondern im Gegenteil: Wir haben total viel gemacht, hatten dann viel rumliegen und haben uns aber nie getraut es mal aufzunehmen und richtig zu machen. Die Songs waren schon als Demos vorhanden, sind dann so rumkursiert, waren auch im Netz, bis ich gedacht habe: Jetzt müssen wir das mal richtig aufnehmen. Und das hat richtig Spaß gemacht.

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Nur leider gibt es das bislang nur auf Myspace zu hören.

Michme:

Es gibt eine kleine limitierte Auflage von 500 Pressung, die auf unseren Konzerten, über Amazon und demnächst auch über Download erhältlich ist bzw. sein wird. Ich bin gerade noch dabei, das ein oder andere Video zu machen, das ich dann rumkursieren lasse und ein paar Akkustikvideos gibt es ja auf Youtube u.a. schon.

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Warum ist das alles dann aber trotzdem nur relativ geheim veröffentlicht worden?

Michme:

Lass es mich ’natürlich‘ nennen, weil die Infos gibt es überall; jeder ist online unterwegs auf Myspace, Youtube, MeinFritz, MySputnik, Facebook und sonst irgendwo. Ich habe da so kleine Marken hinterlassen und lasse das erstmal so wachsen. Ein erster Erfolg war, dass ich bei Myspace ‚Featured Artist‘ war. Ich will erstmal gucken, ob das wirklich was ist – entweder entwickelt sich ein Schneeballeffekt oder nicht. Diesmal hatte ich wirklich keine Lust mit übermäßig viel Tamtam und Werbung das Ding zu überhypen. Ich will das einfach mal so wachsen lassen, weil ich könnte jetzt auch nicht einfach ein halbes Jahr nur Musik machen und mein Gesicht in Fernsehsendungen halten – die Frage mal hintenangestellt, ob das die Leute überhaupt interessieren würde -, sondern das einfach so wachsen lassen. Das ist meine Musik, die kommt aus mir heraus, die lebt mit mir, und ich hoffe, dass manche Leute auch mit der Musik leben.

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Fungiert das Album dennoch als Testlauf für ein angesprochenes größeres Album?

Michme:

Nein, es ist kein Testlauf, sonder die Vorstufe. Sozusagen die Vorband vor mir selbst.

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Wie oft bist du ‚unterwegs‘ und was sind deine Erfahrung dabei?

Michme:

Das Unterwegssein soll hier wörtlich genommen werden. Ich bin immer unterwegs. Kürzlich wurde ich bei einem Interview von einer Radiokollegin als der Mann, der immer von irgendwoher kommt und gleich wieder wohin muss, vorgestellt. So ist es auch. Ich habe versucht, dass in den letzten Jahren in den Griff zu kriegen, aber ich schaffe das noch nicht. Ich fahre selbst über 100.000 km im Jahr selbst mit den Auto, dazu kommen noch Flüge und Bahnreisen, da ich einen Beruf habe, der mich überall hinschickt. Natürlich hat das auch mit der Musik zu tun: Es gibt nichts schöneres, als mit ein paar anderen ähnlich Irren in einem fahrbaren Untersatz zu sitzen und von A nach B zu fahren und sich darauf zu freuen, dass gleich wieder Kabel zusammenzustecken, wovon wieder eines nicht funktioniert, trotzdem ist am Ende alles gut, das Adrenalin steigt und man kann gleich ein Konzert spielen und hofft in fröhliche Gesichter zu blicken. Deshalb bin ich immer unterwegs.
In einer zweiten, tieferen Ebene ist das natürlich auch von der Persönlichkeit her zu verstehen, dass du damit immer unterwegs bist, dass du Dinge erlebst, die dir gut tun, und Dinge, die dir vermeintlich erstmal wehtun und sich später aber auch als Erfahrungen herausstellen, die dich weitergebracht haben. Ich bin nach wie vor irgendwie nicht angekommen und empfinde diesen Zustand, in einer 50:50 Situation zu sein, beglückend wie auch unbefriedigend.

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Die Reise nach sich selbst, ein Element des Zen Buddhismus.

Michme:

Das klingt erstmal ziemlich philosophisch und abgedroschen, aber irgendwie ist es so.


Foto: Nilz Böhme

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Was waren deine Konstanten in dieser Zeit?

Michme:

Diese Konstanten sind auf jeden Fall Heartdisco und Gerald ‚Zwiebel‘ Frisco, Thomas Michme, der immer mit dabei ist, Dirk und ‚Bommel‘. Mittlerweile sind Menschen wie ‚Schöne‘ von Begbie dazugekommen, die nach all den Jahren Konstanten geworden sind. Das Radio und Fernsehen bzw. Medien allgemein waren auch immer dabei. Und Fußball (lacht).

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Und was bleibt unbefriedigend?

Michme:

Dass viele Leute, die gute Begleiter geworden sind, so Dinge wie die eigene Familie, so ein Hafengefühl erleben. Der Hafen als Element kommt ja auch in den Texten vor. Das ist das Unbefriedigende. Allerdings fehlt mir zwar so ein Ankommen mit Familie und Heiraten, aber im momentanen Stand der Dinge ist das halt irgendwie nicht machbar. Das will ich schon nochmal erreichen, ob ich das aber schaffe, weiß ich nicht.

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Welche Funktion hat die Stadt der Liebe, Paris, der du einen ganzen Song gewidmet hast?

Michme:

Ist diesem Moment fungiert „Paris“ wirklich nur als Synonym für einen Traum von zwei Menschen, den sie sich aber nie in der Lage waren zu erfüllen, weil sie zu blöd waren.

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Eine verpasste Chance?

Michme:

Eine sehr verpasste Chance.

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Also ist nicht die Sehnsucht das Motiv, sondern…

Michme:

Es geht in Paris um eine knallharte, selbstgerechte Schuldzuweisung. (lacht)

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Die allerdings auch sehr untergründig verpackt ist.

Michme:

Findest du? Für mich ist es so klar, da ich ja direkt an die Situation denke, wenn ich den Text schreibe. Man muss sich dann immer wieder bewusst machen, dass die Leute da ihre eigenen Dinge reininterpretieren. Das ist aber auch gut so.

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Ich finde die Songs schaffen sehr gut den Spagat zwischen ernsthaften Themen und ernsthafter Kritik bei gleichzeitig ruhiger und entspannter Herangehenweise.

Michme:

In puncto der Texte versuche ich das wirklich direkt anzusprechen. Ich stehe nicht auf verklauselierten Scheiß. Was meine Lebenshaltung angeht, trifft es das sehr gut. Das finde ich schön, dass du das so siehst und so soll es auch rüberkommen.

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Nochmal zu den Frauen: Das große Pech oder das große Glück deines Lebens?

Michme:

Die Frauen? Da möchte ich nichts zu sagen. (lacht) Oder ich antworte süffisant lächelnd: Eine große Bereicherung.

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Das Album wird mit einem Mixtape verglichen. Was würdest du einem jungen Fan raten, wenn er/sie gerade sein/ihr erstes Mixtape für seine Freundin/ ihren Freund macht?

Michme:

Eine ganz schöne, interessante Frage. Das ist ganz schwierig zu sagen, denn ich mache auch selber noch ganz häufig Mixtapes zu unterschiedlichen Themen. Was rate ich ihm also? Er soll dran bleiben bis zum Schluss. Beim Mixtape Machen passiert es ganz oft, dass man am Anfang seine volle Energie in die ersten sechs Songs steckt und fängt dann an schludrig zu werden. Da würde ich raten dran zu bleiben. Man sollte auch nur die Songs nehmen, die einen selbst wirklich bewegen, und nicht die Erwartung haben, dass es hundert Prozent trifft; die geilsten Mixtape bringen eine Antwort. Ich habe mal Mixtapes für jemanden gemacht und immer eines zurückbekommen. Das war total toll.

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