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Die Alex Becker Kolumne: Wie ich an ein Freundschafts-Tattoo mit Johnny Depp kam

Einmal im Monat berichtet „All Access Alexx“ exklusiv bei PRINZ von seinen spannenden Erlebnissen mit den größten Rock-Stars der Welt. AAA heißt eigentlich Alex Becker und ist seit 20 Jahren im Musikgeschäft tätig. Hier entführt er euch hinter die Kulissen dieser verrückten Branche und erzählt die ein oder andere Anekdote aus seinem Leben. Seid ihr gespannt? Wir auch! Los geht’s:

Seit fast 50 Jahren ist die Jahrhunderthalle in Frankfurt eine Institution der deutschen Musikwelt. Auf den Brettern die die Welt bedeuten, standen schon Legenden wie Jimi Hendrix, The Doors mit Jim Morrison – aber auch Acts wie die Backstreet Boys – und brachten unzählige Fans an den Rand der Ekstase. Im Sommer 2018 sollten sich dann auch die Hollywood Vampires in diese illustre Liste eintragen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht: Hollywood wer?

Die Hollywood Vampires sind eine amerikanische Supergroup, besetzt mit wirklich hochkarätigen Stars. Am Gesang Alice Cooper, als Schockrocker mit Songs wie „Poison“ und „School’s out“ zum Weltruhm aufgestiegen. Joe Perry, seines Zeichens Gitarrengott der legendären Hard-Rock Band Aerosmith an den Saiten. Und kein geringerer als Schauspiellegende und Weltstar Captain Jack Sparrow aka Johnny Depp. Was als normaler Freundschaftsbesuch begann, sollte in einer unvergesslichen Nacht im teuersten und besten Hotel der Stadt enden – der Kennedy-Villa.

Ein bisschen Spaß muss sein: Alex hinter der Bühne mit Schock-Rocker Alice Cooper

Ich hatte die Band vor dem Konzert in Frankfurt schon mehrfach auf ihrer Europatournee besucht und war unter anderem im Stadtpark in Hamburg und in der altehrwürdigen Berliner Zitadelle zu Gast. Da ich die Bandmitglieder gut kannte und eine große Vertrauensbasis vorherrschte, war es mir immer möglich, ein paar Freunde mit hinter die Bühne zu nehmen. In Hamburg hatte ich zum Beispiel Rammstein-Frontmann Till Lindemann dabei, in Berlin konnte ich meine Friseurinnen von „Wild Hair“, die sich früher immer mit meiner Haarpracht rumschlagen mussten, glücklich machen. 

In Frankfurt nahm ich Liz Vegas mit. Liz ist eine grandiose Tätowiererin, die ich schon seit unzähligen Jahren durch ihre Arbeit bei „Hafenfarben“ in Hamburg kenne. Ganz uneigennützig bat ich sie, ihre Ausrüstung mit nach Frankfurt zu bringen. Ich hoffte, dass sie nach der Show noch meinen ach so ausgeprägten Adoniskörper mit einem neuen Motiv schmücken könnte. Aber es sollte anders kommen.

Auch an diesem Abend zeigte sich die Band in absoluter Bestform. Songs wie „Break on Through“, „I’m Eighteen“, „The Jack“ von AC/DC oder die David Bowie Cover-Version von „Heroes“ mit Johnny Depp am Gesang brachten das Publikum in Höchststimmung. Für den Abschluss des Abends sorgte dann der Alice Cooper Klassiker „School´s out“, der aus tausenden Kehlen lautstark mitgesungen wurde.

Als Kind posierte ich oft mit einem Tennisschläger vor dem Wandspiegel in meinem Kinderzimmer und rockte zu „Walk this way“ von Aerosmith. Im Fernsehen verschlang ich jede Folge von „21 Jump Street“. „Cry-Baby“ und „Edward mit den Scherenhänden“ kaufte ich mir damals nach dem Kinobesuch sogar auch noch auf Videokassette.

Und nun machte ich mich nach dem Konzert auf den Weg hinter die Bühne, um den Jungs zu ihrem gelungenen Auftritt zu gratulieren. Umarmung mit Joe und Johnny, High-Five mit Alice. Meine Helden von früher. Und auch wenn sie nur mit heißem Wasser kochen, und wirklich absolut nette, höfliche und bodenständige Menschen sind, so denke ich manchmal wirklich, wie surreal das doch alles ist, was ich beruflich manchmal erlebt habe…

Nach dem Gig hing ich noch ein bisschen mit der Band und der Crew ab, als mir das Tattoo wieder einfiel. Ich erzählte Johnny Depp davon und auch von meiner wirklich netten und talentierten Begleitung Liz. Wer Johnny kennt, weiß, dass er Tattoos auch nicht abgeneigt ist. Seine Augen leuchteten auf. Johnny schlug direkt vor, dass wir die Party verlassen und zu seinem Hotelzimmer im Kennedy gehen könnten. Na ja, „Hotelzimmer“ war leicht untertrieben. Sein Hotelzimmer war die John F. Kennedy Suite und damit dreimal so groß wie meine Wohnung. 

Meine Freundin Liz holte ihre Ausrüstung aus dem Auto und kam zu uns hoch in die Suite. Johnny und ich hatten es sich schon mit einem Glas Wein gemütlich gemacht. Da Liz gute Manieren hat, brachte sie natürlich noch ein kleines Gastgeschenk für Johnny aus deutschen Landen mit. Lakritz-Schnaps. Ja, so etwas gibt es. Wusste ich bis dato auch nicht. Johnny und ich hatten noch nie in unserem Leben von Lakritz-Schnaps gehört, geschweige denn davon getrunken. Also probierten wir – und schon war die Flasche leer. Liz, die höchstprofessionell nicht mitgetrunken hatte, bereitete in der Zwischenzeit ihren Arbeitsplatz vor.

Tattoo-Artist Liz verschönert Johnny Depp

Dann legte Liz endlich Hand an mich an. In einer Hotelsuite war ich bis dato auch noch nicht tätowiert worden. Ich machte es mir in einem schönen Sessel gemütlich. Mal was Neues. Liz zeichnete das Motiv auf meinem Unterarm auf und fing dann unter Johnnys neugierigen Blicken an zu tätowieren. Ihm gefiel das Motiv so sehr, dass er es auch auf seiner Haut verewigt haben wollte. Er fragte mich, höflich wie er ist, um Erlaubnis.  Wir fanden die Idee wirklich sehr lustig und cool, da das Tattoo ein Symbol unserer Verbindung und Freundschaft darstellen würde. Und warum sollte ich ein Problem damit haben, mein Tattoo nicht nur mit meinem Freund, sondern mit einer wahren Legende zu teilen?

Johnny war so begeistert von den Künsten meiner Liz, dass er gar nicht mehr aufhören wollte! Am gleichen Abend, oder sagen wir besser am frühen Morgen des nächsten Tages, verpasste sie ihm dann noch zwei weitere tolle Motive. Als wir endlich mit allem fertig waren, ließen wir die Nacht, bzw. den Morgen noch entspannt ausklingen, bis sich unsere Wege gegen frühen Mittag wieder trennten.

Lust auf weitere Geschichten? Nächsten Monat erzählt AAA von einer nicht minder ereignisreichen Party-Nacht mit ZZ Top-Legende Billy Gibbons – nur bei prinz.de

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