Sollte ich dem Stadtteil Au ein Adjektiv voranstellen, fiele mir am ehesten „launig“ ein. Ein launiges Viertel. Was in diesem Fall für eine gewisse Urtümlichkeit der hiesigen Gepflogenheiten und Einwohner steht. Letztere haben sich den viel besungenen „Stolz von der Au“ (Volkslied von Weiß Ferdl, zu hören auf „Rare Schellacks – München“ / Trikont) bewahrt und verbreiten je nach Fönlage und Eigenbefindlichkeit Frohsinn oder echten Münchner Grant. Der Umgangston in diesem eigenwilligen Quartier, das anno dazumal Münchens ärgste „Slums“ beherbergte, ist hart, aber herzlich und vergleichsweise authentisch. „Zu- groaste“, „Gschleckte“ und „Aufbretzelte“ scheint es trotz bester Lage am grünen Isarufer kaum hierher zu verschlagen, und das, obwohl nur die Isar die Au vom Szeneviertel Gärtnerplatz/Glockenbach trennt. Dafür haben sich hier viele schöne Betriebe erhalten und neue angesiedelt: Die althergebrachte Hosenträgernäherei und das Tattoo-Studio demonstrieren in der Au ebenso friedliche Koexistenz wie die urbayrische „Boazn“, der indische Schnellimbiss und der russische Wodkaladen – da beißt sich nix. Unaufgeregt geht es hier zu und „Diridari“ ist oft nur Nebensache – obwohl an den Geschirr-, Hausrat- und Antiquitäten-Stadln der berühmten Auer Dult natürlich trotzdem gefeilscht wird, was das Zeug hält. „A bissl an Diridari“ braucht man am Ende schließlich doch, wenn man im netten Café Hüller frühstücken, im Wirtshaus in der Au einen Schweinsbraten bestellen oder des Nachts im Schwarzen Hahn sein Bier genießen will. In letztgenannter Rockerkneipe hätte sich wohl auch der Weiß Ferdl wohlgefühlt – auch wenn er heutzutage dortselbst aufs Anzünden seines „Sportszigarettls“ verzichten müsste. Apropos Sport: Wer in der Nähe der Ohlmüllerstraße wohnt, genießt das Privileg, sich seine Morgenzeitung bei einer lebenden Legende kaufen zu können, denn bei Schreibwaren Schwarzenbeck steht kein Geringerer als „Katsche“ hinterm Tresen. (Für die drei Leutchen, die’s nicht wissen: Hans Georg „Katsche“ Schwarzebeck, unerreichter „Ausputzer“, sechsmaliger deutscher Meister mit dem FCB und Bestandteil der besten Fußballmannschaft aller Zeiten – des Weltmeisterteams 1974). Sich den Lottoschein vom Weltmeister signieren lassen – das gibt’s nur in der Au und das bringt garantiert viel Glück!