Guten Tag, Herr Stromberg, schon gepackt für die EM?
Ja, nicht nur gepackt – sondern schon auf der Reise. Acht große Kisten von mir, zwei Europaletten von Rewe sowie ein Grill und zwei Kochtische.

Wie bitte, acht Kisten? Ich bin bewaffnet bis an die Zähne, damit die Mannschaft bestens versorgt wird. Von Amaranth bis zur Zestenreibe – ich habe alles dabei.

Wie groß ist Ihre Crew? Mussten Ihre Mitarbeiter auch ins Trainingslager?
Mein Team umfasst Luisa, meine Servicekraft, sowie Matthias, ein weiterer Koch. Zusammen reisen wir am 1. Juni in Danzig an. Die Trainingslager absolviere ich allein bzw. mit den verschiedenen Hotelköchen.

Trainieren Sie ab und an bei Jogi mit?
Nein. Das würde ich aber auch gar nicht wollen. Ich trainiere, wenn Zeit und Kraft es noch zulassen, mit meinen Betreuerkollegen Jose und Björn aus der Sicherheit. Die coachen mich und nehmen mich so ran, dass ich anschließend auf allen Vieren ins Bett krabble.

Gibt’s es wirklich Nutella zum Frühstück? Klaro, aber inmitten eines bunten und reichhaltigen Büfetts. Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag.

Kennen Sie Ihre Koch-Konkurrenten aus den anderen Nationalteams? In Südafrika hab ich den Koch der Schweizer kennengelernt. War eine sehr sympathische Begegnung. Keine Ahnung, was die anderen Köche so machen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich denen einiges voraus habe.

Und das wäre?
Ich habe nicht nur die Erfahrung als Spitzenkoch, sondern befasse mich seit zehn Jahren intensiv mit der Auswirkung von Speisen auf den menschlichen Organismus. Analyse von Folgeschäden durch Fehlernährung sowie schlussendlich Prävention für die Zukunft. Mein erarbeitetes Wissen und meine Erfahrungen dokumentiere ich dieses Jahr in einem Buch, welches im Dezember, spätestens im Frühjahr 2013 erscheinen wird. Eine Show soll folgen. Aus diesen Erkenntnissen ist meine ganz persönliche Ernährungsphilosophie entstanden. Sie trägt die Überschrift: „Das Prinzip Nahrungskette“.

Spiel, Training, Spiel – welche Kost hilft am schnellsten?
Basische, also Gemüse, Kräuter, Gewürze, Kartoffeln. Und hochwertiges Eiweiß für die Regeneration.

Was machen Sie während der Spiele?
Ich sitze bis zur 70. Minute im Stadion und koche dann etwas in der Kabine. Die Kohlenhydratspeicher sind am besten wieder zu befüllen – kurz nach dem Spiel. Dann gibt es beispielweise Kartoffel- Gnocchi, Pasta und Sandwiches.

Kochen in der Kabine?
230-Volt-Steckdose, eine mobile Induktionsplatte und los geht’s! Funktioniert ähnlich wie beim Campen, nur dass ich keine Ravioli aus der Dose serviere, dafür aber ca. 40 bis 50 Portionen zubereite. Kein Schnickschnack, einfach leckere, kohlenhydrathaltige Kost.

Ihr kulinarischer Tipp für die Fans? Vor dem Spiel essen oder in der Pause! Während des Spiels empfehle ich Nüsse oder Trockenfrüchte.

Und wie geht die EM aus? Ich bin überzeugt: Deutschland wird Europameister 2012!

Das Gespräch führte Amadeus Danesitz