Und wann geht Ihr nach Berlin? Diese Frage hören Anne-Sofie Ruckhaberle und Philipp Ziegler immer wieder. Aber die jungen Ausstellungsmacher denken gar nicht daran – sie sind vom Kunststandort Stuttgart überzeugt: „Nachdem jahrelang nichts passiert ist, entstehen gerade eben wieder viele neue Projekte.“ Das Duo mischt dabei kräftig mit. In ihrem Projektraum „Hermes und der Pfau“ (Christophstr. 5A, S-Mitte, www.hermesundderpfau.de) präsentieren Ruckhaberle und Ziegler, die im normalen Berufsleben für die Galerie Reinharde Hauff arbeiten, seit Dezember des vergangenen Jahres zeitgenössische Kunst. Das Ziel: Die Stuttgarter Kunstszene soll interessanter und vielfältiger werden. Ein richtiger Off-Space seien sie jedoch nicht, betont Ziegler. „Wir stellen ein kuratiertes Programm zusammen.“ Dafür halten sie auch gezielt Ausschau nach jungen Künstlern aus dem Ausland, um ihnen einen Platz in Stuttgart zu geben. „Mittlerweile werden wir international wahrgenommen“, sagt Anne- Sofie Ruckhaberle. Über diesen Erfolg freut sich Galerist Sandro Parrotta, denn bisher sei die internationale Verflechtung der lokalen Kunstszene nicht sehr ausgeprägt. Aber das ändert sich gerade. „Stuttgart verträgt neue, freche Galerie-Projekte.“ Und genau das sind die unkonventionellen Aktionen des elfköpfigen Teams vom Interventionsraum mitten in der City. So wurde das ehemalige Ladengeschäft schon mal in ein temporäres Schlafzimmer umfunktioniert. Off-Spaces liegen Parrotta am Herzen: „Sie gehören zu einer kulturellen Stadt dazu, nur so kann neue Kunst entstehen.“ Mit Sorge blickt er in Richtung Nordbahnhof, wo wegen Stuttgart 21 viele Künstler heimatlos werden. Selbst hat er lange nach einem geeigneten Raum gesucht und schließlich mitten im Westen eine alte Montagehalle gefunden. Die Mieten seien oft nicht bezahlbar, klagt Parrotta. Daran scheitern viele Projekte, wissen auch die Macher von „Hermes und der Pfau“, die Glück haben, dass ein kunstbegeisteter Werber ihnen einen Raum zur Verfügung stellt. Für seine flüchtige Kunst hat der Off-Space „Tresor“ eine passende Location gefunden: den alten Kassenraum der Bahndirektion samt Panzerschrank. Trotz der Schwierigkeiten sind sich alle einig: „Es tut sich was in Stuttgart.“