Auf Google Earth kann man sie sehen. Zwar nicht die Münchner Riversurfer, wohl aber die Menschen, die auf der Eisbachbrücke an der Prinzregentenstraße stehen. Und sich nicht losreißen können vom Geschehen im wilden Stadtbach, der genau an dieser Stelle eine stehende Welle bildet. Es ist weltweit der einzige Platz, an dem man mitten in einer Großstadt und unabhängig von Hochwasser surfen kann.

Ein Mal, ein einziges Mal habe auch ich mich hier in die eiskalten Fluten gewagt, Anfang der achtziger Jahre. Meine Kumpels und ich hatten ein viel zu großes rechteckiges Brett mit einem Seil am Brückengeländer befestigt. Das Brett bog sich beim Wellenreiten gefährlich durch, und von den Surfcracks, die echte, oft selbst gemachte Boards besaßen, waren wir nicht wohlgelitten. Dennoch werde ich den Tag wohl nie vergessen: Wie die Sonne hellgrün durch die Baumkronen über mir blinzelte, unter mir das tosende Wasser, türkis rollend, gewaltig. Und die Gänsehaut, Wasserperlen auf brauner Haut, und das leichte Schwanken, das mich nach dem Absteigen vom Brett befiel, obwohl ich längst wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

Vor 35 Jahren versuchte der erste Surfer sein Glück in der Welle, und seither hat sich der Sport rasant entwickelt. Viele der ganz großen internationalen Profisurfer sind schon angereist, um das „Eisbach-Feeling“ zu erleben, mittlerweile jumpen die Cracks sogar samt Board von der Brücke – und manch ein Surfverrückter zog eigens wegen des Eisbachs nach München. So wie der Filmemacher Björn Richie Lob, der dem Riversurfen nun ein wunderbares Denkmal gesetzt hat.
Lotte Darcy