So Aug 07 17°C 23:15:49
Prinz.de  ›  Tipps und Tricks vom Hundeprofi Martin Rütter

Tipps und Tricks vom Hundeprofi Martin Rütter

Er ist DER Hundetrainer unter den Hundetrainern und weder im Buchregal, noch im TV-Programm kommt man um den „Hundeprofi“ noch herum – Martin Rütter. Ab Mai geht er wieder auf Live-Tour. Es ist seine fünfte und hat dieses Mal den wunderbaren Titel „Der will nur spielen!“. Warum? Das und vieles mehr erzählt er uns im Interview.

Mit den Fellnasen auf Du und Du – Hundetrainer Martin Rütter hatte schon immer einen guten Draht zu treuen Vierbeinern

„Der will nur spielen!“ Wie kamst du auf den Titel deiner aktuellen Show? Welche Bedeutung hat er für dich?

Ich glaube, dass „Der will nur spielen!“ eine Aussage ist, mit der wir eigentlich alle etwas anfangen können. Egal ob Hunde- oder Nicht-Hunde-Mensch. Denn, Hand aufs Herz, wem wurde „Der will nur spielen“ nicht schon mal im Park entgegengerufen (lacht)? „Der will nur spielen“ ist für mich einfach ein absoluter Klassiker aus dem Hundetraining und gleichzeitig auch immer so eine Art Bankrott-Erklärung (lacht). Es ist diese Hilflosigkeit, wenn man merkt, man hat keinen Einfluss.

Hättest du ein konkretes Beispiel für uns?

Sagen wir, der Hund brettert einem Jogger hinterher. Es folgt der Ruf seines Halters „Der tuuuuuut nix“, was übrigens im Endeffekt dann nichts anderes als „Der tut nix von dem, was ich gerne hätte“ bedeutet. Wenn der Hund dann den Jogger anspringt, schiebt der Halter ein: „Der will nur spielen“ hinterher. Und wenn der Hund dann zugebissen hat, heißt es: „Das hat er ja noch nie gemacht“. Das ist eigentlich immer so die Reihenfolge. Heißt also: Wenn jemand „Der tut nix, der will nur spielen“ ruft, ist das eher ein Alarmsignal (lacht).

Ja, das scheint ein Szenario zu sein, das dir häufiger begegnet ist …

Deshalb habe ich sie zum Titel meiner mittlerweile fünften Live-Tour gemacht, die jetzt im Mai beginnt und die als eine Art Jubiläumstour zu sehen ist, da ich seit mehr als 25 Jahren mit Mensch und Hund arbeite. „Der will nur spielen!“ wird also so ein bisschen einen Best-of-Charakter haben, wir machen gemeinsam so einen kleinen Abriss der letzten 25 Jahre. Und natürlich können sich die Leute auch diesmal wieder auf einen Mix aus Information und Unterhaltung freuen. Alle werden jede Menge Spaß haben, aber definitiv auch etwas lernen, das sie für ihren Alltag mit Hund nutzen können.

„Der will nur spielen!“ ist bereits die fünfte Live-Tour des Hundetrainers. Er verbindet Unterhaltung und Wissensvermittlung meisterlich

Wird dein Hund Emma auch mit dabei sein?

Emma ist immer mit dabei. Auch bei den Dreharbeiten – und auf meiner Live-Tour sowieso. Aber: natürlich nicht auf der Bühne, sondern in bester menschlicher Gesellschaft entweder dahinter oder im Hotel. Es ist toll, dass das so gut klappt, denn Emma ist – egal wo wir sind – auch immer so ein Stückchen Zuhause für mich.

Was hat dich eigentlich dazu bewegt, Hundetrainer zu werden?

Ich hatte schon immer einen engen Draht zu Hunden, obwohl ich als Kind keinen Hund haben durfte. Meine Eltern haben jedes Tier als überflüssig angesehen, das man nicht auf den Grill legen und essen konnte. Ich habe aber bereits in meiner Jugend die Hunde der Nachbarn ausgeführt und die Hunde meiner Tante Thea ohnmächtig gekrault. Sie hatte in den 80er Jahren eine Art Pflegestelle für gestrauchelte Tiere. Und sie besaß die außergewöhnliche Gabe, Hunde, die anfangs noch ganz wunderbar waren, binnen weniger Wochen dermaßen verrückt zu machen, dass man das Haus nicht mehr angstfrei betreten konnte. Mich hat schon damals brennend interessiert, warum so viele Menschen um mich herum Probleme mit ihren Hunden hatten.

Aber zunächst ging es beruflich in eine andere Richtung …

Ich habe Sportpublizistik studiert und wollte Sportreporter werden. Und so wie andere Leute neben dem Studium gekellnert haben, habe ich Hunde ausgeführt. Ich habe dann quasi mein Theoriewissen – ich hatte bis dahin so an die 200 Hundebücher studiert – an den Leuten ausprobiert. Und da hat sich relativ schnell rumgesprochen, dass, wenn dieser Rütter kommt, der Hund dann irgendwie anders ist. So im dritten, vierten Semester war für mich dann klar, ich mach das: Ich eröffne ‘ne Hundeschule! Für meine Eltern war das zunächst natürlich kein schöner Moment (schmunzelt). Und ich habe diese Entscheidung nie bereut. Hundetrainer zu sein ist mein absoluter Traumberuf.

Was ist es, das dich bis heute so an Hunden fasziniert?

Das Spannende ist, dass jeder Hund ein Individuum und somit eine eigenständige Persönlichkeit verkörpert. Es reizt mich, diese Persönlichkeit kennenzulernen und herauszufinden, was sie ausmacht. Die Hundewelt besteht einfach aus einer derart unerschöpflichen Vielfalt, dass es nie langweilig wird.

Was würdest du sagen, sind die häufigsten Fehler, die Hundehalter machen?

Es gibt drei Kardinalfehler. Erstens: die extreme Vermenschlichung. Diese schürt Erwartungen, die der Hund niemals erfüllen kann. Ein Hund kann nicht denken und handeln wie ein Mensch. Dazu kommt mangelnde Konsequenz – womit ich nicht Strenge oder Härte meine. Es ist ja oft so: Menschen stellen Regeln auf, gehen dann aber zu lax mit diesen um. Immer sonntags darf der Hund mit am Frühstückstisch sitzen und bekommt sein Leberwurstbrötchen, an den anderen Tagen aber nicht. Das kapiert kein Hund und es verunsichert ihn nur. Ein Hund benötigt klare Regeln, nur so kann er Vertrauen zu seinem Menschen aufbauen und sich auch in schwierigen Situationen auf ihn verlassen. Und ein weiteres Problem ist die mangelnde Beschäftigung. Hunde brauchen körperliche und geistige Auslastung.

Martin Rütter mit seiner Hündin Emma. Auch er schafft es manchmal nicht, seinen Erziehungstipps treu zu bleiben. Der Hundeblick sitzt sicherlich gut …

Die Entscheidung ist gefallen: Ich möchte mir den Traum vom eigenen Hund erfüllen. Auf was sollte ich bei der Auswahl unbedingt achten?

Meine dringende Bitte lautet immer, vorab eine Art Checkliste zu erstellen: Welcher Hund passt überhaupt zu mir? Sind seine Charaktereigenschaften und Bedürfnisse mit meinem Leben überhaupt vereinbar? Welche Bedürfnisse habe ich, welche Bedürfnisse hat der Hund? Und ganz wichtig: für einen Hund muss man Zeit haben. Und damit meine ich nicht nur die Zeit für die Pflege, wie beispielsweise kämmen oder Krallen schneiden. Ein Hund ist kein Spielzeug, das man bei Bedarf rauskramt und dann wieder wochenlang verstauben lässt. Er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, über die man sich gut informieren muss.

Züchter oder Tierheim?

Ich bin ein Verfechter davon, dass alle, die sich einen Hund wünschen, immer auch im Tierheim vorbeischauen. Deswegen habe ich auch vor kurzem die Tierschutz-Kampagne „Adoptieren statt produzieren“ ins Leben gerufen. Denn es ist noch immer so, dass unsere Tierheime voll sind mit super Hunden, die es verdient haben, eine neue Chance zu bekommen und die genau dafür einfach wahnsinnig dankbar wären.

Gibt es eigentlich einen Erziehungstipp, der dir selbst schwerfällt?

Na klar, das geht mir ja nicht anders. Nehmen wir die Vermenschlichung. Ich habe Emma abends auf der Couch auch schon mal meine Sorgen und Nöte des Tages erzählt. Es darf halt nur nicht eskalieren, dass ich permanent meine Wünsche auf den Hund projiziere. Die Kernfrage lautet: Was stört den Hund? So lange der Hund in seiner geistigen und körperlichen Freiheit nicht eingeschränkt wird und nach seinen natürlichen Bedürfnissen entspannt leben kann, ist alles okay. So ist beispielsweise gegen ein mit Diamanten besetztes Halsband nichts zu sagen, denn es beeinträchtigt den Hund nicht. Das gilt auch für das pinkfarbene Märchenschloss als Hundehütte. Dagegen habe ich nichts. Gefährlich wird’s aber, wenn der Hund zum Oktoberfest ins Dirndl gezwängt wird. Da hört der Spaß auf, das ist Tierquälerei.

Kann ich etwas gröber veranlagten, großen Hunden beibringen, beim Spielen vorsichtiger mit kleinen Hunden umzugehen und wie gehe ich dabei vor?  Frage für einen Freund …

Es ist schon so, dass Hunde den Umgang und die Kommunikation mit anderen Hunden erst erlernen müssen – und das von Welpe an. Deswegen sollten sie idealerweise bereits in der Welpengruppe viele unterschiedliche Rassen kennenlernen. Auch wenn für ein wirklich ausgelassenes Spiel spezielle „Kleinhunde-Welpengruppen“ durchaus Sinn machen, sollte es immer wieder auch gemischte Trainingsstunden geben. In denen lernen vor allem die größeren Hunde, bei der Begegnung mit kleineren Hunden vorsichtig zu agieren. Übertreibt es das „kleine Schwergewicht“ also gerade wieder einmal, nimmt man den Welpen hoch und unterbricht damit das Spiel, und das noch bevor der kleinere Spielpartner in Bedrängnis kommt oder sogar verletzt wird. So lernt der kleinere Vierbeiner, dass er sich auf seinen Menschen verlassen kann, da dieser auf ihn achtet und Situationen, die für ihn unangenehm sind, regelt und klärt. Und der größere Spielpartner lernt, dass das schöne Spiel endet, wenn er zu körperlich im Umgang mit den anderen Hunden wird. Dies kennt er im Idealfall bereits durch das Spiel mit seinen Wurfgeschwistern bzw. durch Eingreifen des Züchters in zu raues Spiel der Welpen.

Funktioniert das bei allen Hunderassen?

Gerade Hunden, die eher körperlichen Rassen angehören, wie zum Beispiel dem Boxer, dem Labrador Retriever oder dem Rottweiler, wird es unter Umständen schwerfallen, ihren Körper vor allem in dynamischen Begegnungen so zu kontrollieren, dass dem kleineren Artgenossen nichts passiert. Aus dem Grund dürfen solche Begegnungen immer nur kontrolliert und unter Aufsicht des Menschen stattfinden, der regulierend eingreift, wenn sich die Situation zu sehr hochschaukelt. Vorbedingung für einen Kontakt unter erwachsenen Hunden ist daher ein perfekter Rückruf bzw. ein zuverlässig aufgebautes Abbruchsignal, um das Spiel der beiden Hunde sofort unterbrechen zu können.

Danke, Martin, für die spannenden Einblicke und sehr hilfreichen Tipps!

Wer Lust hat, Martin Rütter auf seiner „Der will nur spielen!“-Tour live zu erleben, findet hier aktuelle Infos:
https://www.martin-ruetter-live.de/termine

Los geht es am 03. Mai 2022 in Olsberg, die letzte Show ist für den 15. Dezember 2023 in Hamm geplant.

Gewinnspiel

Aufgepasst: Wir verlosen 3 x 2 Tickets im Rahmen eines Martin Rütter-Sets. Einfach bei den Gewinnspielen vorbeischauen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Loading