Orientalischer Prunk, maurische Mythen, ein türkisches Badehaus mitten in Stuttgart? Glaubst Du nicht? Du willst selbst sehen und erleben, wo der Pfeffer wächst? Dann nichts wie hin, in die Wilhelma.
Schon im Rund des alten Säulenganges sind sie überall zu finden: exotische Ornamente, Halbmonde und fremdländische Zeichen. Und direkt daneben schreit ein schillernder Pfau, Seerosenblätter bedecken malerische Teiche, vielgestaltige Blüten recken sich zur Sonne, auf sonnigen Terrassen wachsen Palmen, Feigen, Zypressen, in kunstvollen historischen Gewächshäusern aus Gusseisen und Glas auch Kaffee, Kakao, Datteln, Bananen – und eben auch Pfeffer. Ein El Dorado für Orientalisten und Botaniker – und für Romantiker und Verliebte. Denn im historischen Park mit seinen Hainen, Wasserspielen und Wandelgängen lässt es sich trefflich spazieren, staunen und schauen. Und dafür wurden sie ja schließlich angelegt.

Willkommen im Lustgarten des Königs
1829 wurden hier in der Nähe des Schlosses Rosenstein Mineralquellen entdeckt. Darin sah der damalige König von Württemberg, Wilhelm I., seine Chance auf ein ganz privates Badhaus. Maurisch sollte es aussehen, was damals ungefähr so angesagt war wie heute „toskanisch“. Das Vorbild war die Alhambra im spanischen Granada mit ihren raffinierten Grundrissen, eleganten Gebäuden und prächtigen Mosaiken. Nicht zu vergessen ein Lustgarten. Denn obwohl Wilhelm I. dreimal verheiratet war, ließ er keine Gelegenheit aus, sich mit jungen hübschen Damen zu vergnügen.
Mit der Planung wurde der Architekt Karl Ludwig von Zanth beauftragt. Er verstand es, den König für seine Ideen zu begeistern und so wuchs die Anlage und wurde immer prächtiger: mit Kuppelsälen, Pavillons, Wandelgängen, Brunnen, Alleen und Gewächshäusern. 1846 wurde die Wilhelma eingeweiht – natürlich nur für geladene Gäste und abgeschirmt hinter einer hohen Mauer. Erst 1919, nach dem Ende der Monarchie, waren alle in der Wilhelma willkommen.

Ein Platz für wilde Tiere
Ab 1950 lockten wechselnde Ausstellungen wieder Besucher in den vom Krieg zerstörten Park: zum Beispiel „Tiere des deutschen Märchens“, „Schlangen, Saurier, Krokodile“, „Afrikanische Steppentiere“ oder „Indische Dschungeltiere“. Stets blieben die Tiere danach in der Wilhelma (Ausnahme: die Saurier!) und wurden zum Grundstock für die heutige Artenvielfalt.

Wer heute im Halbdunkel des Aquariums vor einer Glasscheibe steht, hinter der im Azurblau Quallen schweben, kommt ins Träumen. Wer auf einer Bank im Haus der Menschenaffen mit einem Gorilla oder Orang-Utan kommuniziert, vergisst, wo er sitzt. Einen Steinwurf weiter wartet ein tropischer Regenwald mit dampfender Schwüle, rauschenden Wasserfällen, üppigen Pflanzen und urtümlichen Tieren.
Die Wilhelma ist überraschend, erfrischend, faszinierend und verschiedenartig.
Eben ein Park zum Verlieben.