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Hingehört – Plattenkritik: Digitalism und Band Of Skulls

Es gibt wieder was zu lauschen. Diesmal durften sich unsere Ohren den elektronischen Klängen von Digitalism und dem 4. Album von Band of Skulls hingeben.

Hingehört I

 

Fata Morgana: Digitalism – „Mirage“

Wenn etwas Neues aus dem Hause Digitalism kommt, setzt man irgendwie immer das grandiose Debüt „Idealism“ aus dem Jahr 2007 als Maßstab an. Dabei ist es ziemlich unfair, dass man auf ein zweites „Idealistic“, „Pogo“ oder „The Pulse“ hofft, denn Stillstand sollte bei Künstlern ja auch nicht vorkommen. Schön, dass das Hamburger Electro-Duo auf „Mirage“ einen traumhaften Mittelweg beschreitet, der sich zwischen vergangenen Indie-House-Beats und überraschenden Synthie-Elementen hindurchschlängelt.

Die ersten Sekunden schleifen einen sofort in eine „Arena“ aus knallbunten Sounds. Hier wird bereits angedeutet, was während der folgenden 14 Tracks vermehrt durchblitzt: ein kleiner, aber feiner Faible für die Eighties, welcher den Hörer auf von Palmen gesäumte Alleen zwischen Miami Vice („Shangri-La“) und Drive-Soundtrack („Indigo Skies“) manövriert. Mit „Go Time“ gibt es aber auch einen typischen Radio-Song aus dem Digitalism-Kosmos, „Dynamo“ wiederum ist ein gewaltiger Club-Brecher.
Das Herzstück der Platte ist der zweiteilige Titeltrack, der auf über zwölf Minuten Illusionen und Farbfeuerwerke im Kopf auslöst. Tatsächlich hat jeder Song seinen eigenen, unwiderstehlichen Charakter und „Utopia“ und „Open Waters“ zählen zum Besten, was Jens und Isi bisher fabriziert haben. So schwebt man also über eine Stunde staunend durch diese musikalische Fata Morgana, die in der Tat viel zu schön ist, um wahr zu sein, bis man selig lächelnd am „Repeat-All“-Knopf ankommt und drückt.

Release: 13. Mai 2016

Hingehört II

Roadtrip durch die Wüste: Band Of Skulls – „By Default“

 

Wie kann man Rock‘n‘Roll in der klassischen Drei-Mann-Formation mit Gitarre, Bass und Drums modern interpretieren? Band Of Skulls beantworten diese Frage mit einer ordentlichen Prise Blues und gegenderter Gewaltenteilung am Mikro, denn sowohl Gitarrist Russell als auch Bassistin Emma dürfen sich stimmlich austoben.

Auch auf ihrem vierten Studioalbum bleibt die Totenkopftruppe ihrem Hang zu punktgenauen Rockhymnen treu. Auf „By Default“ gibt es Wüstenrock-Bretter mit geradezu epischen Auflösungen à la Clutch („Embers“), Indie-Sound im Stile der Subways („Back Of Beyond“) und angezerrten Funk, der teils an The Black Keys erinnert („Little Moma“). „In Love By Default“ wiederum lässt keinen Vergleich mit anderen Künstlern zu. Mit einem abrupten Bruch von schwebender Vibrato-Atmosphäre zu Disco-Beat, „Yeah“-Chören und abgedämpftem Gitarrenriff ist der Song das vielleicht interessanteste Stück der Bandhistorie. Das folgende „Singing Erounds“ experimentiert mit dem Zusammenspiel von Gitarre und Gesang, welche die Hauptmelodie schier endlos im Kanon wiederholen und den Hörer beinahe hypnotisiert zurücklassen.
Bleibt allein die Frage, warum „Killer“, was mit einem etwas uninspirierten Refrain zu den schwächeren Stücken des Albums gehört, die erste Single-Auskopplung wurde. Vielleicht, weil es den Albumtitel durch Standardsongstruktur und normalen Rock-Charakter wortwörtlich repräsentiert. Dass dies die Intention war, darf aber bezweifelt werden. Davon abgesehen ist „By Default“ der perfekte Roadtrip- und Festivalsoundtrack 2016.

Release: 27. Mai 2016

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