In München hört man gerade an allen Ecken, dass die Indieszene langsam, aber sicher ausstirbt. Eröffnest du nun mit dem Milla ausgerechnet einen neuen Indieclub?
Nein, wir eröffnen keinen Indieclub. Das wird ein Liveclub mit einer Bühne, in dem kleinere Konzerte, aber auch Lesungen stattfinden sollen. Das müssen aber jetzt nicht nur Indiebands sein. Genauso gut können dort Klassik-, Unplugged- oder auch Jazz-Konzerte veranstaltet werden. Ich kann mir da vieles vorstellen. Florian Silbereisen bringen wir aber nur dann auf die Bühne, wenn er auf der Ukulele Nirvana covert.

Wer ist noch am Club beteiligt?
Zum einen Gerd Baumann. Gerd hat als Produzent von Konstantin Wecker gearbeitet, ist als Komponist für die Rosenmüller-Filme bekannt geworden und mischt auch beim Label Millaphon mit. Ebenfalls dabei: Peter Brugger von Sportfreunde Stiller, den ich über Mehmet Scholl kennengelernt habe. Das Programm bestimmen wir gemeinsam – und da entscheidet dann unser guter oder schlechter Geschmack.

Der Club soll also verschiedene Szenen zusammenführen?
Ja, das ergibt sich schon aus der Zusammenstellung. Gerd als Filmkomponist, der in den USA studiert hat, hat Kontakte zu New Yorker Jazz-Größen, von denen ich noch nicht mal gehört habe. Peter bringt vielleicht dann eher Singer/Songwriter mit ein, und auch Millaphon-Bands sollen natürlich dort spielen. Aber wir werden sicher auch mit anderen Veranstaltern zusammenarbeiten.

Einige Clubs wie das Cord und die Blumenbar haben in diesem Jahr geschlossen oder sich in Richtung Mainstream neu orientiert. Ihr schlagt genau die entgegengesetzte Richtung ein …
Wir wollten auf keinen Fall einen geschleckten Glockenbachladen aufmachen, und Ü30-, Afterwork- oder After-Wiesn-Partys wird es bei uns sicher auch nicht geben. Wir haben uns bewusst für einen kleinen Laden entschieden, damit sich die Musiker auch dann noch wohlfühlen, wenn mal weniger Leute kommen.

Das Bachbett, in dem euer Club Milla jetzt eingezogen ist, war früher eine legendäre Location für illegale Partys und danach ein Raum für Theater und Konzerte. Habt ihr viel umgebaut?
Nein, wir haben den Raum nur farblich verändert und gebrauchte Möbel reingestellt. Ich würde es als gepflegte Unfertigkeit bezeichnen. Dann kann auch mal einer ein Kunstobjekt hinschrauben oder eine Ausstellung veranstalten. Wir lassen uns überraschen, was dort passieren wird. Grundsätzlich sind wir da sehr offen, bisher sind nur mit Club 2 und dem Optimal-Plattenladen ein paar Veranstaltungen geplant. Auch der Name Milla wurde so gewählt, dass er freundlich klingt und nicht belegt ist mit irgendwelchen Assoziationen.

Das Gespräch führte Tobias Wullert