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Wo ist mein Auto?

In seiner monatlichen Kolumne bei urbanite beschreibt Kabarettist Lars Johansen das Stadtgeschehen als satirischer Magdebürger.

Die Frage in der Überschrift wird immer öfter mit: „Im Stau.“ beantwortet. Endlich kann man sich auch bei uns wie in einer echten Großstadt fühlen. Autoschlangen, Baustellen bis zum Abwinken und das Tolle ist: Das bleibt auch noch etwas länger so.

Dankbare Taxifahrer freuen sich über den neuen Standplatz am Bahnhof, der nicht nur schwer zu erreichen ist, sondern sich auch noch unter herrlichem Baumbestand befindet, den die Krähen als Klo begreifen und die Wagen so rund um die Uhr mit interessanten Mustern versehen. Da hat auch der Fahrgast Spaß, wenn er mal hineingreift, weil er sich am Türrahmen festhalten will. Und er ist sowieso glücklich, weil er nicht mehr mit einer Kamera überwacht werden darf. Denn da steht auf einmal der Datenschützer auf, dem NSA und BND egal sind. Natürlich dürfen wir rund um die Uhr abgehört werden, aber nur von den offiziellen Stellen. Oder in öffentlichen Gebäuden oder Eisen- und Straßenbahnen, aber beim Taxi wird das Menschenrecht auf einmal verletzt. Denn da ist der Mensch noch Mensch, sicher vor Kamera und Mikrophon.

Ist doch irgendwie beruhigend, dass Obama nie erfahren wird, was in Magdeburger Taxen an Weltverschwörungen geplant wird. Die ersten Auswirkungen sind schon zu spüren. Warum wurde denn der Privatwagen vom Innenminister ausgerechnet in Halle aus einer Werkstatt geklaut? War das eine Protestaktion gegen die Reduzierung der Ordnungskräfte in unserem Land? Oder haben nur die Magdeburger Autowerkstätten dem Stahlknecht mal beweisen wollen, wie unsicher so eine Reparatur in Halle ist?

In Merseburg wiederum wurde der Wagen unseres Wissenschaftsministers von aufgebrachten Studenten schwer beschädigt. Man hat nämlich die Luft rausgelassen. Nicht aus dem Minister, aber aus einem seiner Reifen. Jetzt läuft er unrund, der Wagen. Und dazu hat die akademische Elite noch ganz laut getrommelt, nur weil der Möllring über Geld reden wollte. Schwerhörig war er ja schon vorher, denn er sprach immer noch von den 50 Mio. € Einsparvolumen, die eigentlich schon vom Tisch waren. Aber eben nicht von seinem.

Hätte er das Gespräch hier geführt, wären die Reifen noch ganz, nicht nur weil die Staus seine Ankunft verhindert hätten. Denn trommelnde Musikstudenten gibt es hier auch nicht mehr. Nur ein paar demonstrierende Schauspieler. Aber die wollen ja nur dem Dorgerloh ans Auto. Und der traut sich überhaupt nicht mehr raus.

In diesem Sinne: Die einen spielen Theater, wir Großstadt, und die Landesregierung Regierung.

Ihr Magdebürger

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