Wir haben Dich in unsere Liste der 50 wichtigsten Stuttgarter aufgenommen. Gut, oder?
Klar, das ist eine schöne Auszeichnung, sozusagen eine bekannte Persönlichkeit in Stuttgart zu sein. Aber ganz ehrlich: Es gefällt mir auch, durch die Stadt zu laufen und mal nicht erkannt zu werden.

Wir sind der Meinung, dass Du gerade in der vergangenen Saison sehr viel für Stuttgart getan hast. Du hast Stärke bewiesen.
Das war meine erste Saison als Nummer Eins und wir haben in der Vorrunde als Mannschaft nicht toll gespielt. Plötzlich waren wir im Abstiegskampf. Das war nicht einfach für uns alle. Ich wusste, dass die Bundesliga ein Haifischbecken sein kann. Aber ich habe daraus gelernt, dass ich mich auf mich selbst konzentrieren muss.

Kannst Du eigentlich noch entspannt durch die Stadt gehen?
Naja, ich bin nicht der Typ, der zum Entspannen in die Stadt geht und die Königstraße hoch und runter läuft. Zum Frühstücken mit meiner Freundin – das geht dann schon. Ansonsten ziehe ich aber die Wälder bei Schorndorf vor. Das ist entspannender.

Wie? Keine Boutiquen? Stadtmitte? Nightlife?
Ab und zu, aber das muss nicht unbedingt sein.

Wieso? Weil da so viele Leute rumlaufen, die es alle besser wissen?
Gerade wenn’s mal nicht so gut läuft, stößt man auch mal auf lautere Kritik…

Du versteckst Dich?
Nein. Mich Derartigem zu stellen gehört dazu, genauso wie Autogramme geben, erkannt zu werden und Smalltalk zu halten. Wenn das alles nett abläuft, dann freue ich mich ja auch.

Stellst du Dir manchmal vor, wie es wäre, als Fan in der Cannstatter Kurve mitzuleiden?
Natürlich. Ich höre das ja oft genug von Freunden oder Bekannten und war früher selbst als Fan im Stadion Es war allerdings immer mein größter Traum, Torhüter beim VfB Stuttgart zu sein. Deshalb verzichte ich da gerne drauf.

Haben sie Dich als Kind im Sportunterricht ins Tor gestellt, weil Du zu dick und zu langsam warst?
Nein, wieso?

Bei mir war das so in der Schule.
Nein, ich wollte wirklich immer ins Tor. Früher war ich Feldspieler. Ich musste sogar den Verein wechseln, um endlich ins Tor zu dürfen.

Mal ehrlich: Würdest Du nicht gerne mal ein Tor schießen?
In der Jugend habe ich öfters im Feld gespielt und auch ein paar Tore geschossen. Mich hat’s aber immer wieder zwischen die Pfosten gezogen.

Die Verantwortung für Torhüter ist sehr groß, oder?
Natürlich. Ich kann 90 Minuten lang jeden Ball halten, aber wenn mir in der letzten Minute einer durchrutscht, dann bin ich der Depp. Doch gerade das ist eben der Nervenkitzel, den jeder Torhüter will und braucht.

Was denkst Du, wenn einem Kollegen ein Malheur passiert? Mitleid oder Schadenfreude?
Weder noch. Allen passiert das. Auch Manuel Neuer greift mal daneben. In der Regel sehe ich die Fehler anderer Torhüter nie als so schlimm an, wie meine eigenen. Aber außer mich zu ärgern, es zu analysieren und es dann abzuhaken, kann ich nichts dagegen tun. Wir sind schließlich alle nur Menschen.