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Beatsteaks-Gitarrist Peter Baumann im Interview

Am 15.11.2014 spielen die Beatsteaks in der ausverkauften Magdeburger Stadthalle. Wir trafen vorab Peter Baumann zum Interview und sprachen mit ihm über die aktuelle Platte und das Gefühl von zu Hause sein.

Nach „Boombox“ war es recht still um die Beatsteaks geworden, nun meldet sich die Berliner Band jedoch mit neuem Sound zurück und tourt durch die Republik. Am 15.11.2014 bringen die „Beatbuletten“ ihre aktuellen Songs und Klassiker in die Stadthalle Magdeburg. Wir sprachen vorab mit Beatsteaks-Gitarrist Peter Baumann.

Peter, warum trägt euer aktuelles Album den Namen der Band?

Das ist eine gute Frage. Es ist nicht so, dass wir uns dachten: ‚Oh, jetzt haben wir uns gefunden’ – meistens entstehen diese selbstbetitelten Alben ja ganz am Anfang oder am Ende – aber uns ist einfach kein schöner Titel eingefallen. Es ging so schnell und hat so viel Spaß gemacht, dass wir das nicht durch einen unpassenden Titel kaputt machen wollten. Glücklicherweise kam dann das Foto des Covers dazu. Das Bild für sich gibt ja schon eine schöne Stimmung wider und in Verbindung mit dem Bandnamen hat das für uns gut gepasst. 

Welche Bedeutung hat dieses Bild für euch? 

Uns gefällt die Stimmung darauf sehr, weil das Bild relativ gut widerspiegelt, wie wir uns gefühlt und in welchem Lebensabschnitt wir uns befunden haben, als wir das Album aufgenommen haben. Jeder ist in seiner eigenen Welt versunken, aber man schaut trotzdem auf die anderen. Es ist vom Stil her sehr unaufgeregt und hat eine beruhigende Wirkung. Die komischen Anzüge sehen etwas skurril aus, sind aber so uncool, dass sie schon wieder cool sind. 

Das Retro-Cover widerspricht dem neuen, innovativen Sound …

Ich finde das passt sehr gut zusammen, denn alles Neue wächst ja auch aus dem Bestehenden. Wir versuchen uns immer weiter zu entwickeln. Ich finde, das schließt sich nicht aus. Man versucht sich auszutesten und schaut, wohin die Reise geht. 

Wenn man sich die Kritiken anschaut, wird das Album zum einen hochgelobt, andere kritisieren, dass ihr zu wenig rockig und zu sehr Mainstream geworden seid. Merkt ihr diese Veränderung in der Fanbase auch bei den Konzerten?

Seit der ersten Platte verändern sich die Fans immer wieder ein Stück weit, aber das ist gar nicht schlimm. Wir sind nicht Pennywise, bei denen man weiß: Das wird jetzt immer so klingen. Das einzige, woran wir uns festhalten können, ist unser Bauchgefühl. Natürlich hoffen wir auch immer, dass es jemandem gefällt, aber wir können das nicht mit Sicherheit vorhersagen. Es gibt immer wieder Leute, die abspringen oder neu dazu kommen, weil sie uns vorher noch gar nicht auf dem Schirm hatten. Ich habe irgendwann aufgehört, mir die ganzen Kritiken durchzulesen, weil ich mir das viel zu sehr zu Herzen nehme. Wir wollen ja auch niemanden enttäuschen, aber wir können nur versuchen, ehrlich zu uns selbst zu sein. Da ist nicht viel Kalkül dahinter. Keiner von uns weiß, wie die nächste Platte klingen wird, aber was wir wissen ist, dass wir eine ganz gute Live-Band sind und die Konzerte sind das allerwichtigste für uns. Wir machen immer wieder neue Musik – Stagnation ist für uns der Tod, aber ob das dann jedem die Weiterentwicklung gefällt, kann man nicht sagen. 

Die Auskopplung „Gentleman oft he Year“  hat nicht den gewohnten Sound, wird aber als einer eurer „besten Songs“ gehandelt. Wie ist der Song entstanden und warum habt ihr euch dafür entschieden, diesen Song zuerst auszukoppeln?

Manchen ist der Song sicher zu experimentell, aber es ist auch wichtig, sich mal auf unbekanntes Terrain zu begeben. Thomas und Thorsten haben dieses ganz einfache Riff gespielt und ich habe versucht, mich mit einzuklinken. Die durchscheppernden Drums und der minimalistische Sound sind sehr ungewohnt für uns. Die Entstehung des Songs war wirklich aufregend und hat extrem viel Spaß gemacht. Ich hatte den Song ehrlich gesagt gar nicht so auf dem Schirm, weil ich nicht so der Dancer bin (lacht), aber ich habe mich von der Begeisterung der anderen mitreißen lassen. 

Glaubt ihr, der Song hat Potenzial zum Klassiker wie „I Don’t Care as long as You Sing“ oder „Let Me in“?

Das weiß ich nicht, das kann man theoretisch gar nicht einschätzen. Die Fans bestimmen ihre Lieblingssongs auf den Konzerten – machen kleine Lieder groß, oder große Lieder klein. Man muss seine eigenen Einschätzungen außen vor lassen, denn das Publikum entscheidet, und das finde ich auch schön. 

„Beatsteaks“ hat wie „Boombox“ Platz 1 der Albumcharts erreicht. Welche musikalischen Wünsche habt ihr da noch?

Seit dem Unfall von Thomas ist das alles viel mehr in den Hintergrund gerückt. Das war extrem heilsam für uns, weil wir jetzt wissen, dass es auf ganz andere Sachen ankommt. Wir haben uns einfach total gefreut, dass wir so schnell wieder Musik machen konnten und ihn im Studio trommeln zu sehen, war ein wirklich tolles Gefühl. Es war auf einmal alles viel einfacher, weil man den anderen noch mehr vertraut und lernt sich auch mal zurückzunehmen, mehr zuzuhören. Mein persönlicher Wunsch ist einfach nur, dass wir noch lange zusammen Musik machen können und uns dabei nichts im Weg steht wie gesundheitliche Probleme oder Ähnliches. 

Ist das eben von dir angesprochene Vertrauen auch der Grund, warum ihr die neue Platte in Rekordtempo aufgenommen habt? Elf Songs in zehn Tagen – das ist wirklich eine Leistung!

Man analysiert das zwar so nicht, aber ich bin mir sicher, dass das auf jeden Fall einer der Gründe war. Wir wollten die Zeit nutzen und dieses Mal nicht zu viel nachdenken. Bei Boombox haben wir uns sehr viel Zeit genommen, waren lange im Proberaum und Studio und haben viel „verschlimmbessert“. Letztlich bleibt das Lied aber das Lied und oft steckt das Tolle schon in der ersten Idee. Man fragt sich bei so aufwendig produzierten Alben oft, wo die Ecken und Kanten sind und die wollten wir dieses Mal beibehalten. 

Nach der Festivalsaison kommt nun die Tour – ihr bezeichnet euch immer selbst als Live Band. Gibt es Gigs auf die ihr euch besonders freut?

Man freut sich auf jedes Konzert, aber klar gibt es besondere Highlights. In Berlin zum Beispiel haben wir inzwischen fast überall gespielt – da wird es langsam schwer, immer noch einen drauf zu legen. Aber es ist natürlich besonders in der eigenen Heimat ein Konzert zu geben. 

Die Tour wurde nach dem Song „Creep Magnet“ benannt – warum?

Wir haben ja schon für das Album keinen Namen gefunden, bei der Tour war es ähnlich (lacht). „Creep Magnet“ fanden wir einfach lustig, es klingt als ob die sonst Verstoßenen aus ihren Löchern kommen, um unser Konzert zu besuchen. Der Creep Magnet ist ja eine Anziehungspunkt für Skurriles. 

Auch Magdeburg ist eine der Stationen. Habt ihr Erinnerungen an die letzten Gigs?

Magdeburg verbinde ich auf jeden Fall mit den Radio Dead Ones, die wir dort kennen und lieben gelernt haben. Wir haben auch schon in kleinen Clubs gespielt und das ist immer heimelig. Außer Thomas kommen ja alle aus dem Osten und Magdeburg hat schon allein durch den Slang etwas Angenehmes, etwas Warmes und etwas von zu Hause sein. 

Wie empfindet ihr das Publikum hier?

Alle sind sehr warmherzig und aufgeschlossen. Das Publikum ist eher feierfreudig. Es gibt kühlere Städte wie Hamburg, da muss man sich das erst erspielen. Die Nordlichter sind etwas reservierter.

Du als Gründungsmitglied bist ja seit der ersten Stunde dabei. Nächstes Jahr gibt es die Beatsteaks 20 Jahre – habt ihr schon Pläne, wie ihr das Jubiläum gebührend feiert?

Ich will das noch gar nicht wahrhaben, wir tuen uns schwer mit Jubiläen. Das ist wie mit einem Geburtstag – man versteckt sich und hofft, dass keiner anruft und es einfach alle vergessen (lacht). Irgendwas werden wir sicher machen, aber was, das steht noch nicht fest.

Wenige Restkarten bekommt ihr hier – wir wünschen allen Fans einen unvergesslichen Abend!

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