War die Verjüngung des etwas an – gestaubten Tatort-Konzepts eines Ihrer erklärten Ziele?
Wenn es nach mir ginge, würden wir sogar noch zeitgemäßer sein. Ich kämpfe für mehr Realität. Meiner Meinung nach sollte man sich manchmal weniger Sorgen machen und mehr brisante Stoffe ausprobieren.

Wie nah ist Ihnen Ihre Figur Sebastian Bootz?
Angedacht war die Rolle als Anzugträger mit Brille, eher konservativ, spießig und pedantisch. Das wäre für einen Film bestimmt lustig, aber auf Dauer für mich keine Option gewesen.

Also hat Felix Klare bewusst Einfluss auf Bootz genommen?
Ja, auch wenn es deswegen bis heute Konversation mit der Redaktion gibt. Anfangs war es mit der Rolle nicht immer einfach, aber ich habe versucht, die Figur Bootz nah an mich anzu – siedeln, da ich sie ja noch öfter spielen will.

Bootz wohnt im Stuttgarter Westen. Wäre das auch eine Ecke für Sie?
Warum nicht? Ich könnte es mir durchaus vorstellen, hier zu leben.

Wie haben Sie die Stadt kennengelernt?
Ich habe Stuttgart als kreative, wache und erfinderische Stadt kennengelernt, in der sehr viel passiert. Leider drehen wir pro Tatort nur etwa zehn Tage hier und halten uns dann meist an zentralen Orten wie dem Schlossplatz und dem Marienplatz oder in Nobelvillen in Hanglage auf.

Das klingt aber nicht so begeistert.
Diese Flecken interessieren mich nicht besonders. Orte wie der Palast der Republik sind da schon viel eher mein Ding.

Ein Fall führte Sie auch in die Wagenhallen. Wie gefiel es Ihnen dort?
Dieses Areal hat mich fasziniert. Eine sehr alternative Ecke, in der eine Menge Kreativität zuhause ist.

Bootz dürfte davon weniger begeistert sein. Fällt es Ihnen schwer, nach Drehschluss Ihre Rolle abzulegen?
Mittlerweile nicht mehr. Anfangs habe ich Bootz überall dabei gehabt, um mich an ihn zu gewöhnen, mittlerweile kann ich ihn an- und abschalten.

Ein festes Ritual nach Drehschluss gibt es also nicht?
Wenn ich drehe, dusche ich zumindest öfter – auch wegen der Schminke. Das ist eine Art von Reinigung, bei der ich wieder zu Felix Klare werde.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit als Theaterschauspieler von Ihren Tatort-Einsätzen?
Vor der Kamera versuche ich stets, mir Hürden zu stellen, um es mir nicht zu einfach zu machen. Die wirkliche Filmkunst passiert nämlich hinter der Kamera. Das ist beim Theater ganz anders. Dieses Medium verzeiht nichts und ist deutlich unmittelbarer.

Fernsehen, Kinofilme, Theater… was machen Sie, wenn Sie mal nicht schauspielern?
Ich fahre seit vielen Jahren mit Freunden nach Kroatien. Es ist nicht so weit und voller unberührter Fleckchen. Ansonsten habe ich zwei Kinder und eine Frau – ihnen widme ich 90 Prozent meiner Freizeit.

Ihre Frau Zora Thiessen ist ebenfalls Schauspielerin. Macht es das einfacher?
Natürlich. Sie weiß, was ich erlebe und was es in der jeweiligen Situation braucht. Würden Sie gerne mal an ihrer Seite spielen? Auf jeden Fall. Das wird bestimmt noch passieren.

Das Gespräch führte Björn Springorum