Kkürzlich erst wurde Wolfgang Drexler (SPD) zum „Botschafter Stuttgart 21“ ernannt. Nicht, weil das irgendetwas mit seinem Alter zu tun hätte, sondern weil sich sonst kaum einer um den Posten des Projektbotschafters für das Bahn- und Städtebauprojekt Stuttgart 21 prügeln wollte. Ab September versucht der 63-jährige nun das zu leisten, was schon die vergangenen 17 Jahre nicht klappen wollte: Die Stuttgarter Bürger von der Notwendigkeit und dem urbanen Glamour von Stuttgart 21 zu überzeugen. Doch nach der Kommunalwahl im Juni, bei der die Gegner von Stuttgart 21 den Grünen ein Rekordergebnis einbrachten, sieht sich Drexler just zum Arbeitsantritt schon wieder mit niederschmetternden Zahlen konfrontiert.

Dieses Mal kommen sie nicht aus der Wahlurne, sondern vom Statistischen Landesamt. Deren Bürgerumfrage lieferte unter anderem fol gende Erkenntnis aus tausenden, nach dem Zufallsprinzip befragten Stuttgartern: 49 Prozent haben eine schlechte Meinung von Stuttgart 21, 30 Prozent eine Gute, 18 sind sich unschlüssig und drei haben gar keine Meinung. Landtagsvizepräsident Drexler zieht daraus seine ganz eigene Erkenntnis: Die Vorteile des Projekts müssten besser beleuchtet werden. Als würde man eine Schlägerei damit schmackhaft machen, dass man ohne Zähne schließlich nie wieder Zahnschmerzen hätte. Das Projekt zu überdenken oder gar abzublasen steht vor lauter Arroganz der Befürworter aus Stadt, Land und Bahn als Option nicht zur Debatte. Die erkären sich den Mismut der Bürger nun seit Jahren damit, dass die lediglich nicht ausreichend informiert wären. ms