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Stuttgart will neue Graffiti-Flächen schaffen

Eine lokale Zeitung hat alle Beteiligten an einen runden Tisch gebracht.  Es wird eine zweite  legale „Hall of Fame“ gefordert!



Die „Hall of Fame“ (Halle des Ruhms) in Bad Cannstatt (neben dem Wasengelände) war bis vor kurzem noch die einzige legale Fläche, wo sich Sprayer ganz offiziell austoben durften. Hier unter der König-Karls-Brücke allerdings ist zu wenig Platz für die Graffiti-Künstler der Stadt. Fast täglich werden hier aufwendige kreative Bilder wieder übersprüht, weil jeder mal „zum Zuge kommen will“. Doch das soll sich nun ändern.

Am runden Tisch beim Tiefbauamt auf Initiative einer lokalen Zeitung trafen sich kürzlich die drei Hauptbeteiligten der Stuttgarter Sprayer-Szene:

Patrick Klein (Foto rechts vor seiner Auftragsarbeit an der Kneipe „Schankstelle“) ist Inhaber des Stuttgarter Sprayerladens „Third Rail“ an der Ossietzkystraße. Er hat einen engen Draht zur Graffiti-Szene und sprüht selbst an der Hall of Fame und erledigt Auftragsarbeiten. Er kennt die Bedürfnisse der Stuttgarter Sprayer. Unter graffitt-stuttgart.de kann man bei ihm auch Graffiti-Kurse und Aufträge  zum Beispiel an der eigenen Garage buchen. Patrick verweist auf zahllose Schmierereien in der ganzen Stadt.„So was muss nicht sein“, verweist er auf fehlende legale Flächen.

Auch aufgestellte Holzplatten oder eine Wand aus speziellen „Lego-Beton-Steinen“ seien aus seiner Sicht bereits eine Lösung, um die Jugendlichen zu einer legalen Fläche, wo sie üben könnten, zu verhelfen. Er räumt allerdings ein: „Bei der Hall of Fame bleibt das Bild nur ein Tag sichtbar“, sagt Patrick. Viele Sprayer aber wollten legal wirken. In Cannstatt sei dies aber kaum noch möglich. „Bei der Hall of Fame tritt man sich auf die Füße“, klagt Patrick. Kurios: „Wir haben auch Anwälte und andere bürgerliche Vertreter, die in ihrer Freizeit munter drauf los sprühen“, sagt der Sprayer-Laden-Betreiber.

Florian Schupp ist Graffitibeauftragter der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft. Er hat früher selbst gesprüht und vermittelt zwischen Stadt und den Sprühern. Auch er fordert Flächen, die nicht nur einmal besprüht werden können, sondern immer wieder neu. Er sieht beim Güterbahnhof in Bad Cannstatt Potential für eine zweite „Hall of Fame“.

Claus-Dieter Hauck vom Tiefbauamt zeigte sich gesprächsbereit. „Wir von der Stadt versuchen den Wunsch nach einer zweiten legalen Großfläche zu realisieren. Was allerdings kaum jemand bedenkt, es gibt dabei einige Ding zu beachten, was die Verwirklichung erschwert. Die Fläche muss – als Schutz für die oft Minderjährigen – deutlich entfernt vom Straßenverkehr liegen. Es dürfen keinerlei Nachbarn vorhanden sein, deren Häuser dann nämlich in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Es ist eine Betreuung nötig, so wie es Patrick Klein in Cannstatt macht, die den Jugendlichen die Grenzen der Hall of Fame deutlich macht und der das kontrolliert“, führt der Tiefbauamts-Mitarbeiter aus. „Wir von der Stadt tendieren derzeit zum Gelände des Alten Güterbahnhofs in Cannstatt. Dort könnte man eine geeignete Wand aufstellen“, so Hauck.

Nicht am runden Tisch vertreten war die Stuttgarter Polizei, obwohl sie mit dem Thema sehr viel zu tun hat.Sie hat keinen speziellen Sachbearbeiter zum Thema Graffiti, wie es zum Beispiel in Berlin der Fall ist. „In der Szene ist der Fame, der Ruhm eher illegal zu erreichen. So eine Hall of Fame ist keine generelle Lösung“, sagt ein Pressesprecher der Stuttgarter Polizei. Es gebe viel attraktivere Flächen: „Wo es jeder sehen kann, bei der Autobahnbrücke, wo jeden Tag zigtausende vorbeifahren, das ist natürlich ein beliebtes Sprüh-Ort. So eine legale Fläche, wie es gerade Gespräch ist eine zweite Hall of Fame einzurichten, mag den einen oder anderen vielleicht vom illegalen Graffiti sprühen abhalten, aber nicht alle“, ist sich der Polizeisprecher sicher. Es kann übrigens bis zu tausend Euro kosten ein kleines Graffiti von der eigenen Hauswand zu entfernen. Im Jahr 2012 gab es in Stuttgart 1818 angezeigte Schmierereien, zehn Prozent mehr als 2011. Zwei größere Serien (gleicher „Tag“=Schriftzug) gab es im vergangenen Jahr. Einen der beiden Täter konnte die Polizei „schnappen“. 134 Taten, verteilt auf das ganze Stadtgebiet, konnten dem Jugendlichen aus Stuttgart nachgewiesen werden.


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