Kaum habe ich am Morgen das Haus verlassen, dräut schon der erste Hassanfall: Ich kann mein Fahrrad nicht starten, denn ich bin eingeparkt. Ein fetter, glänzend schwarzer SUV klemmt mit seiner ganzen Breite selbstgefällig in der Hofeinfahrt. Daneben das Geländer. Dazwischen: mein Fahrrad. Was nun, was tun? Hupen? Das Gummientchen am Lenker gibt ein paar klägliche Töne von sich, die natürlich ungehört verhallen. Nach 20 Minuten schlendert betont lässig ein Anzug um die Ecke. Ich: „Hofeinfahrt, privat, eilig, etc.“ Er: rollt nur mit den Augen, seufzt extrem laut und fährt wortlos von dannen. Eingebaute Vorfahrt bei Taxi, BMW, Mercedes und Porsche 911 sind wir Münchner ja gewohnt. Aber die Art, wie man von SUV-Fahrern wie ein niederes Lebewesen, ja wie ein Einzeller behandelt wird, bloß weil ihr Fahrersitz ein paar Zentimeter höher montiert ist als beim citytaug lichen Kleinwagen, lässt mir tagtäglich die Reifen an meinem Gemütsvehikel platzen.

Am schlimmsten sind dabei die jungen Mütter, denen ihr „Ich fahr dir mit meinem Einkaufswagen in die Hacken, weil du ja keine Kinder hast“-Trick im Supermarkt offenbar langweilig wurde. Sie haben – Wirtschaftskrise hin, Benzinpreise her – neuerdings fast alle auf SUV umgesattelt und halten sich nun mit ihrem Sports-Karren voller Kiddies für die Königinnen der Straße. Und der Gehwege. Dabei sollten gerade sie sich Gedanken machen über die Welt, die sie ihren Kindern hinterlassen. Eine Welt voller Menschen mit Schmutzstriemen auf der Kleidung, knapp über dem Knie, weil es wieder einmal unmöglich war, von der Straße auf den Gehsteig zu treten, ohne die halbe Stoßstange eines bräsigen Utility-Vehikels mitzunehmen. Eine solche Welt ist nicht lebenswert, findet: Cloat Gerold