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PRINZ-Test: Das Militärhistorische Museum

Dresden ist reich an Museen, und neben Gemälden, Skulpturen und Porzellan hat die Stadt auch andere Ausstellungen zu bieten, wie das Museum der Deutschen Bundeswehr – das MHM.



Versteckt am Rande der Äußeren Neustadt, im riesigen Areal der ehemaligen Garnisonsstadt Albertstadt gelegen, befindet sich das Militähistorische Museum der Bundeswehr – wie es offiziell und mit vollem Namen heißt. Nur wenige wissen, dass dieses Museum das oberste und führende Museum für diesen Themenschwerpunkt in Deutschland ist. Auf traditionsreichem Grund und in traditionsreichen Gebäuden gelegen, den Arsenal-Hauptgebäuden der Albertstadt, einer riesigen Kasernenstadt am Ende des 19. Jahrhunderts erbaut.  

Das Gebäude selbst blickt auf eine wechselvolle Geschichte zuück, genau so wie das deutsche Militär an sich, die Stadt Dresden und das gesamte Areal zwischen Szeneviertel Äußerer Neustadt und dem Party-Viertel Industriegelände. Es war bereits Königliches Armeemuseum, Museum der Wehrmacht, der NVA und nun das Militärhistorische Museum der vereinten Bundesrepublik Deutschland. Messen kann sich die Ausstellung auch international, zum Beispiel mit dem Imperial War Museum der Briten in London.

Wechselvolle Geschichte und internationaler Maßstab spiegeln sich im 2011 wiedereröffneten Museum heute auf’s deutlichste in der überarbeiteten Architektur wieder. Kein Geringerer als der internationale Star-Architekt Daniel Libeskind war für die Umgestaltung und den Umbau des Gebäudes verantwortlich, er ist unter anderem auch der Architekt des neuen Freedom Towers in New York (Ground Zero!). Der sogenannte Libeskind-Keil durchdringt den Altbau, mit brachialer Gewalt – ein Symbol für die organisierte Gewalt. Der Neubau durchdringt den Altbau auch im Inneren und lässt somit völlig neue Ein- und Ausblicke zu. Es ist ein räumlich spannendes Erlebnis den Keil zum einen von außen zu betrachten und zu bestaunen, und dieses Kombi-Monument von neu und alt vor sich zu sehen – aber auch im Innenbereich, zwischen den neuen und alten Räumen zu wechseln, historische Säle mit Säulen und Freitreppen und gleichzeitig Sichtbeton-Wände, schräge Raumkubaturen und versteckte Nischen wahrzunehmen.

Die Dauerausstellung widmet sich drei Zeiträumen, vom Mittelalter um 1300 bis 1914, 1914 bis 1945 und 1945 bis heute. Eine Zusammenstellung aus historischen Bildern, Uniformen, Schrift- und Audio/Bewegtbild-Dokumenten sowie Technik, Waffen und profanen Dingen, wie Suppendosen, Kanistern, Besteck oder ähnlichem gibt einen Einblick in die Entwicklung des Militärs und der organisierten Gewalt. Gleichzeitig erfährt man mehr über das menschliche Leid derer, die in den Krieg zog, zurückblieben oder wie die Gesellschaft sich in den einzelnen Phasen dem Krieg und Militär öffnete oder verschloss. Wechselnde Sonderausstellungen machen es interessant auch häufiger vorbeizuschauen. So wurde 2013 eine Ausstellung zu 70 Jahre Stalingrad durchgeführt, aktuell war die Ausstellung „Schuhe von Toten – Dresden und die Shoa“ zu sehen und ab August 2014 gibt es eine große Sonderausstellung zum 100. Gedenken des Ausbruchs des 1. Weltkriegs 1914/2014 auf 12.000qm stattfinden. Im großen Außenbereich und den Depots sind Groß-Geräte des Militärs, wie Panzer und ähnliches einmal aus der Nähe zu betrachten.  

Ein Besuch des Museums lohnt sich besonders an Montagen, hier ist der Eintritt ab 18 Uhr frei und das Museum hat bis 21 Uhr geöffnet. Zu später Stunde einmal ganz in Ruhe durch diese Halle zu gehen ist beeindruckend und erzielt die Wirkung, die diese Ausstellung haben soll. Nicht Glorifizierung oder Kräfte-Schau ist Ziel, sonder vielmehr Aufklärung, Erinnerung und Emotionen. Dies gelingt der Ausstellung sehr gut – auch und besonders, weil in der Dauerausstellung in den oberen Ebenen Dinge gezeigt werden, die man so nicht erwartet. Eine Sammlung von Musik rund um das Thema Militär und Krieg, eine Sammlung Filme und Filmplakate – aber auch Spielzeug oder private Erinnerungsstücke von Militärs. An vielen Stellen stehen Mitarbeiter des MHM zur Verfügung, um Fragen zu stellen und sich Dinge erklären zu lassen. Leider fiel die Begrüßung beim Betreten recht militärisch aus; auf die Frage, ob der Montag wirklich ein kostenfreier Abend ist, erhielten wir nur ein „Jawohl“ und den Lageplan der einzelnen Ausstellung. Aber vielleicht ist dies ja auch Teil des „Entertainments“. Architektonisch und inhaltlich aber auf jedenfall ein Museum, was man unbedingt in Dresden besuchen und kennen sollte – weit abseits von Barock und Co. .

Albertstadt, Olbrichtplatz 2, Tel. 823 28 03, Eintritt: 5€ (An Montagen ab 18 Uhr frei) – weitere Ermäßigungen möglich, mhmbw.de


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