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Nach jahrelangem Hin und Her: endlich Klarheit über die Rechtslage des Online-Glücksspiels

Die Eröffnung des ersten Online-Casinos liegt schon über zwei Jahrzehnte zurück, aber trotzdem ist das Glücksspiel im Internet immer noch ein Bereich, in dem wenig Klarheit herrscht. Ist es nun legal, online an den Spielautomaten oder Tischspielen teilzunehmen, oder macht man sich dabei etwa strafbar? Falls es das zweite ist, wie kann es dann sein, dass die Anbieter der digitalen Casinos ihre Produkte munter an deutsche Spieler anbieten können?

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Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag beginnt das große Reinemachen bei Online Casinos.

In der Tat befand sich das Online-Glücksspiel bisher in einer rechtlichen Grauzone. Es ist zwar nicht komplett legal, aber es ist auch nicht wirklich erlaubt. Wie das sein kann, und warum sich diese Situation nun endlich ändern sollte, erklären wir in diesem Artikel.

Die bisherige Situation des Online-Glücksspiels

Die rechtliche Situation des Glücksspiels in Deutschland als kompliziert zu beschreiben, ist wohl eher eine Untertreibung. Obwohl Tausende von Deutschen regelmäßig in Online Casinos Einsätze mit echtem Geld machen oder auf verschiedene Sportarten Wetten abschließen, ist sich keiner von ihnen so recht sicher, ob er dabei wirklich legal handelt oder vielleicht doch gegen das Gesetz verstößt.

Und das kann ihnen auch niemand verdenken, denn die Realität liegt derzeit noch irgendwo in der Mitte. Einfach gesagt ist das Glücksspiel im Internet nach deutschem Recht nämlich tatsächlich verboten. Die einzige Ausnahme hiervon war bisher das Angebot der staatlichen Lotterien, das sowohl Lotto als auch Sportwetten mit Oddset umfasst. Alle privaten Anbieter von Glücksspiel im Netz handelten daher bis jetzt also in Widerspruch mit dem deutschen Recht.

Der Grund, warum sie dennoch ihre Dienste an deutsche Spieler anbieten, liegt daran, dass die Rechtslage in Deutschland dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) überhaupt nicht gefällt. Diese erzeuge nämlich ein Monopol für den deutschen Staat, und das ist laut europäischem Recht verfassungswidrig.

Gleichzeitig besitzen die Anbieter der Glücksspieldienste zum Großteil gültige Lizenzen von Glücksspielkommissionen aus Malta, Gibraltar oder der Isle of Man. Aus diesem Grund beriefen sich die Unternehmen immer wieder darauf, dass Sie ihre Dienste in allen Ländern Europäischen Union anbieten dürfen. Bereits 2010 erklärte der EuGH den deutschen Glücksspiel-Staatsvertrag daher als unanwendbar. Auch die Reform im Jahr 2016 wurde von der EU schnell gekippt.

Dies erklärt vereinfacht, warum sich das Glücksspiel im Internet bisher rechtlich gesehen in einer Grauzone befand. Es ist momentan zwar noch nicht legal, im Internet um Geld zu spielen, doch strafrechtlich verfolgt, werden die Spieler dabei auch nicht. Die Online-Casinos und Anbieter von Sportwetten müssen ebenfalls nicht mit Strafen rechnen, solange sie über eine gültige Lizenz innerhalb der EU verfügen und ihre Dienste über das Internet von dort aus anbieten. 

Dass diese Lage alles andere als ideal ist, versteht sich von selbst. Zum einen erzeugt es eine immense Unsicherheit bei den Spielern, die niemals Klarheit darüber haben, ob sie gegen das Gesetz verstoßen. Zum anderen hindert es die Glücksspiel-Anbieter und auch den deutschen Staat daran, das digitale Spiel anständig zu regulieren und einen umfassenden Schutz für die Spieler zu garantieren.  

Online Casinos sollen legalisiert werden – Risiko oder Chance?

Was bringt der neue Glücksspiel-Staatsvertrag?

Um die Situation in Deutschland nun endlich zu verbessern, wollen die Länder nun eine große Reform des Glücksspiel-Staatsvertrages erlassen, die für mehr Klarheit sorgen soll. Das neue Gesetz soll zum 1. Juli 2021 in Kraft treten und alle Arten von Online-Glücksspiel legal machen. Dazu zählen nicht nur Casinospiele wie Spielautomaten, Roulette oder Blackjack, sondern auch Online-Poker und Sportwetten.

Für die Sportwetten wurde bereits 2019 ein Gesetz erlassen, nach dem diese nun auch von privaten Unternehmen im Internet angeboten werden dürfen. Dieses war bisher jedoch zeitlich befristet. Mit der Gesetzesreform 2021 soll es nun dauerhaft werden.  

Durch das neue Gesetz entfällt damit nun auch endlich das staatliche Monopol auf Lotto und Sportwetten im Internet. Die Betreiber der privaten Glücksspieldienste werden nach der Nachricht sicherlich aufatmen, denn bisher war es alles andere als klar, dass die deutsche Regierung tatsächlich eine Aufhebung des Glücksspielverbotes durchsetzen würde. Die Alternative wäre nämlich ein Komplettverbot allen Glücksspiels gewesen.

Neue Regel soll Schutz der Spieler erhöhen

Auch wenn viele Menschen sehr kritisch auf die neue Gesetzesreform reagieren werden, bringt sie viele Vorteile mit sich. So wird das neue Gesetz strenge Regelungen beinhalten, die den Schutz der Spieler vor Spielsucht und anderen Problemen erhöhen sollten. Die Sucht nach Glücksspiel ist nämlich bis heute ein ernstes Problem, das durch die steigenden Zahlen von Spielern immer größere Ausmaße annimmt. So mancher Spieler nahm bereits einen Kredit auf, um sein Hobby finanzieren zu können, wie das Portal Kreditexperten berichtet.

Damit Problemspieler in Zukunft nicht mehr zu viel Geld verlieren können, soll mit dem neuen Gesetz eine Regelung eingeführt werden, nach der jeder Spieler nur maximal 1.000 Euro pro Monat in einem Online-Casino oder einer Seite für Sportwetten einzahlen darf. Um diese durchzusetzen, muss jeder Anbieter für jeden einzelnen Nutzer ein eigenes Spielerkonto erstellen.

Gleichzeitig soll eine zentrale Sperrdatei eingeführt werden, in der sich Problemspieler freiwillig von allen Glücksspielangeboten ausschließen lassen können. Da sie dort namentlich erfasst werden, können sie die Sperre auch nicht durch Maßnahmen wie die Nutzung eines VPN Angebots umgehen. Die Maßnahmen wurden von Experten zur Spielsucht weitgehend begrüßt, da sie ein großer Schritt in Richtung einer Spielumgebung seien, die für die Problemspieler sicherer ist.

Zusammen mit dem neuen Glücksspiel-Staatsvertrag soll zudem eine zentrale Glücksspielbehörde eingerichtet werden, die einen großen Fokus auf den Jugend- und Spielerschutz haben soll. Anstatt komplett im Dunkeln zu tappen, was die Zahlen und Gewohnheiten der Spieler auf den unregulierten Seiten angeht, können die Hilfsstellen und auch der Staat durch die Reform nun also ein wesentlich klareres Bild über die Situation der Spielsucht in Deutschland erhalten.

Fazit

Die Entscheidung, alle Formen von Glücksspiel im Internet legal zu machen, klingt auf Anhieb logischerweise sehr kontrovers. Wer sich noch nicht besonders stark mit der Situation des Glücksspiels in Deutschland befasst hat, dürfte bei dieser Nachricht berechtigtermaßen auf den Gedanken kommen, dass dieses neue Gesetz zu einem Anstieg der Spielerzahlen und damit auch der Spielsüchtigen führen wird.

In der Realität wird die Sache jedoch eher anders aussehen. Das „illegale“ Glücksspiel in Deutschland boomt bereits seit Jahren, und Millionen von Deutschen besuchen regelmäßig die digitalen Casinos und Wettbüros, um dort nach Herzenslust um echtes Geld zu spielen. 

Durch die Tatsache, dass sie dies in Zukunft auf vollständig regulierten Seiten tun werden, dürfte sich der Schutz für Problemspieler enorm erhöhen. So haben sowohl der deutsche Staat als auch die verschiedenen Hilfseinrichtungen zum Spielerschutz eine viel höhere Chance, einer großen Anzahl der Problemspieler Hilfe anzubieten oder diese komplett vom Spiel auszuschließen.    


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