Sie sind der einzige Fußballprofi, der sowohl in der 1., als auch der 2. Bundesliga über 100 Tore geschossen hat.
Schön für die Geschichtsbücher, aber ich habe das Gefühl, das ist Lichtjahre entfernt. Als Trainer habe ich hier so vielfältige Aufgaben, dass ich kaum Zeit finde, an damals zu denken. Aber ich spreche in meiner täglichen Arbeit sowieso nicht von früher.

Ihr Job steht bei Fans und Medien im Fokus. Haben Sie das Gefühl, sich ständig erklären zu müssen?
Nein, ich habe gelernt, dass im Stadion alle Ahnung haben – außer mir (lacht). Beim Fußball darf ja auch jeder mitreden. Im Ernst jetzt: Das gehört dazu und das ist auch das Schöne am Fußball. Ich weiß doch, dass es immer eine Sichtweise von Außen gibt, aber eben auch eine von Innen. Ich halte mich in erster Linie an das, was ich sehe.

Kann man mit Ihnen gut Fußball auf der Couch schauen?
Klar, ich genieße das – auch privat im Stadion. Es kann nur vorkommen, dass ich von einem Spiel völlig begeistert bin, während andere sich langweilen. Mailand gegen Marseille zum Beispiel. Ich glaube, das war 1993, Champions League Finale – Rasenschach in höchster Vollendung und für mich eines der prägendsten und aufregendsten Spiele, die ich gesehen habe. Viele fanden das stinklangweilig. Es ging übrigens 1:0 für Marseille aus, Torschütze Boli.

Die Wappen-Frage wurde jüngst vertagt. Wie stehen Sie dazu: Soll der VfB zum alten Wappen zurückkehren?
Ich kann die Initiative der Fans verstehen, zumal ich die Traditionspflege gut finde. Ich habe fast nur bei Traditionsvereinen gespielt. Das ist ein besonderer Kick. Da hängt am Ende aber auch ganz schön was dran, auch finanziell. Zu sagen, wir ändern das Logo ist am Ende nicht meine Aufgabe.

Können sie einfach in die Stadt gehen und sich etwas entspannen?
Ich schaffe das leider zeitlich viel zu selten. Als Spieler war das einfacher. Jetzt ist das für mich Luxus, aber eben auch ein Stück Lebensqualität, in einem Café zu sitzen und den Kopf frei zu bekommen. Ich sehe mir auch gerne mal kleinere Livebands an, denn eines haben die alle: Leidenschaft für das was sie tun. Das gefällt mir. Da nehme ich immer etwas für mich persönlich mit, aus einem solchen Abend.

Bekommen sie auch Taktiktipps von Fans mit auf den Weg?
Natürlich werde ich auch angesprochen. Aber das gehört dazu und ich empfinde das gar nicht als unangenehm.

Sind sie jemals in der Halbzeit in die Kabine gestürmt und haben ihre Mannschaft angebrüllt: „Wollt ihr mich verarschen?!“
(lacht) Nicht so, aber manchmal muss ich auch mal sehr deutlich werden. Meistens aber will ich in der Pause vor allem weitere Lösungsmöglichkeiten für die zweite Halbzeit aufzeigen.

Ich muss Sie noch etwas fragen: Meine Kollegin Diana sagt, sie sollten den Mats Hummels kaufen, weil der gut kicken könne und auch sehr süß wäre.
Mit dem „süß“, das müssen wir ihr überlassen. Was das Sportliche betrifft: Das ist ein klasse Spieler. Aber wir haben hier auch Topleute auf dieser Position wie zum Beispiel Serdar Tasci, die haben unser vollstes Vertrauen und ganz sicher nicht weniger Qualität.

Das Gespräch führte Michael Setzer