Schon im Vorjahr hieß euer Programm „Menschen. Tierschau. Sensationen“. Macht ihr einfach wieder das gleiche?
Michael Gaedt: Nein, das ist unsere Zirkus-Show, die heißt halt so. Bei „Stars in der Manege“ wird das ja auch nicht jedes Mal geändert.

Es gibt also auch neue Nummern?
Gaedt: Wenn wir eine 25 Jahre alte Nummer für die Manege umarrangieren, dann ist das auch fast, als wäre sie neu.
Michael Schulig: Jede Menge neuer Maschinen haben wir auch. Letztes Jahr hat sich herausgestellt, dass wir die großen Dinger leider nicht im Zelt unterbekommen. Dieses Jahr nehmen wir eben viele kleine mit. (Anm.: im Raum nebenan stehen zwei fahrbereite Toilettenschüsseln mit Rädern).

Ihr seid kürzlich im Showmekka Las Vegas zur „beruflichen Weiterbildung“ gewesen. Habt ihr auch was gelernt oder nur Spaß gehabt?
Michael Schulig: Wenn wir etwas gelernt haben, dann, dass die dort auch nicht anders ticken als wir. Da wird aus den vorhandenen Mitteln das Beste rausgeholt.

Die Mittel sind wahrscheinlich größer in Las Vegas, oder?
Michael Gaedt: Natürlich. Da steht die Bühne voll mit Showgirls und der Moderator ruft „Was ist toller als 30 Showgirls? Genau. 50 Showgirls!“ und dann rennen nochmal so viele auf die Bühne. So viel Platz haben wir im Zelt natürlich nicht.
Michael Schulig: Was das Lernen angeht, war New York damals aber besser. Da kannst du morgens um Acht einen Conga-Kurs bei einem berühmten Broadway-Musiker besuchen.
Michael Gaedt: Ich hatte das Gefühl, wer nach Las Vegas kommt, der kann schon alles. Da sitzt alles perfekt.

Ist das nicht alles familienfreundlicher Glitter beziehungsweise die letzte Ausfahrt vor dem Karriereende?
Michael Gaedt: Das dachte ich auch, stimmt aber nicht. Wir haben völlig irre Shows gesehen, politisch inkorrekt und wild. Und wenn du willst, kannst du abends noch zum Pearl Jam Konzert gehen. In Las Vegas gibt es wirklich alles, außer Polizei. Wahrscheinlich, weil die Mafia alles regelt.
Michael Schulig: Es ist auch die einzige Stadt in den USA, in der man auf der Straße Alkohol trinken darf. Bisweilen geht’s da deswegen fast ballermannmäßig zu.

Ihr habt als erste den Marienplatz bespielt. Mittlerweile ist da jede Menge los. Fühlt ihr euch als Vorreiter?
Michael Gaedt: Nein, die Leute haben sich den Platz zurück erobert. Erst kamen die Cafés und Kneipen, dann wir und dann immer mehr Leute. So muss das doch sein.

Ohne Menschen ist der Marienplatz auch kein besonders Schmuckstück.
Michael Schulig: Erinnerst du dich an die Rosenau Open auf dem Berliner Platz? Architekt Roland Ostertag beschwerte sich damals, dass Veranstaltungen auf dem Platz die Architektur stören würden. Deswegen passiert da seitdem auch nichts mehr. Lächerlich.

Aktuelles Thema: Sommergewitter, Sturm. Habt ihr Angst um euer Zelt?
Michael Gaedt: Als da neulich meine Liege auf das Nachbargrundstück flog, dachte ich schon kurz: Das hätte nun auch unser Zirkuszelt sein können.

Das Gespräch führte Michael Setzer