Am Bahnhof hängt dein Konzertplakat. Ist das nicht seltsam für dich?
Ja, und manchmal erschrecke ich, wenn ich aus dem Fenster schaue und meinen Namen auf einem Plakat lese. Das ist abgefahren.

Apropos „abgefahren“: Der Bahnhof, das Ankommen und Verreisen, ist ein wiederkehrendes Symbol in deinen Texten.
Es gibt viele Punkte in dieser Stadt, die mir viel bedeuten. Der alte Hauptbahnhof gehört klar dazu. Ich bin Stuttgarter durch und durch und liebe ich es, wie schön man von oben auf die Stadt schauen kann. Keine andere Landeshauptstadt hat das, außerdem hat Stuttgart durch die Kessellage mit all den Stäffele einen ganz besonderen Charme.

Deine aktuelle Tour heißt „Projekt Seerosenteich“. Kennst du den Märchengarten in Ludwigsburg? Dort kann man sogar Seerosenkönig sein!
Daran musste ich auch denken. Erst neulich war ich mit Freunden aus Schweden dort und ich war erstaunt, wie klein mir alles vorkam. Früher war das eine riesige Welt für mich.

„Projekt Seerosenteich“ ist als leise Konzertreihe geplant. Bist du auch persönlich ein leiser Typ?
Ich mag es sowohl leise als auch laut. Mir macht alles Freude – und gerade dieses Wechselspiel macht es erst spannend. Dieses Projekt ist auf besten Wege, ein Gesamtkunstwerk zu werden. Es soll wie ein Varieté werden und auch mal einen Zaubertrick beinhalten. Ich will eine eigene Welt erschaffen.

Klingt sehr romantisch.
Ich bin definitiv ein Romantiker. Es gibt viel Leid und Vergänglichkeit im Leben, doch ich erfreue mich an den schönen Momenten des Lebens. Meine Fantasie und meine Gefühle sind Teil der normalen Alltagswelt.

Bist du kreativer, wenn du unglücklich bist?
Sagen wir es so: Mein Songs entstehen dann, wenn ich allein bin. Und gerade, wenn ich traurig oder nachdenklich bin, ziehe ich mich zurück. Dann lasse ich diese Emotionen zu und lebe ich mein Leid in meiner Musik aus.

Du hast mal in der Hasenbergstraße gewohnt. Sind dort viele Songs entstanden?
Ja, auch. In stillen Momenten, in denen ich eine gewisse Intimität habe. Ich muss allein sein, bin nicht geeignet für Gruppenarbeit. Und das kann in einer WG schwierig werden.

Ist dir eigentlich bewusst, welche Wirkung du oder Stuttgarter Kollegen wie Florian Ostertag auf den Musikruf der Stadt haben?
Ich nehme das gar nicht wahr und werde in Stuttgart auch seltener angesprochen als in anderen Städten. Deshalb habe ich nicht das Gefühl, dass ich ein Erbe der Stuttgarter Musikkultur bin wie es beispielsweise Max Herre ist. Max hält die Stuttgarter Fahne deutlich höher, doch ich bin ein stiller Stuttgarter.

In Kneipen sieht man dich also selten?
Die eine oder andere durchzechte Nacht kommt durchaus vor, aber ich gehe auch sehr gerne essen. Die Auszeit und das Riva finde ich großartig, und wenn es mal etwas Besonderes gibt, geht’s zum Floating Market. Es darf aber auch ein Spaziergang an den Bärenseen sein.

Das passt ja fast schon zu klischeehaft gut zu deiner Musik.
Irgendwo muss es ja herkommen. Ich bin wirklich eher der zurückgezogene Typ mit seiner Gitarre.

Das Gespräch führte Björn Springorum