Muss man auch erst mal verstehen. Während sich selbst in den letzten Ecken jeder beschwert, dass es kein oder nicht genügend Geld gibt, werfen Baden-Württemberg, der Bund und Die Bahn mit Geld um sich, wie Aufschneider im Puff. Leider nicht für Bildung, Kultur oder so etwas. Die Verträge für Stuttgart 21 wurden Anfang April unterzeichnet. Frühjahr 2010 soll’s mit der Arbeit losgehen. Das macht man so, wenn man sturmfrei hat. Mehdorn, der Chef, ist weg, und weil selten was Schlechteres nachkommt und man schließlich nicht den ganzen Tag die Kontodaten der Mitarbeiter überprüfen kann, macht man eben Nägel mit Köpfen und einen Knopf an die Sache „Stuttgart 21“. Die Kosten für den Spaß: immerhin 6,5 Milliarden Euro inklusive der ICE Neubaustrecke nach Ulm.

Dass die Gegner des Projekts von einer erheblichen Kostenexplosion warnen, ist da erstmal wurst – sind schließlich nur ewiggestrige Gegner, Fortschrittsverweigerer, die 35 000 neue Wohnungen und 6 000 Arbeitsplätze madig machen wollen. Dass der Bundesrechnungshof ebenso vor Mehrkosten von 2,2 Milliarden Euro alleine für Stuttgart 21 warnt, läuft ebenso als kleine Randnotiz. Apropos Randnotiz: Wer wahllos Dokus auf dem famosen Fernsehkanal Phoenix schaut, stolpert ebenfalls ab und an über den Begriff S21, wie Stuttgart 21 auch gerne abgekürzt bezeichnet wird. In Kambodscha in den 70er Jahren, beziehungsweise unter der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, gab’s den Folterknast S21. Nur sieben Menschen sollen ihn überlebt haben. Dann doch lieber „Das neue Herz Europas“. Michael Setzer