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HÄTTET IHR DAS GEWUSST?

„Hochdeutsch“ Was ist das, was bedeutet das?

Leider hat es sich irgendwie eingebürgert und ist nur sehr schwer wieder aus den Köpfen herauszubekommen, dass damit das Standarddeutsch (Duden), die Schriftsprache gemeint ist. Aber mit dem „hoch“ wird landläufig etwas „Besseres“, eine gepflegte (Aus-)Sprache bzw. Ausdrucksweise gemeint. Somit verbindet man dann daraus folgernd, dass „Hochdeutsch“ die Sprache der (hoch-)gebildeten Menschen ist und im Gegensatz der („derbe, plumpe“) Dialekt die Sprache der Straße (…nicht zu verwechseln mit dem Slang), also die Sprache und Ausdrucksweise bildungsferner Schichten ist – wie man heutzutage gerne sagt.

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Ein Vergleich: Wasserlassen oder urinieren im Standarddeutschen/Schriftsprache wird eben z.B. zu pullern, pissen, schiffen, bieseln, brunzen, soacha, seichen etc. in diversen Dialekten und wird dann – zu Unrecht – als ordinär, ungebildet, geschmacklos etc. angesehen. Stimmt aber nicht! In den jeweiligen Dialekten (Sprachräumen) waren ehedem diese Begriffe/Ausdrücke die dort übliche Sprache/Ausdrucksweise der Bevölkerung in diesem Sprachraum und man kannte eben keinen/keine anderen Begriffe dafür, dass wären gewissermaßen Fremdworte/-wörter gewesen, ähnlich, wenn wir heute eine Fremdsprache erlernen. Für Wasser lassen sagt z.B. der Däne tisse , zum pissen sogar piss – hm, ist doch irgendwie artverwandt mit dem in Norddeutschland verwendeten Begriff pissen. Das berühmte Manneken pis (brabantisch: pissendes Männlein oder in Standarddeutsch „eine Brunnenfigur eines urinierenden Knaben“) der Brunnen mit dieser Darstellung,  eines der berühmten Wahrzeichen der belgischen Hauptstadt Brüssel, ist hierfür ein ausgezeichnetes Beispiel.

Was ist aber nun tatsächlich mit Hochdeutsch (ohne Anführungszeichen!) gemeint bzw. welcher Sprachraum ist dies? Eigentlich ganz einfach. Das „hoch“ bezieht sich schlicht und einfach auf die Meereshöhe (über Normalnull), also beginnend an den Küsten im Norden Deutschlands inkl. den Niederlanden und dem nördl. Teil Belgiens (Flandern) mit „Niederdeutsch“ (vgl. Niederländisch, Plattdeutsch), weiter das norddeutsche Flachland verlassend nach Süden in Richtung der Mittelgebirge, eingeteilt in Westmitteldeutsch (z.B. Marburg/186 m), Ostmitteldeutsch (z.B. Leipzig/113 m) und Oberdeutsch (z.B. München/520 m), was dann zusammengefasst als Hochdeutsch (…im Gegensatz zu Niederdeutsch) bezeichnet wird (siehe Karte & Gliederung „Deutsche Mundarten der Gegenwart“ im Anhang) und somit gehört Bairisch eindeutig zum Hochdeutschen – ganz einfach, topografisch eben. Eine ebensolche Einteilung nach der geografischen Höhenlage findet man auch im Südwesten Deutschlands und der angrenzenden deutschen Schweiz, also im Alemannischen mit niederalemanisch (z.B. Freiburg; 278 m), hochalemansich (z.B. Zürich; 408 m) und höchstalemanisch (z.B. Berner Oberland; > 540 m).

Standarddeutsch: Man könnte es die deutsche Hochsprache nennen, die dazu dient, dass sich alle Menschen im deutschsprachigen Raum – und der ist groß, sehr groß, denkt man nur mal an die deutschsprachige Schweiz, Österreich und Südtirol – untereinander verständigen können, also quasi eine „normierte“ Sprache, die sich um eine Vereinheitlichung der Begriffe bemüht. Niedergeschrieben im Duden, den man vielleicht als die DIN (ugs. „Das-Ist-Norm“ bzw. Deutsches Institut für Normung) der deutschen Sprache bezeichnen könnte.

Schriftsprache: Wie es dieser Begriff ja schon beschreibt, ist es die/eine Sprache, die sich an der Schriftform/-norm orientiert bzw. daranhält. Ein Dialekt ist nur sehr schwer, wenn überhaupt zu Verschriftlichen, und wenn bedürfte es dazu zig „Normen“. Ein Dialekt ist eigentlich immer als eine gesprochene Sprache anzusehen – und anzuhören – und nicht als (nieder)geschriebene Sprache. Liegt eigentlich auch schon in der Bedeutung des Wortes „Sprache“, also ein Kommunikationsmittel auf verbaler Ebene und nicht als „Schrift“, quasi das (nieder-)geschriebene Gesprochene. Vgl. bei offiziellen Reden/Ansprachen wird i.d.R. an die Anwesende/Journalisten etc. das Vortagsmanuskript des Redners/der Rednerin verteilt und am Ende steht dort: „… es gilt das gesprochene Wort“.

Quelle: http://hispanoteca.eu/Linguistik/d/DIALEKTE DES DEUTSCHEN.htm


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