Zehn Jahre CSD in Stuttgart: Was im Jahr 2000 begann, hat sich mittlerweile zur zweitgrößten Parade der Stadt (nur der Faschingsumzug ist größer) und zum drittgrößten Christopher Street Day-Event in Deutschland entwickelt. Maßgeblichen Anteil daran hat Chris Michl, seit 2004 im Vorstand der „Interessengemeinschaft CSD Stuttgart“, die das ganze Event auf die Beine stellt. Denn von Anfang an hat Chris den politischen Aspekt der Schwulen- Parade in den Mittelpunkt gestellt – und mit den verschiedenen Claims für Furore gesorgt. 2005 musste Sozialminister Andreas Renner als CSD-Schirmherr feststellen, dass seine Partei, die CDU, in Sachen Homosexualität keinen Spaß versteht: Das Motto „Familie heute“ und sein Engagement trafen auf harsche Kritik, am Ende trat Renner zurück.

Seine Nachfolgerin Monika Stolz verweigerte dem CSD 2008 das Grußwort gleich ganz: Das Motto „Ich glaube…“ und schwule Lebensplanung passen in konservativen Kreisen eben so gar nicht zusammen. Da ist Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster doch schon weniger weltfremd: Er schickt regelmäßig ein Grußwort, spricht von Toleranz und Offenheit und hisst während der CSD-Parade sogar die Regenbogenfahnen vorm Rathaus. Auch Sozialministerin Monika Stolz wirkt ob des diesjährigen Mottos „… macht Mut“ richtig couragiert und stellt klar: „Gerade Menschen, die gegen Verfolgung und Ausgrenzung antreten, brauchen Mut.“ Wohl wahr. Nur die Kanzlerin verweigert dem Stuttgarter CSD beharrlich ihren Segen. „Zu beschäftigt“, tönt es regelmäßig aus dem Kanzleramt. Mach Dir nichts draus, lieber Chris. Warme Worte von Angie haben wir echt noch nie vermisst.
Oliver Seibold