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Die Alex Becker-Kolumne: Der „Rammstein-Till-Lindemann-Döner-Vorfall“

Einmal im Monat berichtet „All Access Alexx“ exklusiv bei PRINZ von seinen spannenden Erlebnissen mit den größten Rock-Stars der Welt. AAA heißt eigentlich Alex Becker und ist seit 20 Jahren im Musikgeschäft tätig. Hier entführt er euch hinter die Kulissen dieser verrückten Branche und erzählt die ein oder andere Anekdote aus seinem Leben.

Im Jahr 2000 war ich mit ein paar Freunden in Berlin. Zu dieser Zeit arbeitete ich noch bei einer Kölner TV-Produktionsfirma, die sich auf tägliches Dokutainment spezialisiert hatte. Erst im folgenden Jahr sollte ich mein Hobby zum Beruf machen und Fuß in der Musikindustrie fassen.

In Berlin angekommen, verschlug es uns in den Prenzlauer Berg in die Nähe des berühmten „Knaack Klubs“. Der Knaack, gegründet 1952, war eine absolute Institution der Clubszene und fiel im Dezember 2010 der Gentrifizierung zum Opfer. Funfact am Rande: Ende 2021 sollte er in einem Neubau wieder eröffnet werden, doch die pandemische Lage verhinderte dies bisher.

Von der Anreise aus Köln leicht hungrig, entschieden wir uns, erstmal einen Zwischenstopp zum Essen einzulegen. Und wie der Zufall es wollte, gab es direkt neben dem historischen Club an der Greifswalder Straße einen Dönerladen. Wir bestellten, setzten uns und genossen einen der besten Kebabs, die wir je hatten.

Als wir gerade wieder aufbrechen wollten, um den Prenzlauer Berg weiter zu erkunden, öffnete sich auf einmal die Tür des Ladens und ein Hüne von einem Mann trat ein. Wir konnten unseren Augen kaum trauen, denn der Hüne war kein Geringerer als Till Lindemann – Sänger, Pyromane und Frontmann der Band Rammstein.

Meine Freunde und ich waren wirklich große Rammstein-Fans und hatten die Band oft live gesehen. Ich hatte Till und seine Rammstein-Kollegen auch schon früher gelegentlich nach Konzerten getroffen, aber ich war mir nicht sicher, ob er sich noch daran erinnerte. Till bestellte 6 Döner, kam zu unserem Tisch rüber und grüßte freundlich. Er erinnerte sich also …

Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, aber natürlich auch über das neue Rammstein-Album, an dem die Band gerade arbeitete und das ein Jahr nach diesem zufälligen Treffen im Dönerladen unter dem Titel „Mutter“ erscheinen sollte. 

Dann passierte das Unerwartete: Till fragte uns, ob wir nicht Lust hätten einen neuen Rammstein-Song zu hören und unsere Meinung mit ihm zu teilen. Ich hatte erwartet, eine Kassette oder eine CD vorgesetzt zu bekommen, aber Till wollte, dass wir ihm folgen.

Wir verließen den Kebab mit Till und seinen 6 Dönern im Schlepptau, überquerten die Greifswalder Straße und betraten eine schwarze Metalltür in einem Hinterhof. Wir gingen einige Stufen hinunter und waren völlig von der Rolle. Auf einmal standen wir in Rammsteins Proberaum. Richard saß in einer Ecke und wechselte die Saiten seiner ESP-Gitarre. Schneider, der Schlagzeuger, stimmte seine Snare. Oliver, Flake und Paul unterhielten sich über Musik.

Wir begrüßten die restlichen Bandmitglieder freudig. Till stellte die Döner in einer Ecke ab, schritt zum Mikrofon und bat seine Bandkollegen, doch für uns einen neuen Song zu spielen.

Gesagt, getan. Drummer Schneider zählte den Takt ein und los ging der musikalische Orgasmus.  Ich musste mich selbst kneifen … Was für eine unglaubliche Erfahrung! Rammstein spielten einen neuen Song, das erste Mal in der Öffentlichkeit, nur für meine Freunde und mich. Absolut surreal!

Ein unvergessliches Erlebnis. Wir waren wirklich baff. Und glücklich. Verdammt glücklich.  Im Nachhinein erzählte uns Till, dass der Song, den wir gerade gehört hatten, den Arbeitstitel „Klitschko“ hat. Später wurde er in „Sonne“ umbenannt und wurde die erste Singleauskopplung des Erfolgsalbums „Mutter“. 

Die Moral von der Geschichte: Augen auf beim Dönerkauf… Man weiß nie, was oder wer einen erwartet! 🙂

Wer hätte gedacht, dass ich mehr als 17 Jahre später mit Till Lindemann zusammenarbeiten und mit ihm sein Label „Doctor Dick“ gründen würde?

Lust auf weitere Geschichten? Nächsten Monat erzählt AAA von seiner Freundschaft mit Johnny Depp und einem gemeinsamen Tattoo – nur bei prinz.de

Und wenn ihr mehr über Alex Becker erfahren möchtet, schaut doch einfach auf seinem Instagram-Kanal vorbei:
Instagram.com/Alexxbecker

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