Wie ist es bei euch in der Eifel. War da nicht schon im Sommer Winter?
Zumindest war im Frühjahr schon Herbst. Wir haben hier immer ungefähr drei Monate Vorsprung. In der Mitte gleicht sich das durch sechs Monate weniger Sommer aus. Es gab in den letzten Jahren einen Sonnentag hier: Das war der, an dem ich den Bauernhof gekauft habe. (lacht)

Viele Leute hielten das damals für einen Spleen. Nachhaltiges Leben, Bio-Anbau, Eigenversorgung. Fühlst du dich manchmal wie ein Vorreiter?
Der Vorbote der Apocalypse? (lacht) Nein, ich muss niemandem etwas beweisen. Das kann jeder halten wie er will, ich habe mich damals eben für diesen Weg entschieden. In Großstädten fühle ich mich mittlerweile wie ein Landei, obwohl es mir da auch sehr gut gefällt. Da gibt’s alles, an jeder Ecke. Yoga-, Kampfsportschulen, Erleuchtung, einfach alles – ich frage mich oft nur, weshalb es kaum einer in Anspruch nimmt.

Den weihnachtlichen Familienbesuch verknüpft ihr dieses Jahr mit einem Konzert in der Schleyerhalle.
Geschickt, oder? Alle Stuttgarter, Ex-Stuttgarter und Exil-Stuttgarter können da kurz vor dem Weihnachtsstress nochmal zusammen kommen und sagen: „Meine Güte, wie lange haben wir uns nicht gesehen.“ Ich mag das.

Die Schleyerhalle ist etwas besonderes für Stuttgarter, oder?
Als ich dort vor Jahren Peter Gabriel sah, wurde mir klar: Ich stehe auf der falschen Seite, ich gehöre da auf die Bühne. Jahre später dort mit der eigenen Band spielen zu dürfen war ein wesentlicher Punkt in meinem Leben.

Hast du dir jemals gewünscht, Gaby Mustermann zu sein?
Geschlechtsumwandlung? Nein. Höchstens weil mich die anderen wegen der einsamen Tournächte dazu nötigen.

Okay, Bernd Mustermann. Jemand der nicht berühmt ist?
Nein, ich bin tatsächlich gerne populär. Nach dem „Die Da“-Koller, den wir alle hatten, habe ich gemerkt, dass ich durchaus etwas mitteilen kann. Es gibt so viele inhaltsleere Stars, die außer einer guten Hochzeit und einer besseren Scheidung nichts anzubieten haben. Wir haben Inhalt und Substanz. Unser Schaffen kann ein Hochglanzbild alleine nicht transportieren – und dafür gemocht zu werden, ist ein schönes Gefühl. Und dabei bin ich mir bewusst, dass ich trotzdem nur ein kleiner Pupser bin: Ich mag den Job.

Du feierst am 30.12. deinen 43. Geburtstag. Schon Pläne?
Achjeh, ich weiß ja noch nicht einmal wie ich Weihnachten feiern werde. (lacht) Aber manchmal ist ja rein zufällig einen Tag später Silvester. Dann kommen die ersten Gäste schon einen Tag früher und plötzlich sind da lauter Leute auf unserem Hof, die ich kaum kenne, aber sehr lieb habe.

Feierst du auch am 26.12. auch Geburtstag? Am Tag des Tsunamis warst du an der thailändischen Küste.
Ja, meine Tochter, meine Frau und ich haben damals durch ein Wunder, ein direktes Eingreifen von Gott überlebt. Es ist unser Familienfeiertag – aber nicht „Hoch die Tassen“. Das ist eher Dankbarkeit, noch am Leben zu sein.

Was wirst du als erstes tun, wenn du in Stuttgart aus dem Tourbus steigst?
Kapuze auf, rein ins Catering und dann meine Mailbox checken, auf die wahrscheinlich 700 Leute draufgesprochen haben, wegen Gästeliste. Warte! Vielleicht höre ich meine Mailbox einfach gar nicht erst ab.

Das Gespräch führte Michael Setzer