Der Lärmschutzwürfel, den sich das Harry Klein gerade in die neue Location in der Sonnenstraße einbauen lässt, hat offiziell nur eine Funktion: Dafür zu sorgen, dass die Nachbarn ihre Ruhe haben. In Wahrheit ist es wohl genau andersrum – der Club will seine Ruhe vor den Nachbarn haben. Der Beweis sind die Schallschleusen an der Tür und der hauseigene Rauchergarten. Man will sich einfach die Gratwanderung zwischen Party und Polizeieinsatz ersparen. Seien wir doch mal ehrlich: Egal ob beim Bergwolf, vor dem Substanz, auf der Homepage vom Atomic Café oder an der Tür von der Boazn nebenan – überall findet man die gleichen Zeichen. Türsteher, die mit Flüsterstimme um Ruhe vor dem Club bitten und eine beneidenswerte Geschicklichkeit an den Tag legen, wenn es darum geht, die Tür schnell zu öffnen und wieder zu schließen. Hinweiszettel, die vor der Zero-Tolerance-Politik der lieben Nachbarn warnen und darum bitten, Krawall und Remmidemmi im Club zu lassen. Vorhänge im Club, die zugezogen werden, um die Nachbarn auf der anderen Straßenseite vor der Allmacht des Basses zu schützen. Und sich selbst vor den Sanktionen der Nachbarn.

Es ist schon ein Kreuz: Dank Rauchverbot pilgert regelmäßig die Hälfte der Gäste vor die Tür. Dank Mietwahnsinn ist jeder Club umgeben von Wohngebiet – es sei denn, er will sein Dasein als Partyhangar im Outback fristen. Dazu kommt die Dünnhäutigkeit der Nachbarn. Sicher, alles muss seine Grenzen haben. Wenn,wie im Fall des Harry Klein,einer der lautesten Clubs der Stadt nebenan einzieht, hat man das Recht auf Ruhe. Auch muss sich kein Nachbar gefallen lassen, dass die Partymeute jedes Wochenende grölend durch seinen Garten stolpert. Wer aber in die Nähe eines Clubs zieht, sollte sich mit dem Lärm abfinden. Und damit, dass dem neuen Nachbarn zu Ehren kein Schallschutz für eine halbe Million Euro installiert wird – sondern nur ein Hinweiszettel für fünfzig Cent. Boris Eckart