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Musik

Festival-Typen im Check

von PRINZ-Redaktion


Festival Open Air, Festivalguide, Festival Typen
Der Hippie, der Profi, der Hipster und der Messie: PRINZ hat die unterschiedlichen Arten von Festivalbesuchern einmal genauer unter die Lupe genommen.

Der Hippie

... macht Liebe, nicht Pogo. So viele Menschen, so viel Liebe - da bleibt kaum Zeit, sich Bands anzuschauen. Warum auch vor der Hauptbühne drängeln, wenn man beim Ausdruckstanz auf dem Campingplatz gemeinsam über die Wiese segeln kann? Für den Festival-Hippie ist ohnehin das Miteinander der eigentliche Star. Protestlieder auf der weit gereisten Wandergitarre spielen, den nächsten Ausflug zur Castor-Blockade planen und sich mit Fingerfarben gegenseitig Blümchen auf die Brüste pinseln - das verbindet. Und während der Rest der Festival-Welt bis in die Mittagsstunden seinen Rausch ausschläft, sammelt das Blumenkind schon fröhlich hopsend den Müll der Unverbesserlichen ein. Dass das selige Dauerlächeln unter dem Rasta-Strickmützchen dabei vom Kiffen kommt, ist natürlich reine Unterstellung.

> Findet man diesen Sommer hier: Fusion, Roskilde, MS Dockville, Afrika-Karibik-Festival 

Der Profi

... macht alles richtig. Spielplan: einlaminiert. Festival-App: installiert. Grillrost: blank poliert. Was soll da noch schiefgehen? Der Festival-Profi ist einfach auf alles vorbereitet. Bereits vormittags werden die Wege von Bühne zu Bühne mit der Stoppuhr abgegangen, um abends pünktlich vor den Pflichtbands dieses Jahres zu erscheinen. Alkohol genießt der Profi nur in Maßen, Kontrollverlust kann er sich frühestens erlauben, wenn der letzte Ton im Nachthimmel verklingt. Zur Sicherheit hat er trotzdem atmungsaktive Pflaster dabei. Sagrotanspray zur Dixi-Desinfektion sowieso. Noch Sonntagnacht faltet er sorgfältig das Zelt zusammen, zählt die Heringe nach, tuckert glücklich gen Heimat und freut sich schon darauf, den Kollegen am Arbeitsplatz Bericht zu erstatten. Fantastisch, wie reibungslos dieses Festivalprojekt doch wieder verlaufen ist. 

> Findet man diesen Sommer hier: Hurricane/Southside, Reeperbahn Festival, Haldern Pop 

Der Hipster

... macht eine gute Figur. Warum die kleinste Bühne mit den am wenigsten bekannten Künstlern der perfekte Ort für den Festival-Hipster ist? Zum einen, weil ein Festival ein Laufsteg der Eitelkeiten ist und die anderen so besser das Outfit bestaunen können, das man in monatelanger Modeblog-Recherche auf den Trend der Saison hin optimiert hat. Zum anderen, weil Insiderwissen die harte Währung des Hipstertums ist. Da kümmert es nicht, dass die Band bis auf diesen einen heißen Song, der bei Spotify bereits 300 Klicks hat, wenig zustande bringt. Hauptsache progressiv, und in Teilen von Nordwest-England sind die ja trotzdem 'ne richtig große Nummer. Obendrein steigen so die Chancen, von der Band hinter die Bühne geholt zu werden, um von dort im Minutentakt Backstage-Fotos auf Facebook und Instagram zu posten. Denn so richtig Laune macht ein Festival doch erst, wenn alle Freunde und Follower daran teilhaben. Hat sich der Hipster dann doch mal in Richtung Hauptbühne verlaufen, ist das da gebotene natürlich total öde.
 

> Findet man diesen Sommer hier: Melt!, MS Dockville, c/o Pop, By The Lake, Kosmonaut Festival 

Der Messie

... macht sich keinen Kopf. Beim ersten verkaterten Augenaufschlag hat sich schon so mancher Festival-Messie gefragt: Warum ist das so sauber hier? Die Antwort: falsches Zelt. Aber egal, erst mal liegen bleiben, solange keiner meckert. Den Heimweg ins umzäunte Krisengebiet, direkt an der belebten Kreuzung, kann man noch früh genug antreten. Einfach dem Lärm folgen. Vielleicht haben die anderen bis dahin auch schon wieder Bier kalt gestellt. Zusammengesackt im Klappstuhl, werden die Bratwurstreste von gestern gesnackt und vorbeilaufenden Mädels Brustvergrößerungen durch Handauflegen angeboten. Bei einem Kumpel von einem Kumpel von einem Kumpel soll die Masche ja tatsächlich mal funktioniert haben. Gegen Abend, vorausgesetzt, die Müllpyramide und der Pegel sind hoch genug, schaut sich der Messie dann auch ein paar Bands an, die er schon vor zehn Jahren geil fand. Schade nur, dass er sich morgen wieder an nichts erinnern kann.
 

> Findet man diesen Sommer hier: Wacken, Area 4, Rock am Ring, Summer Breeze



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