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Interview vor dem Rock im Stadtpark

Dem Braunschweiger Popmusiker Axel Bosse gelang 2009, nach zwei bei der EMI verheizten Alben, mit dem in Eigenregie produzierten Taxi sein bislang größter Erfolg. Und sein viertes Album Wartesaal (Universal) knüpft schlicht, aber gefühlvoll auf hohem Niveau da an.

urbanite:

Axel, hat dein neues Album Wartesaal für dich ein zentrales Thema?

Axel:

Kaum. Aber es geht um den Konflikt, was mich wirklich glücklich macht zu erkennen mit Arbeit und Geldverdienen zu vereinen.

urbanite:

Ist das der Schwebezustand, der „Wartesaal“, in den man sich begibt?

Axel:

Im Leben muss man gefühlt sehr häufig ‚warten‘. Aber das ist wie mit einem guten Champagner, den man einmal im Jahr drehen muss – warten mit Konzept also. Ich bin nicht Herbert Grönemeyer und als Künstler braucht man dann viel Geduld und Durchhaltevermögen, darf nicht immer zu viel wollen.

urbanite:

Passend dazu scheint Bosse mit jedem Album ruhiger zu werden.

Axel:

Das finde ich auch. Am Anfang von Bosse war mein einziges Ziel, auf jedem Album etwas Neues auszuprobieren. Wartesaal sollte für mich erstmalig Dance-Elemente mit einer verzerrten Bratsche, Akustikgitarre oder einem Flügelhorn vereinen, um einen neuen Sound zu kreieren und trotzdem im Singer-Songwriter-Popbereich zu bleiben.

urbanite:

Zuletzt warst du glücklich selbstständig, jetzt bist du doch wieder bei einem Majorlabel untergekommen.

Axel:

Nach dem Luxus Taxi konnten wir uns tatsächlich aussuchen, alleine oder bei einem Label weiterzumachen. Das einzige Problem war der Arbeitsaufwand, gerade bei mir. Die letzte Albumpromo hatte ich komplett selbst organisiert. Wann sollte ich da überhaupt noch neue Songs schreiben?


Foto: Nina Stiller

Foto: Patrick Wamsganz

urbanite:

Teure Videos wolltest du auch nicht mehr machen und warst doch für die Single „Weit Weg“ in Tokyo.

Axel:

Wir haben dort zu dritt gleich drei Videos an vier Tagen gedreht. Ein großer Stress, aber auch die einzige Rechtfertigung eines solchen Aufwands und auch Belohnung für alle Leute, die mit mir arbeiten; meinen Regisseur etwa, den ich aus dem Sandkasten kenne. Am Ende waren 80% des Budgets noch übrig. Ich finde sinnloses Geldausgeben mittlerweile zum Kotzen.Bei der EMI wollte ich noch, obwohl armer Musikerschlucker, immer gerne im Fünf-Sterne-Hotel schlafen. Dann war man also im Hilton und hatte selber nur 20 € für Kippen in der Tasche. Heute, seitdem ich ein Kind habe, koche ich nur noch ganz gerne mit teuren Gewürzen, gutem Fleisch und Käse.

urbanite:

Beeinflusst das elterliche Verantwortungsbewusstsein auch den Musiker Bosse?

Axel:

Total. Irgendetwas ist in mein Leben gekommen, dass mich nicht mehr so verrückt sein lässt wie mit zwanzig. Aber die Sachen, die man mit zwanzig macht, habe ich damals eben auch gemacht, bin damit also durch.

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